IHK fördert drei Konzepte, mit denen Einkaufsstraßen neu gestaltet werden

Obst, Gemüse und gute Nachbarschaft

Birgitt Eltzel
4 Min

Den letzten Wochenmarkt gab es an der Schillerpromenade in Nord-Neukölln im Jahr 1990. "Nach 80 Jahren Markttradition war da Schluss", sagt Beate Hauke. Viele ältere Bewohner und auch neu Hinzugezogene vermissten aber lebendiges Markttreiben im Kiez. Hauke, Mitte 50 und Besitzerin eines Mietshauses, dachte sich: "Da müsste eigentlich was zu machen sein." Sie suchte sich Gleichgesinnte, gründete die Initiative Pro Schillerkiez mit und wirkt mit dem Quartiersmanagement zusammen. Im Mai wird es erstmals wieder einen Markt im Kiez geben. Das Projekt "Schillermarkt" gehört zu den drei Siegern des Wettbewerbs 2008/2009 "Mittendrin in Berlin", die die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestern prämiierte:Markt der Vielfalt: Nicht nur Obst, Gemüse und Lebensmittel soll es auf dem einmal wöchentlich stattfindenden Markt im Quartier Herrfurthplatz/Schillerpromenade geben. Einmal im Monat findet dort auch ein "Markt der Kulturen" statt: "Wir haben 160 Nationen in Neukölln, die könnten sich alle dort präsentieren", sagt Initiatorin Beate Hauke. Nicht nur mit Tänzen und Gesängen aus ihrer Heimat, auch mit landestypischen Speisen und Getränken. Privatpersonen, Vereine, Initiativen und Gewerbetreibende aus der Umgebung könnten sich dort ebenso vorstellen. Hauke: "Das trägt doch dazu bei, dass sich alle besser kennenlernen und Hemmschwellen abgebaut werden." Zur Eröffnung am 16. Mai wird es vor der Genezareth-Kirche ein Programm unter dem Titel "Der Runde Tisch - Die Welt zu Tisch am Herrfurthplatz" geben. "Stühle und Tische werden vor die Kirche geräumt und man kann dort gemütlich sitzen", sagt Beate Hauke.Designbewegung Boxhagener Platz: Mehr als 200 Läden vor allem mit junger Mode gibt es allein im Viertel rund um den Boxhagener Platz. "Und die Szene wächst weiter", sagt Carola Schneider vom Unternehmerverein Friedrichshain-Kreuzberg. Die Szene soll auch anderswo in der Stadt bekannter werden - und den angesagten Standorten in Mitte und Prenzlauer Berg Paroli bieten. "Konkurrenz belebt das Geschäft", so Schneider. Die "Designbewegung Boxhagener Platz" wird in Berlin ausschwärmen - eine speziell gestaltete Zugmaschine mit Aufleger soll von Mai bis Juni mit einer Roadshow durch Mitte, Schöneberg, Charlottenburg und Prenzlauer Berg touren. Und damit das Interesse auf das Potenzial der Mode-, Kunst- und Designerszene zwischen Frankfurter Allee und Revaler Straße lenken. Im Juni gibt es eine Abschlussveranstaltung mit einem Aktionstag am Boxhagener Platz. Dort wird es unter anderem organisierte Touren zu Modegeschäften und Galerien geben.Mobiles Kinderparadies Wilmersdorfer Straße: Thomas Bong, der Chef der AG Wilmersdorfer Straße, zu der sich die Geschäftsleute zusammengeschlossen haben, sieht Berlins älteste Fußgängerzone schon lange als "die Familiäre". Diesem Ruf soll sie nun noch besser gerecht werden, indem dort speziell für Kinder mehr geboten wird. Das "mobile Kinderparadies" wird beim traditionellen Frühlingsfest am 8./9. Mai eröffnet. Zunächst mit einem umfunktionierten Bauwagen, der gemeinsam von Kindern und Künstlern gestaltet wird. Der Wagen ist zugleich Symbol für einen Umzugswagen. Denn später soll das Kinderparadies, das vom Verein Lillabo Hus e.V. betreut wird, in leere Ladenlokale umziehen. Wenn ein Laden wieder als solcher genutzt wird, ziehen Kinder und Betreuer in das nächste leere Geschäft. "Wir überlegen noch, ob wir einen kleinen Obolus für die Betreuung nehmen oder es sogar schaffen, das kostenfrei zu gestalten", sagt Bong.------------------------------Lebendige ZentrenSeit 2005 gibt es den Wettbewerb "Mittendrin Berlin! Die Zentren-Initiative". Auslober sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die IHK Berlin. Damit sollen Initiativen gefördert werden, um Standorte nachhaltig zu stärken. Förderung gibt es nicht nur von IHK und Senat, sondern auch von Sponsoren, beispielsweise Werbung und Coaching.Erstmals gab es 2008/2009 einen zweistufigen Wettbewerb. 23 Beiträge waren eingereicht worden, zehn kamen in die zweite Runde. Aus diesen wählte eine Jury die drei Preisträger, die je 35 000 Euro bekamen.Insgesamt betrug das Fördervolumen 150 000 Euro. Die Gewinner müssen einen Eigenanteil von 30 Prozent beisteuern. Alle anderen Mitwirkenden bekamen 4 000 Euro. Viele, die nicht gewonnen haben, wollen ihre Projekte in abgespeckter Form trotzdem realisieren.------------------------------Foto: Rund um den Boxhagener Platz in Friedrichshain gibt es viele Design-Läden. Im Juni präsentieren sie sich dort.

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