Als Reaktion auf die Krawalle in Frankreich seit einer Woche hat die Berliner Polizei ihre Nachtkontrollen auf den Straßen sicherheitshalber verstärkt. Allerdings hatte das bisher wenig Erfolg. In der Nacht zum Montag brannten in Moabit fünf Autos aus. Von den Brandstiftern weiß die Polizei so gut wie nichts. Alle Fahrzeuge gehören Privatpersonen, die sich untereinander nicht kennen, hieß es gestern. Menschen waren nicht in Gefahr. Der Schaden beträgt mehr als 50 000 Euro.Die Anschlagsserie begann um 0.45 Uhr in der Quitzowstraße. Dort brannte ein VW Polo aus. Eine Stunde später musste die Feuerwehr in der Straße Alt-Moabit einen Renault Megane löschen, gegen 2.50 Uhr einen Opel Corsa am Helgoländer Ufer und gegen 3.10 Uhr einen Mazda in der Lessingstraße. Die Serie ging 3.25 Uhr mit einem brennenden Peugeot am Wikingerufer zu Ende. Dessen Besitzer kann sich nicht erklären, warum es gerade sein Auto getroffen hat. Dies sagte der Mittdreißiger, der ungenannt bleiben will, gestern der Berliner Zeitung. Auch die meisten Anwohner zeigten sich überrascht über die Brandanschläge in dem sonst eher ruhigen Kiez. Viele glauben, dass die Taten auf das Konto einzelner Nachahmungstäter gehen könnten.An den Tatorten sollen Flaschen mit Benzinresten gefunden und sichergestellt worden sein. Einen Bekennerbrief gibt es bisher aber nicht. Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Pariser Gewaltwelle jetzt auch nach Berlin schwappen könnte. Solche Ereignisse wie die in Frankreich rufen häufig Trittbrettfahrer auf den Plan, sagte ein Polizeisprecher. Deshalb seien die Funkwagenbesatzungen noch einmal angewiesen worden, verstärkt auf mutmaßliche Brandstifter zu achten. Auch die Zahl der Zivilstreifen sei erhöht worden.Die Zahl der mutwillig angezündeten Autos ist in Berlin mit 50 Fahrzeugen jährlich relativ konstant. Gerade vor Ereignissen wie Castortransporten, Preiserhöhungen bei der Bahn, in der Walpurgisnacht oder am 1. Mai brennen Autos. Die Täter kommen meist aus der autonomen Szene. In den vergangenen Jahren gingen ab und zu Autos von Siemens und der Telekom in Flammen auf. Damit protestierten die Täter gegen das Geschäftsgebaren der Firmen in der Dritten Welt sowie gegen Arbeitsplatzabbau. Einen politischen Hintergrund für einen Brandanschlag gab es zuletzt im November 2002. Damals zündeten Unbekannte in der Görlitzer Straße in Kreuzberg den BMW des Baustadtrats von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne) an. Der Staatsschutz vermutete, dass die Gruppe "Klasse gegen Klasse" für den Anschlag verantwortlich ist, weil die Buchstaben "KgK" an die Haustür des Stadtrats gekritzelt waren. Seit diesem Anschlag wurde die Gruppe, deren Mitglieder der Polizei nicht bekannt sind, nicht mehr aktiv.------------------------------Foto: Die Reste eines Peugeot. Das Auto wurde am Wikingerufer angezündet und brannte aus.
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