Steuerbetrug

Illegale E-Zigaretten überschwemmen Deutschland – Zoll erklärt sich machtlos

Der Schwarzmarkt für Vapes wächst rasant. Bis zu 60 Prozent der Produkte sollen aus illegalen Quellen stammen, Milliarden fließen an der Steuer vorbei.

3 Min
Der deutsche E-Zigaretten-Schwarzmarkt scheint außer Kontrolle zu sein.

Der deutsche E-Zigaretten-Schwarzmarkt scheint außer Kontrolle zu sein.

© Marijan Murat/dpa/dpa

Der deutsche Markt für E-Zigaretten versinkt im Chaos. Während das legale Geschäft 2025 auf rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz angewachsen ist, stammen nach Branchenschätzungen bis zu 60 Prozent der verkauften Produkte aus illegalen Quellen. Die zuständigen Behörden räumen ein, dass sie der Lage nicht mehr Herr werden.

„Als Zoll müssen wir vor illegalen Tabak- und Nikotinprodukten mehr oder minder kapitulieren, weil die Masse so groß ist", sagte Thomas Liebel, Bundesvorsitzender der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ). Der illegale Markt wachse „in einem schwindelerregenden Tempo".

Jan Mücke, Geschäftsführer des Branchenverbandes BVTE, bestätigte das Ausmaß: „Bis zu 40 Prozent der hier konsumierten Vapes kommen aus illegalen Quellen, Tendenz steigend." Eine vom BVTE durchgeführte Untersuchung ergab, dass bei 60 kontrollierten Verkaufsstellen zehn illegale Produkte im Sortiment führten. In Bremen waren laut der Studie 40 Prozent der entsorgten Einweg-Vapes illegal, in Berlin und Hamburg immerhin 13 Prozent.

Zwölf Millionen Pakete täglich – der Zoll kann nicht mithalten

Rund 90 Prozent der illegalen Ware stammen aus China und gelangen in gewöhnlichen Postpaketen nach Europa – täglich zwölf Millionen Sendungen EU-weit. Die geschmuggelten Produkte bieten bis zu 25.000 Züge pro Gerät, während in Deutschland legal verkaufte Einweg-Vapes auf 1000 Züge begrenzt sind. Rico Back vom Beratungsunternehmen SKR ordnete die Dimension ein: „Was wie harmlose Sendungen aussieht, summiert sich zu einem milliardenschweren Schattenmarkt."

Die Gewinnspannen für die Hintermänner seien enorm, das Risiko aufzufliegen dagegen gering, erklärte BDZ-Chef Liebel. Ein Fall aus Bayern verdeutlicht das Problem: Dort wurden 69 Paletten mit jeweils 12.500 illegalen Vapes sichergestellt. Allein die Entsorgung schlug mit 750.000 Euro zu Buche. „Die beklagte Firma war nicht greifbar, die beiden Inhaber waren in China – also blieb der deutsche Steuerzahler auf den Kosten sitzen", so Liebel.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Nach Angaben der Behörden ist der illegale Handel mit E-Zigaretten häufig mit organisierter Kriminalität sowie mit Menschen- und Drogenhandel verflochten. Die Ermittler fordern mehr Personal, einen besseren Datenaustausch zwischen den Behörden und eine engere Zusammenarbeit mit China.

Geplantes Aromastoff-Verbot könnte Schwarzmarkt weiter befeuern

Zusätzliche Sorge bereitet der Branche ein geplantes Verbot von Menthol und anderen Aromastoffen in E-Zigaretten. Branchenvertreter warnen, dass eine solche Regulierung den Schwarzmarkt-Anteil bis 2030 verdoppeln könnte – weil die Nachfrage nach aromatisierten Produkten dann vollständig in illegale Kanäle abwandern würde.

Selbst der chinesische Hersteller Elfbar, einer der größten Anbieter auf dem Markt, forderte härteres Durchgreifen: „Es sind stärkere Durchsetzungsmaßnahmen erforderlich – sowohl vor Ort im Handel als auch an den Grenzen und entlang der illegalen Lieferketten."

Die Situation stellt die deutschen Behörden vor ein grundsätzliches Dilemma: Strengere Regulierung des legalen Marktes könnte den Schwarzmarkt weiter stärken, während die vorhandenen Kapazitäten bei Zoll und Strafverfolgung schon jetzt nicht ausreichen, um die Flut illegaler Produkte einzudämmen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner