Im P.A.N.-Zentrum lernen hirnverletzte Menschen den Alltag zu meistern

Zurück ins Leben

Eva Dorothée Schmid
3 Min

Als sie im Juli vergangenen Jahres ins Fürst Donnersmarck-Haus in Frohnau kam, konnte sie nicht mehr sprechen, lesen, schreiben, rechnen, sich nicht mehr orientieren. "Eigentlich gar nichts mehr", sagt Petra Pickenhain. Die 49-jährige zierliche Frau mit den dunklen Haaren hatte im Februar 2008 einen Herzinfarkt. Kurz vorher hatte sie ihre Tochter angerufen, weil es ihr nicht gut ging. Die kam, wollte sie zum Arzt bringen, aber plötzlich sank die Mutter in ihren Armen zusammen, sie atmete nicht, hatte keinen Puls mehr. Die Tochter, die mal Rettungsassistentin gelernt hat, begann sofort, die Mutter zu beatmen, als der Rettungsdienst kam, wurde sie wiederbelebt.Trotz der schnellen Hilfe hat Petra Pickenhains Gehirn durch den kurzzeitigen Sauerstoffmangel Schäden davongetragen. Als sie aus der Reha-Klinik entlassen wurde, war sie ein Pflegefall. Doch sie hatte Glück: Sie kam nicht in ein Pflegeheim, sondern zog als eine der ersten Patientinnen in die neu gegründete Gruppe für Menschen mit schweren kognitiven Störungen in das P.A.N.-Zentrum für post-akute Neurorehabilitation. Es gehört der Fürst Donnersmarck-Stiftung, die sich die Rehabilitation von Menschen mit Behinderung zum Ziel gesetzt hat. "Wir bauen Brücken zwischen dem Aufenthalt in der Reha-Klinik und dem Umzug in eine eigene Wohnung", erklärt Stephan Bamborschke, leitender Arzt des Zentrums. Die Patienten bekommen nicht nur verschiedene Therapien, sie werden auch in Wohngruppen rund um die Uhr von Pädagogen betreut und können so das, was in der Therapie erarbeitet wird, im Alltag einüben. "Wir denken in Monaten und Jahren", sagt der Neurologe, Psychiater und Rehabilitationswissenschaftler, im Schnitt bleiben die Patienten, die man hier lieber Klienten nennt, 15 Monate.Petra Pickenhain ist nun schon 16 Monate im P.A.N.-Zentrum. Sie kann heute wieder normal sprechen, sie geht einkaufen, sie bereitet sich selbst ihre Mahlzeiten zu, gerade absolviert sie ein Floristik-Praktikum bei der Union sozialer Einrichtungen. "Das erstaunt uns auch ein bisschen", sagt Neuropsychologin Ute Lenk. Petra Pickenhain sei "das beste Beispiel dafür, dass man nicht am Lehrbuch festhalten muss, dort werden solche Fälle als schwierig beschrieben, aber wir haben bei ihr einen sehr, sehr guten Verlauf".Gehirnzellen wachsen nicht nach, wenn sie einmal abgestorben sind, aber die Betroffenen können lernen, die Verluste zu kompensieren. "Das Gehirn ist in der Lage, neue Verbindungen zu knüpfen", erklärt Lenk. Das gelingt allerdings nur, wenn die Patienten optimal gefördert werden. Das scheint im P.A.N.-Zentrum der Fall zu sein: "Wir erleben, dass die Klienten schneller wieder alltagstauglich werden, als wir vermutet haben, das macht uns Mut, unser Konzept weiter zu verfolgen", so Bamborschke."Wieder lesen zu können, das war das Wichtigste für mich", erzählt Pickenhain. Mit Logopäden lernte sie wieder sprechen, lesen und schreiben, in ihrer Wohngruppe wurde das Gelernte im Alltag durch Üben vertieft. In der Ergotherapie konnte sie herausfinden, wie belastbar sie noch ist, Petra Pickenhain nähte sich dort Kleider und fertigte kleine Elchfiguren - früher arbeitete sie als Designerin in einer Schuhfabrik.Seit April wohnt sie in einem Appartement auf dem Gelände, dort lernt sie, ihren Alltag wieder alleine zu bewältigen. Anfang Dezember kann sie das Zentrum verlassen, sie wird dann in eine eigene Wohnung in Hennigsdorf ziehen. Sie freut sich schon: "Jetzt kann ich wieder ein neues Leben beginnen." Für ihre ehemalige Wohngruppe malt sie gerade ein Bild, es zeigt einen Phönix, der aus der Asche aufersteht. Das Bild soll den anderen Mut machen.Das P.A.N. Zentrum finden Sie im Internet unter: www.panzentrum.de------------------------------Foto: In der Ergotherapie konnte Petra Pickenhain herausfinden, wie belastbar sie noch ist. Sie nähte sich dort Kleider und fertigte kleine Elchfiguren.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner