In Belzig öffnet Brandenburgs viertes Solebad / In den Kur- und Bäderorten entstanden 5 000 Jobs

Gesund gebadet

Susanne Rost
4 Min

BELZIG. "Fläming-Therme" sollte das Thermalbad von Belzig ursprünglich heißen, das am Sonnabend mit einem Schautag eröffnet wird. Doch diesen Namen haben die Luckenwalder den Belzigern weggeschnappt. Dabei ist das dortige Bad eher ein Spaß-und Sportbad - mit Turbo-Riesen-Rutsche und Wettkampf-Schwimmbahnen. Aber der von Thermalwasser abgeleitete Begriff "Therme" ist nicht geschützt und so deklariert verkauft sich ein Bad besser - besonders in den Zeiten des "Wellness-Urlaubs". Die Belziger, die über eine Thermalquelle mit heilkräftiger, heißer Sole verfügen, mussten sich für ihr Bad einen neuen Namen einfallen lassen: "Steintherme" heißt der 23 Millionen Euro teure Neubau nun, in dem von Montag an gebadet, sauniert und therapiert wird. Denn seine Architektur erinnert an einen Findling - also an einen jener Steine, die im Fläming typisch sind. Das Belziger Thermalbad ist das vierte in Brandenburg - nach Bad Saarow, Templin und Bad Wilsnack. Alle vier wurden von Bund, Land und Europäischer Union kräftig bezuschusst: Von den 94 Millionen Euro Baukosten übernahm der Staat 76 Millionen. Subventionen, die sich zu lohnen scheinen.Denn die drei bestehenden Thermalbäder locken weit mehr Gäste an, als sich die Bauherren träumen ließen. Die Bad Saarower Therme, die 1998 als erste im Land öffnete, besuchten im vergangenen Jahr pro Tag durchschnittlich 1 000 Gäste, davon mehr als die Hälfte aus dem noch thermalbadfreien Berlin. Kalkuliert hatte der Betreiber, die kommunale Kurgesellschaft, ursprünglich mit 600 Badbesuchern pro Tag. Schwarze Zahlen jedoch schreibt die Gesellschaft mit ihrem Bad und den anderen Kureinrichtungen dennoch nicht. "Mit den Erlösen aus dem Bad finanzieren wir einnahmeschwache Bereiche - wie den Kurpark oder die Gäste-Information", sagt Axel Walter, der Geschäftsführer der Kurgesellschaft. Man habe insgesamt 65 Millionen Euro investiert, um die für einen Kurort erforderliche Infrastruktur - wie den Kurpark und das Haus des Gastes - zu schaffen. Damit seien private Investitionen - wie Hotel-Neubauten - in Höhe von 300 Millionen Euro angelockt worden. Seit 1998 sank die Arbeitslosenquote in der Region Fürstenwalde nach offiziellen Angaben von 20 auf 15,6 Prozent. "In Bad Saarow selbst sind nur 13 Prozent arbeitslos", sagt Walter. Die Hotels klagten teilweise darüber, nicht genügend Personal zu finden. Und die Hotels und Pensionen in den Kurorten des Landes - neben Bad Saarow noch Bad Liebenwerda, Bad Freienwalde, Bad Wilsnack, Buckow und Templin - sind laut Bäderverband deutlich besser ausgelastet als im Landesdurchschnitt: nämlich zu 50 statt zu 22 Prozent. Mehr als 5 000 Arbeitsplätze entstanden nach Angaben des Verbandes landesweit im Kur- und Bäderwesen und den angrenzenden Branchen, pro Jahr würden dort 125 Millionen Euro Umsatz gemacht."Die Nachfrage nach Wellness-Angeboten steigt ständig", sagt Christian Tänzler von der Tourismus Marketing Brandenburg. Nach Angaben des Deutschen Tourismusverbandes hat sich die Zahl der Reisenden, die im Urlaub ihre Gesundheit pflegen wollen, seit 1999 mehr als verdoppelt. "Der interessierte Kundenkreis ist sehr groß", sagt Jürgen Linde, der Vorsitzende des Deutschen und des Brandenburger Tourismusverbandes. Und ein Ende des Booms ist erst einmal nicht abzusehen. Trotzdem warnt er davor, zu viele Thermen zu bauen. "Sonst konkurrieren sie sich tot." Geplant sind weitere Thermalbäder für Rheinsberg und Bad Liebenwerda. "Und viel mehr", sagt Bäderverbandschef Uwe Mohr, "wäre auch nicht vertretbar".Ab Montag kann in der Steintherme gebadet werden // Die Steintherme Belzig (Am Kurpark 15) mit den drei Bereichen Baden, Sauna und Therapie hat ab Montag für Badegäste geöffnet.Baden: Süßwasserbecken mit drei 25-Meter-Bahnen, Strömungskanal, Nackenduschen, Sprudelliegen (32 Grad), 90 Quadratmeter großen Sole-Außenbecken mit Massagedüsen und Sprudelliegen (34 Grad) sowie Hot-Whirl-Pool. Der Licht-Klang-Raum hat ein 100 Quadratmeter großes Sole-Becken mit Unterwasser-Musik und -Licht sowie Bildprojektionen an der Decke.Sauna-Zone: Diverse Saunen, Dampfbad, Eisdusche, Garten mit Tauchbecken, Ruheraum, Kaminecke, Bar; Massagen auf heißem Stein.Therapiebereich: Kurbehandlungen mit Sole und ambulante Therapien. Indikationen: Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems und der Haut; Rheuma, Osteoporose; Frauenleiden.Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag 10 bis 23 Uhr, Sonnabend 9 bis 23 Uhr, Sonntag 9 bis 22 Uhr.Preise: 8,50 Euro Einzelkarte (2 Std), 14,50 Euro Tageskarte; inklusive Sauna 10,50 Euro (2 Std) oder 20 Euro (Tageskarte).Anreise: per Bahn mit Regionalexpress 38425 (75 Min ab Berlin-Alex; Abfahrt zu jeder Stunde um 53 nach), weiter mit dem Thermen-Shuttle (5 Min; ab Montag). Per Auto (von Berlin-Mitte auf A9 etwa 80 Kilometer bis Brück, dann auf B246 bis Belzig (bei Abfahrt Niemegk derzeit langwierige Umleitung).Weitere Infos unter der Rufnummer 033841/3879910 oder unter www. steintherme. de."Viel mehr Thermalbäder wären nicht vertretbar. " Uwe Mohr, Vorsitzender Bäderverband .Grafik: Grundriss der Belziger Therme: BERLINER ZEITUNG/RITA BÖTTCHER; QUELLE: GMA, MAINZ Die Steintherme Belzig verfügt über insgesamt 750 Quadratmeter Wasserfläche.Foto: BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN Das Personal der Steintherme durfte schon einmal Probe baden: Eröffnet wird das Bad am Sonnabend - allerdings mit einem reinen Besichtigungstag.

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