WASHINGTON, im Januar. Sie küssen Babys, verteilen Kartoffelbrei und versprechen eine bessere Zukunft. Es ist Wahlkampf in den USA, am 2. November wird über den künftigen Präsidenten abgestimmt. Seit Monaten reisen die Präsidentschaftsbewerber der Demokratischen Partei durch das Land, um Wählerstimmen zu gewinnen. Bislang waren es neun Bewerber, doch Carol Moseley Braun, die einzige Frau unter ihnen, ist vor wenigen Tagen aus dem Rennen ausgestiegen. Nun bleiben acht Männer, unter denen in einem monatelangen Prozedere aus Vorwahlen und Parteiversammlungen derjenige bestimmt wird, den die Demokratische Partei auf ihrem Wahlkongress im Juli als offiziellen Präsidentschaftskandidaten aufstellt.Bei den Republikanern ist bereits klar, dass der derzeitige Präsident George W. Bush seinen Posten verteidigen wird. Zwar wird auch die Republikanische Partei Vorwahlen abhalten, um die Delegierten ihres Wahlparteitages von Ende August zu ermitteln. Doch das ist reine Formsache, denn Bush hat keinen ernsthaften Herausforderer.Anders als in Deutschland, wo der Kanzlerkandidat einer Partei von der Parteiführung bestimmt und vom Parteitag bestätigt wird, dürfen in den USA die Wähler einer Partei den Kandidaten wählen. Weil in den USA ein Zwei-Parteien-System die politische Landschaft beherrscht, sind die Wähler nach Parteizugehörigkeit (als Republikaner, Demokraten oder Unabhängige) im Wahlregister registriert. Um den Kandidaten der Demokratischen Partei zu ermitteln, sind vor allem die Wähler der Demokratischen Partei aufgefordert, abzustimmen. Dasselbe gilt für die Republikaner.Der Vorwahl-Prozess beginnt traditionell im US-Bundesstaat Iowa. An diesem Montag werden die demokratischen Wähler dort ihre regionalen Parteiversammlungen besuchen. Sieger ist dann der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält und damit die meisten Delegierten des Staates für den landesweiten Wahlparteitag hinter sich bringt. Die Entscheidung über den demokratischen Kandidaten könnte diesmal relativ schnell fallen. Trotz der großen Zahl von Bewerbern gilt als wahrscheinlich, dass sich nach den ersten beiden Vorwahlen in Iowa und New Hampshire (27. Januar) drei starke Kandidaten profilieren und andere aufgeben. Howard Dean, der frühere Gouverneur von Vermont, lag lange an der Spitze der Liste. Doch in den letzten Tagen haben einige seiner Rivalen aufgeholt. In Iowa liegen neben Dean auch der Kongressabgeordnete Richard Gephardt sowie die Senatoren John Kerry und John Edwards gut im Rennen. In New Hampshire haben der frühere Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark und Kerry den Abstand zu Dean verringern können. Obwohl Iowa und New Hampshire nicht zu den einwohnerreichsten Staaten der USA zählen, so wird dem dortigen Ergebnis doch große Bedeutung beigemessen. Seit 1976 hat nahezu jeder spätere Präsidentschaftskandidat der Demokraten entweder Iowa oder New Hampshire gewonnen. Beobachter vermuten, dass vielleicht bereits am 3. Februar, wenn in gleich sieben Staaten gewählt wird, ein Sieger feststeht. Auch könnte sich manches an diesem Tag noch wenden, weil der Süden selten für Kandidaten aus dem Norden, wie Dean, Kerry oder Gephardt, votiert.Sollte nach diesem ersten so genannten "kleinen Super-Tuesday" noch immer kein klarer Favorit feststehen, wird vermutlich spätestens am 2. März, dem eigentlichen Super-Tuesday, die Entscheidung gefallen sein. Dann nämlich wählen die beiden Staaten mit den meisten Einwohnern und folglich den meisten Delegierten - Kalifornien und New York. Der Rest der Vorwahlen zieht sich noch bis zum 8. Juni hin, wenn als letzte Staaten Montana und New Jersey abstimmen. Im Anschluss an den landesweiten Wahlparteitag muss der dort bestimmte demokratische Präsidentschaftskandidat einen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft erwählen.Je schwerer es für einen Bewerber ist, die Vorwahlen zu gewinnen, desto schwerer wird es für ihn zumeist, das Weiße Haus zu erobern. Denn oft werden die Kandidaten durch ihre parteiinternen Rivalen so in Misskredit gebracht, dass es für sie schwer ist, dieses Negativ-Image für die eigentliche Präsidentschaftswahl abzulegen.Primary und Caucus // In den meisten US-Staaten können alle registrierten Wähler einer Partei einen Präsidentschaftskandidaten wählen. In der Regel wird bei diesen Primaries geheim gewählt. Sieger ist, wer die meisten Stimmen bekommt.Ein älteres System der Vorwahl ist der Caucus, bei dem sich Wähler in der lokalen Parteihalle oder in Privathäusern versammeln und meist nach einer Debatte und vielen Diskussionen abstimmen. Viele Staaten haben den Caucus abgeschafft, weil sie wollten, dass die einfachen Menschen und nicht die Honoratioren entscheiden.Beide Parteien halten im Sommer Parteitage ab, um ihren Kandidaten offiziell zu küren und die Parteiplattform festzulegen. Die Republikaner tagen in New York, die Demokraten in Boston.Foto: Er hofft, die Vorwahl seiner Partei in Iowa doch noch zu gewinnen: der Demokrat Howard Dean (r. ).
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