Rund 60 Patienten stehen bereits auf der Liste, die sich in der Gemeinschaftspraxis in Prenzlauer Berg gegen Schweinegrippe impfen lassen wollen. "Aber wir wissen noch nicht, ob wir zur erlauchten Gruppe der impfberechtigten Ärzte gehören", sagt der Allgemeinmediziner Thomas Georgi spöttisch. Nachdem die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Verhandlungen mit dem Senat über Schweinegrippe-Impfungen an der Honorarfrage scheitern ließ, muss die Gesundheitsverwaltung nun einzelne Verträge mit den Ärzten abschließen.Auch die Gemeinschaftspraxis von Georgi hat einen Vertragsentwurf erhalten und unterschrieben zurückgeschickt. "Jetzt warten wir auf die Antwort. Erst dann können wir Impfstoff bestellen und den Patienten Termine geben", sagt Georgi. Dies sei frühestens von Mitte kommender Woche an der Fall.Rund 2 000 Ärzte wurden nach Angaben der Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung, Regina Kneiding, angeschrieben. Bislang seien Verträge mit 100 Arztpraxen abgeschlossen worden. Dort sollen die Impfungen Anfang nächster Woche beginnen. Die Praxisadressen sollen ab Montag unter www.berlin.de/impfen im Internet zu finden sein. Weitere 200 Verträge sollen in Kürze unterschriftsreif sein, sagt Kneiding. Zunächst sollen in den Praxen chronisch Kranke geimpft werden, anschließend jeder andere Impfwillige. Bereits seit Anfang vergangener Woche können sich Beschäftigte im Gesundheitswesen impfen lassen. Dieses Angebot nahmen an der Charité in der vergangenen Woche 568 der 13 000 Mitarbeiter an. Bei der Feuerwehr soll am Donnerstag, bei der Polizei am 17. November mit den Impfungen begonnen werden.Um eine breite Bevölkerungsschicht zu schützen, müssten die Impfungen nach Schätzungen von Ärzten jedoch in 1 000 bis 2 000 Praxen vorgenommen werden. Doch obwohl das Robert-Koch-Institut (RKI) nun die zweite Schweinegrippewelle seit dem Sommer ausgerufen hat, ist die Impfbereitschaft weiterhin gering ausgeprägt. Von bislang nach Berlin gelieferten 104 000 Dosen mit dem Impfstoff Pandemrix des Pharmaherstellers Glaxo-smithkline wurden erst 13 350 an Gesundheitsämter und Betriebsärzte verteilt. In dieser Woche werden weitere 68 000 Dosen der insgesamt zwei Millionen bestellten Dosen erwartet. Wann der für Schwangere empfohlene Impfstoff Celvapan eintreffen soll, ist noch unklar.Auch in der Gemeinschaftspraxis von Thomas Georgi sind lediglich 60 von 2 400 Patienten an einer Impfung gegen Schweinegrippe interessiert, während sich rund 200 der Patienten bereits gegen die saisonale Influenza haben immunisieren lassen. Doch die ist im Gegensatz zur Schweinegrippe noch nicht ausgebrochen. "Die Wintergrippe beginnt meist erst im Dezember, Januar", sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Sie fordert pro Jahr bundesweit zwischen 8 000 und 11 000 Todesopfer. An Schweinegrippe starben in Deutschland bislang sechs Menschen.Das Virus wurde im Juni erstmals in Berlin festgestellt, seitdem erkrankten 1 000 Menschen - allein in der vergangenen Woche waren es 100 Neuinfektionen. Die wenigsten Fälle gab es in Reinickendorf (36), die meisten in Tempelhof-Schöneberg (113). In Bezirken mit höheren Fallzahlen hatten Jugendgruppen ihre Sommerferien in Spanien verbracht und sich dort angesteckt. "Es erkranken weiterhin überwiegend junge Menschen", sagt Kneiding.Türkische Ärzte wollen am Freitag in Moscheen über Impfungen informieren. Das Gerücht - nach dem Muslime gegen Schweinegrippe immun seien, weil sie kein Schweinefleisch essen - habe sich inzwischen zerstreut, sagt Ilker Duyan von der Gesellschaft türkischer Mediziner. Muslime, die in diesem Jahr nach Mekka pilgern wollen, kommen um eine Impfung nicht herum. Für eine Einreise nach Saudi-Arabien ist sie Pflicht.------------------------------Grafik: Gemeldete Fälle von Schweinegrippe (nach Bezirken)------------------------------"Es erkranken weiterhin überwiegend junge Menschen."Regina Kneiding, Senatsverwaltung für Gesundheit
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