Die Genehmigungen gibt es bereits, im August soll die Baugrube ausgehoben werden. Und wenn alles wie geplant läuft, ist das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas Mitte bis Ende des Jahres 2004 fertig - fast 16 Jahre nach Beginn der Debatte um dieses Mahnmal. Auf ein konkretes Eröffnungsdatum will sich die Geschäftsführerin der Stiftung, Sibylle Quack, aber lieber doch noch nicht festlegen. "Wir fangen mit den Bauarbeiten am tiefsten Punkt des Geländes an - mit dem unterirdischen Ort der Information", sagt Sibylle Quack. Auf 1 700 Quadratmetern soll der Besucher Grundinformationen über den Mord an den Juden Europas bekommen. Dazu gehört beispielsweise, dass an möglichst viele Namen von ermordeten Juden, an Einzel- und Familienschicksale erinnert wird. Das Stiftungskuratorium hat den Plänen vor wenigen Wochen zugestimmt. Die "Berliner Zeitung" stellt die Entwürfe der Berliner Ausstellungsmacherin Dagmar von Wilcken erstmals vor. Von diesem Wochenende an sind die Modelle im Informationszentrum Hauptstadt, Behrenstraße 37 (Mitte), zu sehen. Die Kosten für den Bau belaufen sich auf 27,6 Millionen Euro - einschließlich 2,3 Millionen Euro für den Ort der Information. Das Mahnmal entsteht nach den Entwürfen des New Yorker Architekten Peter Eisenman. Die zwischen 50 Zentimeter und den cirka fünf Meter hohen 2 700 Beton-Stelen sollen nach seiner Ansicht "wie Wellen im Meer" wirken. Das Gelände ist 19 000 Quadratmeter groß. Zwei neue Straßen, die bisher nur auf dem Reißbrett existieren, umrahmen das Gebiet: die Hannah-Arendt-Straße grenzt im Süden an die Ländervertretungen, nach Osten erinnert eine Straße an die jüdische Wissenschaftlerin Cora Berliner. Bewusst hat sich das Kuratorium dafür entschieden, dass das 1 700 Quadratmeter große Gelände des Ortes der Information nur über das Mahnmalgelände betreten werden kann. Zuerst begegnen die Besucher im Foyer Bildern von Opfern und Überlebenden des Holocaust. Zahlen aus einzelnen Ländern erinnern an die dort Ermordeten, bevor die Besucher die vier Ausstellungsräume betreten. (siehe Grafik). Bestandteil des Ortes der Information ist das "Portal", das die Besucher zum Abscluss auf weitere Gedenkstätten in Deutschland und anderen Ländern hinweist.Raum der Stille (1): In diesem Raum erhalten die Besucher Grundinformationen über die Verfolgung und Ermordung der Juden Europas. Die Mehrheit des Stiftungskuratoriums will diesen Raum zugleich als einen Ort des Gedenkens und der inneren Einkehr verstanden wissen. Im Boden sind erleuchtete Glasflächen mit Texttafeln eingelassen - in Form der Mahnmal-Stelengrundrisse. Auf diesen Tafeln wird mit möglichst wenigen Worten über die NS-Verbrechen in den europäischen Ländern informiert. An den Wänden stehen chronologisch die wichtigsten Jahresdaten aus der Zeit des NS-Regimes.Raum der Schicksale (2): Mindestens zwölf Familienschicksale aus ganz Europa - mit dem Schwerpunkt Osteuropa - will die Stiftung auswählen, um das Leben dieser Menschen vor und während der NS-Zeit an Hand von Dokumenten und Familienfotos exemplarisch darzustellen. 95 Prozent der Holocaust-Opfer stammen aus Osteuropa. Nach Angaben der Stiftung ist es ein schwieriger Prozess - trotz enger Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Yad Vashem und anderen Institutionen - aus der Vielzahl Beispiele auszuwählen. Als Ausstellungssäulen dienen in Anlehnung an das Mahnmal "herabwachsende" Stelen.Raum der Namen (3): In diesem fast leeren Raum werden Namen von einzelnen Holocaust-Opfern verlesen. In kurzen Abständen werden diese Namen ergänzt durch an den Wänden nachzulesende Daten über Geburt, Alter und Todesdatum. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas hat bei dieser Konzeption eng mit der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem zusammengearbeitet. Die Israelis haben bereits mehr als 3,5 Millionen Namen und rund 100 000 Bilder von Holocaust-Opfern erfasst. Ihre Datenbank haben die Israelis der Berliner Gedenkstätte zur Verfügung gestellt.Raum der Orte (4): In diesem Raum geht es um die Darstellung der europaweiten Ausdehnung des Mordes an den Juden. Erinnert werden soll etwa an längst vergessene Erschießungsstätten an Orten, wo heute oft nur noch Wälder und Felder sind und nichts auf das Grauen hinweist. Ausführlich wird über das KZ- und Lagersystem und über Vernichtungslager informiert, an Stätten von Ghettos, Deportationen, von Todesmärschen und Massenerschießungen erinnert. An Hörstationen und über Datenbanken berichten Zeitzeugen ihr Schicksal. Alle vier Räume sind etwa 150 Quadratmeter groß. In der Struktur sind sie dem Mahnmal ähnlich.
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