Erinnern Sie sich an diese Szene aus Loriots Meisterwerk „Pappa ante portas“, in der Loriot als pensionierter Patriarch palettenweise Senf bestellte? Dazu andere notwendige Dinge wie Wurzelbürsten und Badezusatz. Das war ein großer Lacher. Typisch deutscher Spießer lautet einhellig der Tenor.
Das horten von Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs fand ich immer irgendwie spießig. Ich kannte es ja auch nicht anders. Schließlich komme ich aus einer Generation, die mit großem materiellen Wohlstand aufgewachsen ist. Der nächste Supermarkt war immer nur ein paar Minuten entfernt. Meine Großmutter kochte noch Lebensmittel ein und das kam mir schon damals seltsam vor.
Pasta und Toilettenpapier
Auch als ich vor ein paar Jahren die ersten Berichte über das Phänomen der Prepper las, musste ich schmunzeln. Abgesehen davon, dass die Ideologie dieser Menschen zwischen Esoterik, Weltverschwörung und völkischem Gedankengut ohnehin mehr als zwielichtig ist, kam es mir zudem komisch vor, Lebensmittel und andere Dinge in Kompaniestärke zu stapeln. Um was genau zu überleben? Einen drohenden Atomkrieg? Die Ankunft feindlich gesinnter Außerirdischer? Albern!
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Dann kam Corona und die Menschen in Deutschland begannen, die Regale der Supermärkte zu plündern. Vorwiegend zwei Dinge des täglichen Gebrauchs wurden in den Einkaufswagen gelegt: Pasta und Toilettenpapier, beides in Folge oft ausverkauft. Ein Späti am Kreuzberger Mehringdamm baute auf der Höhe der ersten Pandemiewelle vor seinem Ladenlokal eine Mauer aus Toilettenpapier-Packungen, eine zu fünf Euro. Ich hatte auch Packungen für acht und neun Euro gesehen. Ich kaufte nie mehr als die reguläre Menge, die man so braucht und hatte immer welches daheim.
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In den sozialen Netzwerken kursierten Bilder aus Berlin, auf denen Menschen plötzlich Zimmer voller Toilettenpapierrollen präsentierten. Das war wirklich lächerlich. Das die Firma Hakle nun insolvent ist, kann man sich kaum vorstellen, die müssen doch während der Pandemie das Geld in Säcken zur Bank getragen haben.
Plötzlich schien klar, warum der Einzelhandel Probleme hat
Neulich aber kaufte ich Hygieneartikel ein. Ich nehme immer dasselbe Deodorant, den Roller für 2,55 Euro. Als ich vor dem Regal mit Deodorant stand, rieb ich mir die Augen: 3,50 Euro stand da nun. 3,50 Euro!!!! Selbes Produkt, selbe Größe, alles gleich.
Ich habe mich jetzt das erste mal in meinem Leben dazu durchgerungen, etwas zu horten: Bei einem bekannten Onlineversandhaus fand ich das Deo für den alten Preis und „prepperte“ umgehend 20 Stück in den Warenkorb. Irgendwie wunderte ich mich plötzlich nicht mehr darüber, dass der stationäre Einzelhandel solche Probleme hat und das eben nicht nur wegen der Corona-Pandemie. Nein, natürlich auch, weil die Preise oft unschlagbar sind. Dass dies zu Kosten anderer Faktoren geht, blendete ich in diesem Moment natürlich ganz gnädig aus. Ich denke, wenn die Inflation weiter vorangeht und die Preise weiter steigen, während unser Geld immer weniger Kaufkraft besitzt, werden viele Menschen diese Probleme ausblenden. Noch mehr als es ohnehin schon der Fall ist.
Nächste Woche finden Sie mich dann im Pasta-Gang. Ich bin der mit den 50 Paketen Barilla-Nudeln im Einkaufswagen. Oder ich lege sie gleich in den digitalen Warenkorb.
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