In Cottbus steht ein Amokfahrer vor Gericht

"Ich wollte den Polizisten nicht töten"

Susanne Rost
2 Min

COTTBUS. Vor dem Landgericht Cottbus hat am Montag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Amokfahrer begonnen. Versuchter Mord lautet der Tatvorwurf gegen den 28-jährigen Uwe T., der am 25. Juni vorigen Jahres in Hosena (Oberspreewald-Lausitz) bei einer Verkehrskontrolle den 37 Jahre alten Polizeibeamten Roland L. frontal anfuhr und lebensgefährlich verletzte. Der Polizist prallte gegen den Kühler des dunkelblauen VW Golf, flog in die Windschutzscheibe und wurde über das Dach auf die Straße geschleudert. Mit lebensgefährlichen Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule kam der dreifache Vater ins Krankenhaus. Der Polizei-Obermeister hat die Attacke überlebt. Als sich der Angeklagte am ersten Verhandlungstag bei seinem Opfer entschuldigte, sah der Polizist nicht auf. Fast sieben Monate nach der Attacke ist er noch immer krankgeschrieben, fast täglich muss er zur Physiotherapie, mindestens eine Operation steht noch aus. Sicher ist: Er wird nie mehr Motorrad fahren dürfen. Ohne FührerscheinMit dem Polizei-Motorrad war Roland L. an jenem Sonntag auch nach Hosena gekommen. An einer Kreuzung führte er mit Kollegen eine Verkehrskontrolle durch. In diese Kontrolle geriet Uwe T., der wie immer ohne Führerschein und wie so oft mit einem gestohlenen Auto unterwegs war. Wegen verschiedener Straftaten wurde er gerade in Sachsen gesucht. Und er hatte keine Papiere bei sich. "Es war klar, dass die Polizei mich mitnehmen würde. Ich hatte Angst", sagte der Angeklagte, der die Schule nach der 8. Klasse verlassen und eine Landwirtschaftslehre nach wenigen Monaten abgebrochen hatte. "Ich musste auf jeden Fall an der Kontrolle vorbei", sagte Uwe T., der nach dem Mauerfall wegen Diebstählen mehrfach im Gefängnis saß. Aber töten hätte er den Polizisten nicht gewollt. "Ich hoffte, er würde nicht allzu schwer verletzt." Das stark beschädigte Auto versteckte Uwe T., der zu jener Zeit ohne festen Wohnsitz war, noch am Tatabend in der Nähe eines stillgelegten Kieswerks. Dort fand es wenig später die Polizei, die mit einer 17-köpfigen Sonderkommission und Hubschraubern nach dem Mann fahndete. Der Täter stellte sich vier Tage nach der Attacke selbst. Er ließ der Polizei über Bekannte ausrichten, wo er sich aufhielt, und wurde am Cottbusser Bahnhof festgenommen. Der Prozess wird am 29. Januar fortgesetzt.

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