In Clubs und Bars wird das Zigaretten-Verbot akzeptiert

Flirten und Rauchen vor der Tür

Julia Rehkopf
3 Min

Samstag Abend in Friedrichshain. Sind Bars und Kneipen menschenleer? Haben Clubs ihre DJs nach Hause geschickt? Es darf ja schließlich nicht mehr geraucht werden, also gehen die Leute auch nicht mehr aus, oder?Falsch. Allen Befürchtungen zum Trotz ist Friedrichshain gut besucht wie eh und je. In der Bar Künstliche BEATmung an der Simon-Dach-Straße wird seit dem 1. Januar nicht mehr geraucht und der Laden ist voll, es gibt keine freien Plätze mehr. Die Stimmung ist gut, nichts fehlt. Im Keller wurde ein Raum für Raucher eingerichtet, ohne Bar und ohne DJ, aber mit blauem Dunst. "Ich fühle mich abgeschoben, ich sitze am liebsten an der Theke, das geht jetzt nicht mehr", sagt der Gast Yalcin Keles zerknirscht. Aber auflehnen würde er sich gegen das Verbot auch nicht.Vor der Bar stehen einige Raucher und versuchen sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie frieren. Das Verbot ist schon im Bewusstsein, viele gehen freiwillig vor die Tür und rechnen gar nicht mit einem Bereich, in dem gequalmt werden darf.Es hat auch sein Gutes, denn bei der Zigarette kommt man ins Gespräch. Menschen lernen sich kennen, ohne sich wirklich ansprechen zu müssen, einfach weil sie gerade gemeinsam vor der Tür stehen. "Smirting" wird dieses Phänomen in englisch-sprachigen Ländern mit Rauchverbot genannt, eine Wortschöpfung aus "smoking" und "flirting".Ein paar Straßen weiter stehen zitternde Partygäste vor der Diskothek Speicher. Hier sind alle Räume komplett rauchfrei, wer eine Zigarette braucht, muss vor die Tür. Kein Heizpilz, keine Musik - Raucher frieren draußen, Nichtraucher feiern drinnen. Das Leid verbindet, es wird gemeinsam im hautengen T-Shirt und kurzen Rock gefroren, tapfer hält man sich am Glimmstängel fest. "Wir werden wahrscheinlich Heizungen aufstellen, aber jetzt schauen wir erst einmal, wie sich die Leute verhalten, das ist ja das erste Wochenende mit der neuen Regelung", sagt Speicher-Chef Jürgen Schmid.Manche Raucher scheinen Profit aus dem Verbot schlagen zu wollen. Nico Ilhan, Geschäftsführer des Restaurants Kültürzeit, hat schon Gäste erlebt, die mit einem Rauchertrick die Zeche geprellt haben. "Ein Paar hat gegessen und zog dann die Jacken an, um draußen eine zu rauchen. Nur zurück gekommen sind sie nicht. Auf so etwas muss man sich als Wirt jetzt auch einstellen."Im Fritzclub am Ostbahnhof sind alle drei Tanzflächen gut gefüllt. Es wird nicht mehr geraucht. Die Luft ist gut, es riecht nach Kunstnebel und Parfum. Eine Raucherin kann alten Gewohnheiten nicht widerstehen und zündet sich auf der Tanzfläche eine Zigarette an. Sofort kommt ein Security-Mann, leuchtet ihr mit einer Taschenlampe ins Gesicht und bittet sie, die Zigarette auszumachen. Sie macht es. Das war's. Kein Streit, kein Aufbegehren.Um die Entwöhnung nicht zu hart zu machen, wurden Raucherbereiche eingerichtet, ein überdachter Gang und an dessen Ende ein Zirkuszelt, in dem Musik läuft. Hier wird geraucht, aber die Stimmung ist gedrückt, die Party findet woanders statt. "Eigentlich ist das ja hier ganz schön gelöst. Ich fühle mich aber trotzdem wie im Käfig", klagt Bastian Ackermann, 28. "Aber ich finde es in Ordnung, dass auf den Floors nicht mehr geraucht wird."Die jungen Leute akzeptieren das Rauchverbot. Zwar noch murrend, aber einsichtig. "Ich verstehe, dass es die Nichtraucher stört. Die Klamotten stinken dann ja auch immer so", sagt die 22-jährige Raucherin Ari Müller im Fritzclub. "Für mich ist das Verbot überhaupt kein Grund, nicht mehr wegzugehen."------------------------------"Das Rauchverbot ist für mich überhaupt kein Grund, nicht mehr wegzugehen." Ari Müller, Gast im Fritzclub------------------------------Foto: Die Zigarette davor: Bar-Gäste vor der "Künstlichen BEATmung" beim Rauchen und Flirten, kurz "Smirting" genannt.

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