Die IG Metall hat die Pläne der sächsischen Landesregierung für eine neue „AutoUnion Sachsen GmbH“ zur Rettung des VW-Werks in Zwickau mit deutlicher Skepsis aufgenommen. Zwar begrüße man grundsätzlich das Engagement von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), erklärte Jan Otto, IG-Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, in einer Presseerklärung. Jede Einmischung der Politik in die Tarifautonomie werde jedoch „entschieden“ abgelehnt.
„Längere Arbeitszeiten und eine Lohndrückerei sind das völlig falsche Instrument, lösen keine Probleme und stoßen auf den entschiedenen Widerstand der Beschäftigten, der Betriebsräte und der IG Metall. Klar muss allen Beteiligten sein: Über die in Tarifverträgen geregelten Arbeitsbedingungen und Entgelte entscheiden allein die Tarifvertragsparteien. Da muss sich die Politik heraushalten, in Sachsen genau wie in ganz Deutschland. Jegliche Einmischung in die Tarifautonomie lehnen wir entschieden ab“, sagte Otto nach erster Sichtung des Konzepts. Vorrangig gehe es um eine bessere Auslastung der Standorte. Die IG Metall sei aber offen für alle Gespräche, die diesem Ziel dienen.
Kretschmer sieht längere Arbeitszeiten für VW in Zwickau als Lösung
Sachsens Plan gegen das drohende VW-Aus: Zwickauer Werk soll „AutoUnion Sachsen“ werden
Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, wies den Versuch zurück, die Belegschaft „zum Teil des Problems bei Volkswagen zu erklären“. Die Beschäftigten im Werk Mosel seien hochflexibel und qualifiziert und hätten bereits substanzielle Beiträge zur Sicherung des Standortes geleistet. Nun sei Volkswagen am Zug, tragfähige Lösungen zu entwickeln.
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MehrWas sich für die Zwickauer Beschäftigten ändern würde
Nach dem Konzept von Ministerpräsident Kretschmer sollen die Beschäftigten in eine eigenständige „AutoUnion Sachsen GmbH“ wechseln, in der ein neuer tariflicher Rahmen gilt. Vorgesehen ist ein Drei-Schicht-System innerhalb des Arbeitszeitgesetzes, ergänzt um eine zusätzliche unbezahlte „Gestaltungszeit“ für Qualifizierung, Instandhaltung, Prozessoptimierung und Kommunikation.
Die Produktionsmenge soll sich an der Nachfrage orientieren. Bei hoher Nachfrage soll die Belegschaft am Ergebnis beteiligt werden, bei geringer Nachfrage greifen Instrumente zur Anpassung der Fabrikkosten. Von Beschäftigten verursachte Nacharbeit soll „schichtbegleitend“ und nach dem Verursacherprinzip zugeordnet werden – was faktisch unbezahlte Nacharbeit, etwa an Samstagen, bedeuten würde.
Neben einer tariflichen Grundvergütung ist eine erfolgsabhängige Sonderzahlung vorgesehen. Für den Wechsel in die neue Gesellschaft stellt das Papier steuerprivilegierte Abfindungszahlungen in Aussicht. Anfang Oktober hatte VW selbst die Kündigungen mehrerer Tarifverträge angekündigt und Anfang der Woche durch ein Einfrieren der Gehälter aller 660.000 VW-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter weltweit bis 20230 präzisiert. Das berichteten mehrere Medien übereinstimmend. VW selbst äußert sich nicht öffentlich zu den Plänen.
Warum Sachsen das Zwickauer Werk selbst retten will
Hintergrund ist die ungeklärte Zukunft des VW-Werks Zwickau und das Auslaufen der Produktion ab 2031. Damit würden rund 8000 Arbeitsplätze im Werk selbst und tausende weitere in der Zulieferindustrie wegfallen.
Die Zukunftsplanung des VW-Konzerns dauere Sachsens Ministerpräsident Kretschmer zu lange und finde auch bisher ohne Sachsen statt. Man lasse sich „nicht länger abspeisen“ und nehme nun „sein Schicksal selbst in die Hand“, so Kretschmer auf der Plattform X.
Er schlägt in einem Konzeptpapier, das dieser Zeitung vorliegt, die Gründung einer neuen AutoUnion Sachsen GmbH vor – angelehnt an den Namen der historischen Auto Union Chemnitz, die 1932 gegründet wurde. Damals schlossen sich unter diesem Namen Audi, DKW, Horch und die Wanderer-Werke zusammen, die jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet wurden.
Zwickau solle wieder Vorreiter in der Automobilproduktion werden, auch durch den verstärkten Einsatz humanoider Roboter. Doch die Rettung des Zwickauer Werkes gelinge nur, wenn VW-Konzernführung, Politik und Arbeitnehmervertreter an einem Strang ziehen, so Kretschmer.
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