Im Frühjahr werden im Gutspark von Annenwalde etwa 700 Rebstöcke gepflanzt

Nördlichster Weinberg liegt bald in der Uckermark

Susanne Rost
3 Min

ANNENWALDE/WERDER. Lange durfte sich der Wachtelberg der Havelstadt Werder rühmen, der "nördlichste Weinberg" Deutschlands, wahlweise auch Europas zu sein. Doch diese Zeiten sind bald vorbei: Vom nächsten Frühjahr an soll im uckermärkischen Annenwalde, ganz im Norden Brandenburgs, Wein angebaut werden. 700 Rebstöcke will Werner Kothe dort im Gutspark, der ihm gehört, anpflanzen. Im Jahr 2005 sollen in dem gerade mal 100 Einwohner zählenden Ort zwischen Templin und Lychen erstmals die roten Trauben geerntet werden. "Die erste Weinverkostung wird es wohl ein Jahr später geben", sagt Kothe.Ein ausgewiesener Weinfachmann ist der Mann nicht, der vor zwölf Jahren aus Berlin in das kleine Dorf im Naturpark Uckermärkische Seen gezogen ist. Er gibt zu, auch "liebend gern" mal ein Bier zu trinken, und er verdient sein Geld als Künstler. "Bislang war ich Bildhauer, nicht Weinbauer", sagt der 57-Jährige. Im Vorwerk der 1865 geschlossenen Glashütte entstehen seine Kunstwerke. Das historische Gebäude selbst ist seit knapp zwei Jahren wieder geöffnet - als Schauglashütte. Betrieben wird sie von Werner Kothe, seiner Frau Christa und dem Verein "Glashütte Annenwalde". Mit Führungen, Kursen und Konzerten versuchen sie, Touristen in den verträumten Ort am Rande der Kleinen Schorfheide zu locken.Und so ist auch der vom Agrarministerium bereits abgesegnete Rebenanbau auf dem dann wohl nördlichsten deutschen Weinberg so etwas wie eine Marketingidee. "Ein bisschen Schalk ist schon dabei", sagt Kothe. Aber ein bloßer Gag soll das Ganze nicht sein. Der Präsident des Weinverbandes inspizierte die Terrassen im Gutspark, auf denen die Rebstöcke der Marke Regent künftig wachsen sollen - und er befand sie für geeignet. Auch Manfred Lindicke, der den bislang noch nördlichsten Weinberg Deutschlands betreibt, besah sich die Flächen am Densowsee - und riet zu. "Für ihn werden wir keine Konkurrenz darstellen", sagt Kothe. Lindicke sei nicht böse, dass ihm das Prädikat "nördlichster Weinberg Deutschlands" abhanden komme - der gleich lautende Europa-Titel ging wohl ohnehin schon verloren, da inzwischen sogar Dänen mit Rebstöcken experimentieren.Lindicke ist mit seinem sechs Hektar großen Wachtelberg der mit Abstand größte unter den kleinen Winzern Brandenburgs. Außer in Werder werden nur noch in Schlieben, einer im Süden des Landes gelegenen Stadt, Rebstöcke gehegt und gepflegt. 40 000 Flaschen Wein werden pro Jahr inzwischen aus Brandenburger Trauben gekeltert. Von hervorragender Qualität sei der Wein, sagt zumindest Klaus Pastow, der im Agrarministerium für diesen Bereich zuständig ist. "Auch wenn wir klimatisch nicht gerade begünstigt sind." Aber wer mit Herz und Verstand bei der Sache sei, dem gelänge es auch hier, ordentlichen Wein herzustellen. Früher sei schließlich fast in jedem Ort Brandenburgs Wein angebaut worden.Mehr Infos unter 03987/20 02 50 www.glashuette-annenwalde.de

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