BERLIN. Wegen des rapiden Kursverfalls des US-Dollars befürchtet die Deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie massive Einbußen für ihr Geschäft. "Der Kursverfall der US-Währung ist eine große Bedrohung für unsere globale Wettbewerbsfähigkeit", sagte der Chef des Branchenverbandes BDLI, Thomas Enders, gestern in Berlin.Die Branche erwirtschaftet einen Großteil ihrer Umsätze im Dollar-Raum. Deshalb drückt der schwache Dollar auf die Erträge. Zudem steht der große europäische Flugzeughersteller Airbus in unmittelbarem Wettbewerb zum US-Konkurrenten Boeing, dessen Kostenvorteile durch den schwachen Dollar immer größer werden.Die Entwicklung zwinge die deutschen Hersteller - gemeint sind neben Airbus auch die zahlreichen Zulieferer - einen Großteil ihrer Produktion in die aufstrebenden Märkte Osteuropas oder Südostasiens zu verlagern, sagte Enders, weil dort die Kostenstruktur wesentlich günstiger sei als in Deutschland.Hoffnung auf chinesischen MarktEine Produktionsverlagerung ins billigere Ausland müsse aber nicht zwangsläufig mit einem Stellenabbau in Deutschland einhergehen, betonte Enders, der zugleich auch Airbus-Chef ist. Denn verlagert würden in der Regel einfache Tätigkeiten. Qualifizierte und anspruchsvolle Aufgaben würden dagegen in Deutschland bleiben. In diesen Bereichen gebe es deshalb sogar weiteren Personalbedarf. "Wir befürchten sogar einen immer gravierenderen Fachkräftemangel", sagte Enders. "Wir haben den Humanfaktor in den letzten zehn Jahren deutlich unterschätzt." Die Sicherung einer ausreichend hohen Zahl hoch qualifizierter Fachkräfte und Ingenieure sei deshalb neben dem schwachen Dollar eine der größten Herausforderungen der Branche für die nächsten Jahre. Zu schaffen mache der Branche aber auch der hohe Ölpreis, der gerade in den USA viele Airlines - und damit potenzielle Kunden - an den Rand des Ruins gebracht habe.Trotz dieser Probleme habe die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie im vergangenen Jahr ihren Umsatz um knapp vier Prozent auf die neue Rekordmarke von 20,2 Milliarden Euro steigern können, betonte Enders. Dieser positive Trend habe sich auch auf die Zahl der Beschäftigten ausgewirkt: Sie sei 2007 um über drei Prozent auf gut 88 000 gestiegen - ebenfalls ein neuer Rekord. Damit habe die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie 2 700 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.Neue Impulse erhofft sich die Branche in diesem Jahr von der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), die in gut einem Monat am Flughafen Berlin-Schönefeld stattfindet. Mit rund 1 000 Ausstellern aus 40 Ländern werde die diesjährige ILA so groß sein wie noch nie. "Die ILA ist eine ideale Plattform, auf der sich die Industrie präsentieren und Geschäftskontakte anbahnen kann", sagte BDLI-Hauptgeschäftsführer Dietmar Schrick. Aber auch für Berufseinsteiger und Fachkräfte sei die ILA ein hervorragender Begegnungsort. Auf der ILA sollen auch die aktuellen europäischen Explorationsprojekte zu Mond und Mars sowie der bemannten Raumfahrt präsentiert werden.Auf der vergangenen ILA vor zwei Jahren hatte Airbus den neuen Großraumjet A 380 erstmals dem Publikum präsentiert. Dies trug Schrick zufolge entscheidend dazu bei, dass die Ausstellung mit rund 250 000 Gästen einen Besucherrekord verzeichnen konnte."Luft- und Raumfahrt sind weiterhin Wachstumsmotoren für die deutsche Wirtschaft", sagte Enders. "Damit dies so bleibt, werden wir konsequent daran arbeiten müssen, den Standort Deutschlalnd auf Dauer global wettbewerbsfähig zu machen."Große Hoffnung setzt Enders auf den Absatzmarkt China. Dort würden allein in den nächsten zwei Jahren 2 800 neue Großraumflugzeuge gebraucht - "ein riesiger Markt."------------------------------300 Fluggeräte zu sehenTermin: Die ILA 2008 findet vom 27. Mai bis 1. Juni in Berlin-Schönefeld statt.Teilnehmer: Es werden mehr als 1 000 Aussteller aus über 40 Ländern erwartet. Partnerland ist in diesem Jahr Indien. Darüber hinaus sind mehr als 100 Messe begleitende Konferenzen und Workshops geplant.Ausstellung: Über 300 Fluggeräte aller Größen und Kategorien werden am Boden und in der Luft präsentiert, darunter der größte Airbus A 380.------------------------------Foto: Flugshows wie mit der MIG gehören zu den Publikumsmagneten jeder ILA.
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