Es riecht nach Technik. Nach Technik, die nicht technisch aussieht, sondern nach Möbelstück oder Accessoire. Das ist keine allzu große Überraschung, denn immerhin sind wir hier auf der IFA, der größten Messe Europas für Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte.
Interessant ist vielmehr, woher die Händler kommen. Von rund 1900 Ausstellern stammen dieses Jahr 931 aus China, hinzu kommen Dutzende aus Hongkong. Lange galten chinesische Produkte als billige Kopien, heute geben sie in Robotik und Künstlicher Intelligenz den Takt an.
Politiker (der Kanzler ist nicht dabei) werden beim Eröffnungsrundgang jedoch erst einmal zu den deutschen Herstellern geführt. Eisern hält man an der Devise fest, dass „Made in Germany“ immer noch state of the art ist. So weit, so naiv.
Natürlich sind Bosch, Kärcher und Liebherr große Namen deutscher Ingenieurskunst, aber das war’s dann auch schon. Alles, was intelligent sein soll – also smarte Kühlschränke, Fensterputzroboter und dergleichen –, kommt nicht ohne chinesische Chiptechnologie aus.
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Gute Technologie in CHN, gute Ausbildung in GER
Fragt man Chinesen, woran es liegt, dass deutsche Unternehmen seit Jahren in Sachen Innovation so schwächeln und chinesische so stark sind, antwortet ein Marketing-Manager bei Cool Fly, die eine Art fliegenden E-Scooter produzieren: In China sei es leichter, Partner für ein Start-up zu finden, aber „in Deutschland gibt es eine gute Ausbildung“. Noch. Denn erst kürzlich berichtete unter anderem die FAZ, dass chinesische Universitäten westliche im Nature Index 2026 überholten. Zhejiang (Platz 1) vor Harvard (Platz 3), Tsinghua (Platz 9) vor dem besten deutschen Vertreter, der TU München (Platz 110).
Das Fluggerät von Cool Fly
© Cool Fly
Wir aber haben immerhin – Ikkimel. Sie ist der Stargast im Sommergarten der IFA. Man kann die Messemacher verstehen, warum sie sie geholt haben. Die Rapperin ist jung, woke, zieht Influencer und die Gen Z in Scharen an. Dass sie die feministische Selbstermächtigung des New Yorker Raps der 90er-Jahre à la Lil Kim 2026 ins Deutsche übersetzt hat – das vermag nicht jeder oder jede. Aber Innovation for all! Welcher Deutsche, welche Deutsche hat das in diesen Zeiten besser umgesetzt als Ikkimel?
Politiker räumen zusammen mit dem Miele-CEO Teller in einen neuen Geschirrspüler ein.
© Markus Wächter/Berliner Zeitung
Der Marketing-Manager von Cool Fly sagt, in China finde man leichter Partner. Er hätte auch sagen können: Es gibt weniger Paragrafen. Das Fluggerät ist so konstruiert, dass es in China zur „low-altitude economy“ gehört – und damit schon jetzt Staus überfliegen darf. Wir haben dafür ein Luftverkehrsgesetz. Oder um es mit Ikkimels Worten zu sagen: „This is how we do in Deutschland.“
Innovation for all. Die Chinesen haben sich das Motto der IFA aufs Banner geschrieben und meinen damit die fliegenden E-Scooter. Wir haben es uns aufs Banner geschrieben und meinen damit Backöfen mit automatischer Gerichterkennung – und natürlich Fotzenrap.
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