Landwirtschaft

Ostdeutschland gehen die Ferkel aus: Fast 200.000 Schweine kommen schon aus dem Ausland

Neue Zahlen zeigen, wie Deutschlands Schweinefleisch vom Ausland abhängig wird: Die heimische Ferkelerzeugung schrumpft schneller als die Mast. Woran liegt das?

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Blick in einen Schweinestall: Ostdeutsche Mastbetriebe sind bei Ferkeln weiter auf Importe aus dem Ausland angewiesen.

Blick in einen Schweinestall: Ostdeutsche Mastbetriebe sind bei Ferkeln weiter auf Importe aus dem Ausland angewiesen.

© Marijan Murat/dpa

Deutschland hat 2025 knapp zehn Millionen Ferkel importiert. 99,5 Prozent davon kamen aus Dänemark und den Niederlanden. Fast 200.000 Schweine sind allein von Januar bis Juli 2026 aus dem Ausland in die fünf ostdeutschen Flächenländer gekommen. Das zeigt eine Auswertung aktueller Außenhandelsdaten des Statistischen Bundesamtes auf Anfrage dieser Zeitung.

„Ferkelimporte aus Dänemark und den Niederlanden sind für die deutsche Schweinemast von sehr großer Bedeutung“, sagt Klaus Kessing von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) auf Anfrage. Denn obwohl Deutschland insgesamt weniger Schweine importiert als noch vor einigen Jahren, ist die heimische Ferkelerzeugung so schnell zurückgegangen, dass Ferkelimporte für die verbliebenen Mastbetriebe immer wichtiger werden.

Heimische Ferkelerzeugung schrumpft schneller als Mast

Mit Abstand die meisten Tiere gingen in Ostdeutschland in diesem Jahr nach Mecklenburg-Vorpommern: rund 145.900 Schweine, davon etwa 126.600 aus Dänemark und gut 19.200 aus den Niederlanden. Sachsen-Anhalt kam auf knapp 31.800 Tiere, Brandenburg auf rund 7300, Sachsen auf gut 7200 und Thüringen auf etwa 1250. „Damit sichern diese Importe einen wesentlichen Teil der Ferkelversorgung deutscher Mastbetriebe“, sagt Kessing.

Dabei gehen die Schweineimporte insgesamt zurück: Nach einer aktuellen Auswertung der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft wurden von Januar bis August rund sieben Millionen Schweine und Ferkel nach Deutschland eingeführt, knapp ein Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Niveau liegt inzwischen deutlich unter früheren Jahren.

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1,35 Millionen Euro pro Betrieb: Ferkelerzeuger vor der Kostenfrage

Deutschlandweit ist die Zahl der Schweine-Betriebe binnen zehn Jahren um 40 Prozent gesunken – von rund 24.500 auf 14.700. In Ostdeutschland konzentriert sich die Tierhaltung zunehmend auf wenige, große Betriebe. Ein Grund dafür sind die hohen Kosten, die auf die Landwirte zukommen.

Nach einer ISN-Befragung unter 244 Ferkelerzeugern Ende 2025 ergibt sich für die deutsche Ferkelerzeugung ein Investitionsbedarf von insgesamt rund 4,4 Milliarden Euro. Allein für den Umbau des Abferkelbereichs – also des Stallbereichs, in dem Sauen ihre Ferkel bekommen und säugen – müssten die befragten Betriebe im Schnitt etwa 1,35 Millionen Euro investieren, um neuen Haltungsvorgaben gerecht zu werden.

„Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Perspektive vieler Betriebe angesichts der anhaltend niedrigen Preise katastrophal“, so Kessing. Für zahlreiche Betriebe stelle sich deshalb die Frage, „ob sie diese Investitionen überhaupt noch finanzieren und wirtschaftlich tragen können“.

Im Osten verschärft die Schlachthof-Krise den Druck

Die Betriebe in Ostdeutschland seien zudem im Durchschnitt größer als im Westen. Verluste summierten sich dort deshalb schneller, sagt Kessing. Auch notwendige Investitionen fielen größer aus. „Hinzu kommen regionale Nachteile bei der Vermarktung. Die Zahl der großen Schlachtstandorte in Ostdeutschland ist gering. In Perleberg wurde der Schlachtbetrieb im Dezember 2025 eingestellt. Damit verlor Brandenburg seinen letzten großen Schweineschlachtbetrieb“, so Kessing.

Als größerer Standort im Osten bleibt noch Weißenfels in Sachsen-Anhalt. „Für die Schweinehalter bedeutet das weniger Vermarktungsalternativen, längere Transportwege und höhere Transportkosten.“ Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern hatte bereits im August gewarnt, dass seit 1991 der Schweinebestand im Land um 49 Prozent, die Zahl der Zuchtsauen sogar um 61 Prozent zurückgegangen sei.

Schweinefleisch wird seit Jahren immer weniger gegessen

Auch die Nachfrage hat sich langfristig verändert. Die Menschen in Deutschland essen heute deutlich weniger Schweinefleisch. Zuletzt hat sich dieser Rückgang allerdings abgeschwächt: 2025 lag der rechnerische Verzehr bei 28,3 Kilogramm Schweinefleisch pro Kopf. Insgesamt nahm der Fleischverzehr zuletzt sogar wieder zu, vor allem wegen des höheren Geflügelkonsums.

Der Rückgang der heimischen Ferkelerzeugung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass entsprechend weniger Schweinefleisch in Deutschland produziert wird. Solange Ferkel aus Dänemark und den Niederlanden verfügbar sind, können sie weiterhin hier gemästet und geschlachtet werden. Die deutsche Schweinefleischproduktion wird damit jedoch stärker von im Ausland erzeugten Ferkeln abhängig.

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