Sonnenlicht scheint auf die Baumkronen. Die Luft ist kühl und riecht würzig nach Harz und Pilzen. Hier im Hammerschen Forst im nördlichen Dahme-Spreewald ist das Revier von Tim Ness. Der rotwangige Oberförster trägt eine dunkelgrüne Fließjacke und schwere Schuhe. An diesem Morgen stapft der 47-Jährige sandige Waldwege entlang, denn er sucht nach Weihnachtsbäumen, nach den Orten, an denen in diesem Jahr die Kiefern fallen sollen.In den Wäldern zwischen Groß Köris und Märkisch Buchholz wachsen die Kiefern auf Mooren, dort wo Grundwasser abgesunken ist, schießen sie in wenigen Jahren in die Höhe. "Es ist gut, wenn sie gefällt werden, denn sie verbrauchen zu viel Wasser", sagt Ness. Nach der Baum-Ernte soll sich das Moor wieder erholen, das sei gut für die Wasserbilanz.Am kommenden Sonnabend werden Väter und Söhne wieder mit Sägen beim Förster vor der Tür stehen. Und Ness wird sie mit in seinen Forst nehmen und zu solchen Waldmooren führen. So helfen die Selbst-Fäller mit, dass der Wald sich natürlich verjüngen kann. Der Oberförster hat einige ungefährliche Waldmoore ausgesucht mit Kiefern, die zwischen fünf und zehn Jahre alt sind. Gerade wie krumme Bäume sind dabei. "Manche nehmen ganz bizarre Formen an", sagt Ness.Zur alljährlichen Wald-Weihnacht bei Oberförster Ness wird das Baumfällen richtig inszeniert. "Im letzten Jahr sind wir fast überrannt worden", erzählt er. Mehrere hundert Besucher kamen. Ness ist sicher, dass das Fest auch in diesem Jahr bis in den späten Abend andauern wird. "Ich glaube, die Leute sind froh, wenn sie von dem kommerziellen Weihnachtsrummel mal wegkommen", sagt er.So wie bei Ness wird derzeit überall am diesjährigen Weihnachtsbaum gesägt. Das Land Brandenburg lädt Familien an 47 Orte, an denen Bäume gefällt werden können. Rund 270 000 Hektar Wald bewirtschaften die Forstbehörden des Landes, ein gutes Viertel der brandenburgischen Waldfläche. Meist entleiht Fachpersonal Sägen vor Ort. Förster erklären Kindern den heimischen Wald. Vom fachgerechten Schlagen bis zur späteren Verpflanzung im Garten gibt es nützliche Tipps.Zu Weihnachten 2008 wurden knapp 30 000 Weihnachtsbäume und 50 Tonnen Schmuckreisig verkauft, der Erlös von rund 200 000 Euro floss in das Budget der Landesforstverwaltung. Die beliebtesten Bäume waren Kiefern und Schwarzkiefern, gefolgt von Fichte und Douglasie. Es wird wieder öfter selbst gesägt, bestätigen Mitarbeiter des Landesforstbetriebs. Die Bäume seien günstiger zu bekommen und frischer als beim Händler - Kiefer, Fichte, Douglasie oder Tanne kosten zwischen fünf und 8,50 Euro pro laufendem Meter. Zudem betrachten viele die märkische Kiefer als ökologisch-korrekte Weihnachtsdekoration, eben weil sie ohne Mäusegift und Dünger aufgewachsen und hier heimisch ist.Wildschwein am SpießNess' Forstbetrieb ist ein hübsches Gebäudeensemble aus dem 19. Jahrhundert, mit denkmalgeschütztem Backsteinbau und Ställen. Ruhig ist es hier, idyllisch. Häufig sind es Familien aus Berlin, die anreisen, immer öfter auch junge Paare. "Es sind meist Leute, die sich für Natur interessieren und das Wissen an ihre Kinder vermitteln möchten", sagt Ness. In diesem Jahr bauen Händler kleine Marktstände auf, die Kunsthandwerk oder Strickwaren anbieten. Es wird ein dickes Wildschwein am Spieß brutzeln, das natürlich auch im märkischen Wald erlegt wurde. Die Feuer werden flackern und der Glühwein wird fließen. Am Nachmittag gibt es dann Live-Jazz und für die Kinder wird es ein Geschenke-Wettpacken oder eine Runde mit den Schlittenhunden geben.Das Wichtigste an diesem Tag aber ist die Suche nach dem passenden Baum. Und natürlich das Fällen. Manche Väter kommen, weil sie ihren Söhnen zeigen möchten, wie man richtig am Stamm sägt, erzählt Ness. "Oft ist es dann so, dass sie selbst erst mal gucken müssen, wie es geht." Eine Axt sei weniger geeignet und Motorsägen sieht der Oberförster auch nicht so gern. "Am liebsten ist mir eine traditionelle scharfe Handsäge.Wenn die Gruppen in den Wald fahren, dann dauert es oft ein bisschen, bis die Kinder das schönste Exemplar entdeckt und sich mit den Eltern geeinigt haben. Dann ist Teamarbeit gefragt. "Wichtig ist, dass die Säge nicht einklemmt", sagt Ness. Während der eine am Stamm sägt, sollten die anderen den Baum nach hinten ein wenig wegziehen. Wenn alle mithelfen, dann ist es eine Sache von wenigen Minuten, bis der Baum im Netz verpackt aufs Autodach oder in den Kofferraum gehievt werden kann.Für Melanie Richter aus Halbe ist es völlig klar, dass es für ihre Familie auch in diesem Jahr nicht die aus Dänemark importierte Nordmanntanne werden soll, sondern etwas selbst Gefälltes aus dem heimischen Wald. Das sei jedes Mal ein wunderschöner Familienausflug, sagt sie, ein kleines Abenteuer. "Die Kiefern haben manchmal komische Formen, die Kinder finden das lustig", so die junge Mutter. Vor zwei Jahren habe ihre Tanne drei Spitzen gehabt. "Da konnte wenigstens jedes Kind eine Krone basteln und oben anbringen."Auch Oberförster Ness wird zu Weihnachten wieder eine Kiefer in sein Haus stellen, natürlich eine selbst gefällte. Doch erst muss er den Ansturm am dritten Advent bewältigen. "Dann guck ich mal, ob in meinem Wald noch was Schönes übrig ist", sagt er.------------------------------Ab in den WaldAn 47 Orten in Brandenburg können Kiefern, Fichten, Tannen oder Douglasien geschlagen werden. Eine Auswahl:Forstbaumschule Lürssen: Geschlagen werden können Nordmanntanne, Blaufichte oder Serbische Fichte. Täglich von 10-16 Uhr. An den Wochenenden gibt es Lagerfeuer, Kesselgulasch, Kaffee und Glühwein. Gartenstraße 2, 15518 Tempelberg, Tel. 033432/7 23 38.Märchenwald in Tiefensee: Gefällt werden können Kiefern und Fichten, verkauft wird auch die Nordmanntanne. Es gibt einen kleinen Märchenwald, Kinderpunsch, Bratwurst, Erbsensuppe und Lagerfeuer. Täglich bis 22. 12. ab 10 Uhr. Landwirtschaftsbetrieb Detlef Nietsch, Adolf-Reichwein-Straße 23, 16356 Werneuchen OT Tiefensee, an der B 158, Tel. 033398/9 49 48.Revier Wildtierpark: Kiefern und Fichten können gefällt werden. Es gibt Lagerfeuer, heiße Getränke und Essen aus der Gulaschkanone. 12./13., 19./20. 12. von 9-15 Uhr. Anfahrt: B1 Potsdam, Richtung Geltow, Ortsausgang Potsdam. Tel. 0331/97 32 48.Revierförsterei Niemegk: Bäume zum selber Fällen und Bereitstellung. Arten: Gemeine Fichte, Serbische Fichte, Blaufichte, Coloradotanne, Nordmanntanne, Küstentanne, Kiefer, Douglasie. 12.12. von 10-15 Uhr, Treffpunkt: 14823 Werdermühle, Tel. 0172-3 14 38 98.Oberförsterei Lehnin: Fichten und Tannen können selber geschlagen werden. Es gibt Bratwurst, heiße Getränke und Lagerfeuer. 12. 12. von 10-15 Uhr. Treffpunkt: Lehnin, Am Fischersberg 6, Tel. 0172-3 13 12 92.Oberförsterei Hammer: Küstentannen, Fichten, Schwarzkiefern werden verkauft, heimische Kiefern können selbst geschlagen werden. Es gibt Live-Jazz und Lagerfeuer, Räucherfisch und Wildschwein am Spieß. Glühwein und Kinderpunsch. 12. 12. von 12-18 Uhr. 15746 Groß Köris, an der Bundesstraße 179, Tel. 033 765-2 17 80.Weihnachtsbaumplantage in Groß Marzehns: Blaufichte, Schwarzkiefer, Nordmannstanne können selbst geschlagen werden. Es gibt Lagerfeuer, warme Getränke, Gegrilltes, einen kleinen Streichelzoo. 12./13. und 19./20. 12. von 10-15 Uhr. Anfahrt: A9, Abfahrt Klein Marzehns, Ausschilderung folgen, ca. zwei Kilometer, Tel. 0178-2 04 17 04.Weitere Informationen unter www.mir.brandenburg.deAn den Adventswochenenden fährt die Deutsche Bahn zum Weihnachtsbaumschlagen nach Alt-Madlitz, Walddrehna, Chorin und in den Werderschen Ortsteil Plessow. Samt Baum geht es auch wieder zurück. Das Brandenburg-Berlin-Ticket kostet 27 Euro. Info zu Zeiten und Treffpunkten: Tel. 0331/2 35 68 81. www.bahn.de/streifzuege------------------------------Foto: Noch schnell das Schild aufstellen, dann kann die Kundschaft kommen.Foto: Am liebsten ist dem Oberförster eine traditionelle scharfe Handsäge.
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