Ist der schwarze Panther ein Jaguar oder ein Leopard? Und warum ist sein Fell eigentlich schwarz? Frieren Pinguine nicht an den Füßen, wenn sie immer auf Eis stehen? Und warum schlägt das Pfauenmännchen ein Rad? Zehn- bis Zwölfjährige können künftig regelmäßig Fachleute aus dem Berliner Zoo und dem Tierpark alles das fragen, was sie interessiert. Denn Berlins Tiergärten werden jetzt zur Universität für Berliner und Brandenburger Kinder: Ab dem 7. November starten dort Vorlesungen und Seminare für Zehn- bis Zwölfjährige. In der Junior Zoo-Universität Berlin sollen künftig 50 naturwissenschaftlich interessierte Fünft- und Sechstklässler zwei Semester lang lernen. Für den ersten Jahrgang können sich Mädchen und Jungen ab sofort bewerben.Um einen Studienplatz zu erhalten, müssen sie ein regelrechtes Bewerbungsverfahren durchlaufen. Der Antrag, den es ab sofort bei den Verwaltungen von Zoo und Tierpark und bald auch im Internet (www.jzub.de) gibt, soll eine Empfehlung des Klassenlehrers enthalten. Gefordert wird ebenfalls ein eigenständig verfasstes Schreiben, in dem die Kinder mitteilen, warum sie auf die Zoo-Universität wollen. Denn die Junior-Studenten sollen auch durchhalten: Die eineinhalb Stunden langen Veranstaltungen finden mit Ausnahme der Ferien jeden Sonnabend um 10.15 Uhr statt, wechselseitig im Zoo in Charlottenburg und im Tierpark Friedrichsfelde. Ähnlich wie bei richtigen Universitäten gibt es ein Aufnahmegespräch, eine Auswahlkommission entscheidet über die Zulassung. "Studiengebühren werden aber nicht erhoben", sagt Gabriele Thöne, kaufmännische Leiterin von Zoo und Tierpark. Allerdings müsse pro Semester eine Verwaltungsgebühr von 50 Euro gezahlt werden. Dafür könnten die Jung-Studenten, so oft sie Lust hätten, kostenlos die Tiergärten und das Aquarium besuchen. Wenn jemand die 50 Euro nicht zahlen könne, werde man Hilfen prüfen, sagt Thöne.Bisher gab es speziell für Kinder und Jugendliche lediglich die Zooschule, wo Schulklassen bei Führungen Wissenswertes über Tiere erfuhren. In der Junior Zoo-Universität geht es um mehr. Dort stehen Fragen der Zoologie auf den fünf Kontinenten und in den Polargebieten auf dem Plan, verknüpft mit Themen aus der Evolutionsbiologie und der Physik bis hin zur Humanmedizin. Auch Exkursionen, beispielsweise ins Naturkundemuseum, sind geplant.Die bisher einzigartige Zoo-Universität ist Thönes Idee. Die Einrichtung soll Jungen und Mädchen Lust auf Naturwissenschaften machen. Gleichzeitig will Thöne, die auch für Marketing zuständig ist, Zoo und Tierpark verstärkt als naturwissenschaftliche Bildungsstätten propagieren: "Die ganze Welt in Form der Fauna ist schließlich hier vereint", sagt sie. Der Zoo Berlin ist mit rund 15 000 Tieren einer der artenreichsten der Welt.Wissenschaftlicher Koordinator der Kurse ist der promovierte Biologe und Zoohistoriker Harro Strehlow, der auch als Autor bekannt ist. Als Dozenten werden Wissenschaftler der Humboldt- und der Freien Universität tätig sein, aber auch Mitarbeiter der Tiergärten wie Veterinär Andrè Schüle und Bären-Kurator Heiner Klös. Dieser ist auch für Berlins Lieblings-Eisbär Knut zuständig - und damit bestimmt bald bei den Juniors ein gefragter Mann. Denn nachdem mit Europa gestartet wird, führt schon die zweite Unterrichtseinheit in die Polgebiete: "Aber nicht wegen Knut", sagt Klös. Sondern weil es jahreszeitlich passe: "Dann beginnt der Winter."------------------------------Foto: Für Fünft- und Sechstklässler gibt es eine Universität in Berlins Tiergärten. Jüngeren bleibt der klassische Zoobesuch.
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