In einem Plattenbau entstand eine ungewöhnliche Pension - die meisten Gäste kommen aus dem Westen

Im elften Himmel

Birgitt Eltzel
4 Min

MARZAHN. Elli und Alex aus Süßen bei Stuttgart wollen "ganz viele Freunde anstiften hierher zu kommen", Moni aus Nürnberg schrieb ins Gästebuch, dass "das Bett im Kornfeld herrlich" war. Seit September vergangenen Jahres haben fast 100 Gäste in einer der ungewöhnlichsten Herbergen Berlins übernachtet. Diese befindet sich im obersten Stockwerk eines elfgeschossigen Plattenbaus in Marzahn und wirbt mit dem Namen "Pension elfter Himmel". Eine Übernachtung inklusive Frühstück kostet dort nur acht Euro pro Person. Für vier Schlafgäste ist Platz.Wer die Fünfzimmer-Wohnung betritt, staunt erst einmal: Da gibt es das "Bett im Kornfeld" - ein Schlafzimmer mit zwei kuscheligen Hängematten, die Wände sind mit bunten Landschaftsmotiven bemalt. Der zweite Schlafraum bietet orientalisch anmutende Pracht: ein Baldachin-Bett und samtene Lümmelkissen, ein großer, weißer Zimmerspringbrunnen plätschert. Es gibt ein gefliestes Wannenbad, dessen Wände mit Reihen von poppig-bunten Kosmetiktäschchen geschmückt sind. In der Küche steht neben Kühlschrank und Herd ein Sofa, im Lesezimmer befinden sich nicht nur Bücher in den Regalen, sondern auch etliche CDs - wer mag, kann dort auch Musik hören. Selbst an ein Extra-Ankleidezimmer wurde gedacht.Junge PensionäreGeführt wird die Pension vom Kinderring Berlin. Dieser unterhält in der Wittenberger Straße 85 einen Kinderkeller, ein Hochhauscafé und eben den "elften Himmel". Die originelle Herberge entstand vor drei Jahren im Rahmen eines Kunstprojektes. Als dieses 2003 und 2004 fortgeführt wurde, wurde für die Dauer der Aktion auch die Pension wieder eingerichtet. Weil die Unterkunft so gut ankam, ist sie seit September vergangenen Jahres zur ständigen Einrichtung geworden. Die "Pension elfter Himmel" verfolge zweierlei Ziele, sagt Projektleiterin Marina Bikadi. "Wer hier übernachtet, soll vor allem Marzahn kennen lernen", sagt sie. "Denn der Bezirk ist viel besser als sein Ruf." Deshalb bekommen Gäste auf Wunsch auch Führungen - Bockwindmühle und altes Dorf, die "Gärten der Welt" im Erholungspark und das Leben in der "Platte" werden vorgestellt. Auch die "Ahrensfelder Terrassen" - Hochhäuser, die zu modernen Drei- bis Sechsgeschossern umgebaut wurden. "Mit dem Projekt wollen wir aber auch Kindern und Jugendlichen aus dem Kiez eine sinnvolle Freizeitgestaltung ermöglichen", sagt Sozialarbeiterin Bikadi.Insgesamt zehn Mädchen und Jungen im Alter zwischen zehn bis 17 Jahren sind die "Pensionäre". So steht es auf ihren dunkelgrünen Sweat-Shirts, ihrer Dienstkleidung, die sie mit Stolz tragen. Daniel (14) gehört seit 2002 zum Team: "Wir zeigen den Gästen die Pension, erklären ihnen alles. Und wir machen mit ihnen auch Spaziergänge im Stadtteil." Die elfjährige Elisabeth erzählt, dass sie manchmal das Frühstück zubereitet: "Das macht Spaß." Vielleicht werde sie später einmal in einem Hotel oder einer Gaststätte arbeiten, mal sehen.Die meisten Gäste kommen aus den alten Bundesländern. Leute, die Plattenbau-Feeling erleben wollten, sagt Marina Bikadi. "Die sind dann total überrascht, was wir in unserer Pension bieten." Manche seien durch Berliner Freunde und Bekannte aufmerksam gemacht worden, andere durch Presseveröffentlichungen. Auch Gisela (66) und Gregor (58) Bahr aus der Aroser Allee in Reinickendorf hatten vom "elften Himmel" gelesen. Das gefiel ihnen so gut, dass sie kurz entschlossen dort zwei Nächte im September buchten - ihre Hochzeitsreise. "Dass die nur nach Marzahn führte, haben wir zunächst gar keinem erzählt", sagt die Rentnerin. "Total begeistert" seien sie dann gewesen, sowohl von der Ausstattung der Wohnung als auch von der Betreuung. "Deshalb sind wir schon im Dezember wiedergekommen", erzählt Gisela Bahr. Im Frühjahr will das Ehepaar erneut den "elften Himmel" buchen und dann auch mal ins Brandenburger Umland wandern: "Das sehen wir immer, wenn wir im elften Stock aus den Pensionsfenstern gucken", sagt Gisela Bahr.------------------------------Gästehaus // Die Geschichte: 2002 wurde die "Pension elfter Himmel" erstmals für einige Tage eingerichtet. Von September bis Dezember 2004 wurde das Projekt vom Bundesjugendministerium mit 7 000 Euro gefördert. Die Fortsetzung: Das Projekt wird jetzt ohne Zuschüsse weitergeführt. Die Wohnungsbaugesellschaft Marzahn verzichtet auf Miete und Betriebskosten.Die Preise: Bis Dezember 2004 waren pro Person und Nacht (inkl. Frühstück) drei Euro zu zahlen. Seit Jahresbeginn beträgt der Preis acht Euro. Die Einrichtung: Die Fünfzimmer-Wohnung in der Wittenberger Straße 85 bietet vier Schlafplätze. In der Küche kann gekocht werden, es gibt ein Esszimmer. Die Buchung: Gebucht werden können zwei bis drei Nächte. Telefon 93 77 20 52. E-Mail: [email protected] Internet: www.pension-11himmel.de------------------------------Foto: Ein Bett im Kornfeld ... - kann auch eine Hängematte sein. Pensionswirtin Marina Bikadi richtet die Schlafstatt.

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