POTSDAM. Bei der brandenburgischen CDU wird alles geboten: Intrige, Gefühl und manchmal auch Slapstick. In Herzberg (Elbe-Elster) beispielsweise hat CDU-Bürgermeister Michael Oecknigk im ganzen Stadtgebiet unlängst zehn Schilder aufstellen lassen, um seinen regionalen CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen zu empfangen: "Vielen Dank für nichts, Herr MdB", stand darauf. Da passt es gut, dass der nächste Akt der unionsinternen Selbstdemontage im Filmpark Babelsberg gegeben wird. Beim Kreisparteitag am 8. Juli im dortigen Erlebnisrestaurant "Prinz Eisenherz" steht der Showdown im seit Monaten tobenden Kampf um die CDU-Führung in Potsdam bevor.Mit der Bundestagsabgeordneten Katherina Reiche ist jetzt sogar noch ein überregional bekannter Hauptdarsteller in der Lokalposse hinzugekommen. Davon hat die märkische CDU - von Innenminister Jörg Schönbohm einmal abgesehen - nicht allzu viele zu bieten. Eine eigentümliche, selbst ernannte "Findungskommission" um den pensionierten Potsdamer Polizeichef und CDU-Ortsvorsitzenden Peter Schultheiß hat Reiche als Idealbesetzung für den Vorsitz der zerrütteten Potsdamer Partei auserkoren und die 34-jährige Vize-Chefin der CDU-Bundestagsfraktion hat Ja gesagt. Das zentrale Kriterium: Der Kandidat dürfe keinem der widerstreitenden CDU-Lager angehören. Zuvor hatte der gewählte Kreisvorstand schon den Potsdamer Jungen-Unions-Chef Hans-Wilhelm Dünn nominiert.Der 29-jährige Dünn ist der persönliche Referent von Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns. Kathe-rina Reiche ist die Ehefrau von Sven Petke. Die Namen Junghanns und Petke markieren seit anderthalb Jahren auch die Spaltung der CDU in zwei sich gegenseitig blockierende Lager. Damals war Petke beim Kampf um den CDU-Landesvorsitz Junghanns knapp unterlegen. Die Machtkämpfe gehen auf allen Ebenen im Land weiter. Denn wer die Macht hat, verteilt die Listenplätze für die Bundes- und Landtagswahlen 2009. Man beschimpft sich, zeigt sich an, fordert Rücktritte oder schreibt Strategie-Papiere über den desolaten Zustand der Union.Katherina Reiche allerdings möchte ihre Bewerbung für Potsdam als den Einsatz eines Parteisoldaten verstanden wissen. "Wir müssen wieder Ansprechpartner sein, eine kraftvolle, bürgerliche Stimme", sagt sie und weist einen Zusammenhang mit den Interessen ihres Ehemannes weit von sich: "Ich mache seit zehn Jahren eigenverantwortlich und erfolgreich Politik. Das wird hier völlig ausgeblendet." Sie lasse sich nicht auf die Rolle der Ehefrau reduzieren.Solchen Ärger kann Hans-Wilhelm Dünn gut verstehen. Auch er sieht sich nicht als Marionette seines Chefs, habe Junghanns seine Kandidatur für Potsdam lediglich mitgeteilt. An Rückzug angesichts der prominenten Konkurrenz denkt Dünn dennoch nicht: "Ich habe mir das reiflich überlegt, sehe für mich sehr gute Chancen", sagt er und bedauert nur, dass Reiche ihre Kandidatur erst so spät preisgegeben habe. Andere in der Potsdamer CDU nennen den Überraschungscoup "die Partisanenmethode".Nötig ist die Neuwahl in Potsdam, weil einige Parteifreunde um Schultheiß den bisherigen CDU-Kreischef Wieland Niekisch unter Androhung der Abwahl zum Rücktritt gezwungen haben. Ihr Hauptargument: Niekischs mangelnde Reputation gefährde den Ausgang der Kommunalwahlen im September. Zu den "Rebellen" zählte auch der Ortsvorsitzende von Drewitz - Sven Petke. Doch der weiß eigentlich selbst, dass Potsdam kein einfaches Pflaster ist für die Union. Petke kam bei den Landtagswahlen 2004 auf nur elf Prozent. Und auch Ka-therina Reiche errang bei den Bundestagswahlen 2005 in der Landeshauptstadt nur knapp 17 Prozent der Erststimmen.------------------------------Foto: "Wir müssen wieder Ansprechpartner sein, eine kraftvolle bürgerliche Stimme." Katherina Reiche (CDU)
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