Im kommenden Jahr ist Korea Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

Laute aus der Morgenstille

Sabine Vogel
2 Min

Das Logo demonstriert "Modernität in Aktion": Auf dem Piktogramm eines aufgeschlagenen Buches steht "Enter" mit dem Um-die-Ecke-gehenden Pfeil der entsprechenden Computertaste. Das nüchterne IT-Image symbolisiere Korea nicht als scheues "Land der Morgenstille", sondern als das eines selbstbewussten dynamischen Wirtschaftswunders und diesseitigen Expressionismus, erläuterte der Direktor des Organisationskomitees, Chi Woo Hwang, letzte Woche in Frankfurt. "Die koreanische Literatur ist ziemlich modern, wenn nicht sogar postmodern", sie kenne romantische Ironie, Zynismus und Schizophrenie. Statt Unterhaltungsshows und Eventkultur wollen die Koreaner bei ihrem Auftritt als Gastland der Buchmesse 2005 das Prinzip der Muße und des "auf sich einwirken lassen" verfolgen. Nachhaltigkeit soll erzeugt werden, indem man 62 Schriftsteller bereits ab der im Frühjahr stattfindenden Leipziger Buchmesse auf Tour durch Deutschland schickt. Denn bisher ist der "Dialog" nur einseitig: Es gibt kein Deutsch-Koreanisches Wörterbuch in einem deutschen Verlag und auch keinen deutschen Reiseführer. Obgleich Frankfurt am Main die größte koreanische Bevölkerungsgruppe Europas beherbergt und es Kulturveranstaltungen unter der koreanischen Gemeinde gibt, wissen wir kaum etwas über seine 5 000 Jahre alte noch die moderne Kultur. Schon im Korea des 8. Jahrhundert etwa wurden buddhistische Schriften mittels Holzdruck hergestellt, und 1234, gut 100 Jahre vor Gutenberg, entstand dort das erste Buch der Welt im Metalldruckverfahren. Korea gehört nach China zu den größten Abnehmern deutscher Übersetzungslizenzen. Im vorigen Jahr wurden 110 Millionen Bücher mit einem Umsatz von zwei Milliarden US-Dollar verkauft, der Buchmarkt wächst zehn Prozent im Jahr, 20 Prozent des Gesamtvolumens wird über Online abgewickelt. Über 70 Prozent der 75 Millionen Koreaner haben Internetzugang. Und es gibt über 50 Literaturzeitschriften. Und die "wünschenswerte" Teinahme Nordkoreas? Die Buchmesse hat eine Einladung an die "zuständigen Behörden in Pjöngjang" ausgesprochen. Antwort offen.

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