Auf der Spree entsteht bis zum kommenden Frühjahr eine Insel. Sie wird 1 000 Quadratmeter groß sein und Platz für Pavillons, Gärten und einen Solarboot-Verleih bieten. Die Insel, die für alle zugänglich sein soll, dient aber nicht nur der Erholung. Ihr eigentlicher Zweck findet sich unter Wasser: Es sind riesige Behälter, in denen etwa eine Million Liter Abwasser gesammelt werden können.Bislang wird an 30 Tagen im Jahr ein Mix aus Regen-, Spül-, Bade- und Toilettenwasser in die Spree geleitet - immer dann, wenn es besonders stark regnet und die Kanalisation voll läuft. Dann fließt an 63 Überläufen Abwasser in den Fluss. "Kaum hat die Spree das verarbeitet, kommt ein neuer Schwung", sagt der Ingenieur Ralf Steeg. Er hatte vor fünf Jahren die Idee, das Abwasser so lange zu speichern, bis der Regen vorbei ist und es dann in die Kanalisation zurückzupumpen. Auf diese Weise könnte der Spree die Belastung erspart werden und das Flusswasser hätte Badequalität. So wie bis 1927. Damals war das Baden in der Spree untersagt worden - die Fabriken hatten den Fluss verschmutzt. Nun, da die Industrie weg ist, ist Ralf Steeg sicher: Würden zwischen Elsenbrücke in Treptow und Mühlendammschleuse in Mitte 14 solcher inselartiger Auffangpontons gebaut, wäre die Spree 2011 auf dieser Strecke sauber.Nun, nach viel Arbeit, viel Geduld und viel Überredungskunst wird aus Steegs Fiktion ein Stück Wirklichkeit: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung zahlt zwei Millionen Euro für den Bau einer Pilotanlage am Osthafen. Im Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen."Man kann inzwischen in vielen Flüssen schwimmen", sagte Steeg gestern bei der Vorstellung des Projekts. In Basel könne im Rhein gebadet werden, in Bern in der Aare, aber auch in München in der Isar. Und schließlich gehe es ja auch um Umweltschutz. "Was in der Spree landet, landet auch irgendwann im Atlantik." Allerdings mangele es noch an Geldgebern für den eigentlichen Bau.Seinen Prototyp für Spree2011 hat Steeg nicht allein entwickelt: Neben Physikern der Technischen Universität waren auch vier Ingenieurbüros beteiligt und die Berliner Wasserbetriebe. Letztere sind auch für Abwasser zuständig und unterstützen Steeg mehr als nur ideell. Allerdings gab sich Sprecher Eike Krüger verhalten über den Erfolg von Spree2011. "Ich glaube, dass der Termin schwer zu halten ist." Um dem Fluss zu Badequalität zu verhelfen, müsste außerdem im Klärwerk Münchehofe bei Berlin eine zusätzliche Reinigungsstufe gebaut werden. Die aber sei noch in der Erprobung. Aber vielleicht sei Ralf Steeg doch der "Klaus Töpfer des 21. Jahrhunderts" - eine Anspielung auf den damaligen Umweltminister, der 1998 den Rhein durchschwamm.Zurückhaltend zeigte man sich bei der Umweltverwaltung. Das Projekt unterstütze die Bemühungen, die Belastungen der Spree zu verringern, hieß es. Und es sei "innovativ", so Sprecherin Regina Kneiding. Aber bis zum Baden sei es noch ein langer Weg. "2011 wird das sicherlich nichts."------------------------------Der Weg des WassersDas Problem: Durch die Kanalisation fließt Abwasser aus den Haushalten und Regenwasser bis zum Klärwerk (1). Bei starkem Regen reicht die Kapazität der Rohre nicht. Überschüssiges Wasser fließt bislang in die Spree.Die Lösung: Statt in der Spree landet das Abwasser an den Überläufen in großen Tanks, die unter der Wasseroberfläche schwimmen (2). Ist der Regen vorbei, wird das Abwasser wieder aus den Tanks zurück in die Kanalisation gepumpt. Dann fließt es wie üblich weiter zum Klärwerk und wird gereinigt (3).------------------------------Karte: Ab Herbst soll die Pilotanlage gebaut werden. Bauzeit: drei Monate.------------------------------Grafik: Die Pilotanlage am Osthafen, die wie eine kleine Erholungsinsel aussieht, soll helfen, die Spree zu reinigen. Die Plattform soll für alle zugänglich sein.------------------------------Foto: Noch ist die Spree nicht zum Baden geeignet. Den Eindruck, im Fluss zu baden, vermittelt derzeit nur das Badeschiff an der Arena in Treptow.
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