Am 3. September feiert Simone von Zglinicki ihren 75. Geburtstag. Der MDR würdigt die Schauspielerin aus diesem Anlass mit ihrem Leinwanddebüt: Am 1. September um 22.55 Uhr zeigt der Sender den Defa-Film „Für die Liebe noch zu mager?“, mit dem der Schauspielerin 1973 unter der Regie von Bernhard Stephan der Durchbruch gelang.
Im Anschluss ist der Film einen Monat lang in der ARD-Mediathek zu sehen, wie die Defa-Stiftung mitteilt. Sie kürt den Film zu ihrem Film des Monats September.
Zu ihrer ersten Hauptrolle kam Simone von Zglinicki unverhofft. Eigentlich sollte Katharina Thalbach die 18-jährige Susanne spielen, ein modernes Aschenbrödel, wie die Defa-Stiftung ihre Rolle beschreibt, das seinen Weg zwischen Pflichtgefühl und eigenen Träumen sucht. Man könnte sie auch als Mauerblümchen bezeichnen: Beim Tanz wird sie als Allerletzte aufgefordert, es bemerkt sie einfach keiner, nicht mal der junge Mann, in den sie verliebt ist.
Wenige Wochen vor Drehbeginn musste Katharina Thalbach absagen – sie war schwanger, mit ihrer Tochter Anna Thalbach. Der Regisseur Bernhard Stephan wandte sich in seiner Not an eine befreundete Schauspiellehrerin, die sofort an eine ihrer Studentinnen an der Leipziger Theaterhochschule dachte.
Nach einem Vorsprechen hatte Simone von Zglinicki die Rolle, mitten im Studium. „Das war für mich eigentlich die schönste Filmzeit, die ich je hatte“, sagte sie später.
Kein Filmsternchen
Der Erfolg des Films – über 1,1 Millionen Kinobesucher in der DDR, Lizenzen unter anderem nach Polen, Ungarn und in die BRD – öffnete ihr die Tür zum Deutschen Theater, das für Jahrzehnte ihre künstlerische Heimat wurde.
Leicht hatte sie es dort zunächst nicht: Auf die Frage eines Kollegen, wer die Neue sei, bekam er zur Antwort: „Ein Filmsternchen.“ Das wollte Simone von Zglinicki nicht sein. Sie nahm Sonderschichten und zusätzlichen Sprechunterricht, um sich als Theaterschauspielerin zu beweisen – mit Erfolg.
Simone von Zglinicki in dem Defa-Film „Für die Liebe noch zu mager?“
© Uwe Fleischer/DEFA-Stiftung
Ärger mit der Zensur
„Für die Liebe noch zu mager?“ eckte an. Bei der staatlichen Abnahme geriet der DDR-Filmminister laut Regisseur Stephan in eine regelrechte Schimpftirade über das vermittelte Jugendbild. Der Film wurde nur mit Auflagen freigegeben, ein ganzer Handlungsstrang von zehn Minuten fiel bereits beim Rohschnitt komplett weg, schreibt die Defa-Stiftung in ihrer Mitteilung.
Der Film ist stark von seiner Musik geprägt: Songs der ungarischen Band Illés und der Klaus-Renft-Combo, mit Texten unter anderem von Gerulf Pannach, trugen die Handlung – ein Novum in der Defa-Geschichte, dass der Soundtrack später sogar als eigene LP erschien.
Kein Vor- und Abspann
Gedreht wurde größtenteils im Eichsfeld, unter anderem in Heiligenstadt und Mühlhausen – Stephan habe die Geschichte bewusst in der DDR-Provinz ansiedeln wollen, nicht in Berlin, so die Defa-Stiftung. Eine weitere Besonderheit: Der Film läuft komplett ohne Vor- und Abspann, keiner der Beteiligten wird namentlich genannt. Stephans Begründung damals: Ein Film für junge Leute brauche keine Namen.
Die Kritik war der Zensur seinerzeit voraus: Die Berliner Zeitung lobte 1974 die „neue Sachlichkeit der jungen Leute“, die den Film präge. Nun kann man ihn zum 75. Geburtstag der Hauptdarstellerin wiederentdecken.
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