Wo jetzt noch Schafe weiden, soll einmal Berlins modernstes Gefängnis entstehen. Ein erstes Konzept für den Neubau in Großbeeren im Landkreis Teltow-Fläming südlich von Berlin liegt vor: Die Berliner Justizverwaltung hat jetzt ihren Bedarfsplan für den Gefängnisneubau fertig. Die neue Haftanstalt soll Platz für 650 Gefangene im geschlossenen Vollzug bieten, die zu Freiheitsstrafen bis zu vier Jahren verurteilt wurden. Sie wird auf einem abgelegenen, etwa 20 Hektar großen Grundstück entstehen, das früher als Rieselfeld genutzt wurde.Bis der Komplex steht, wird es allerdings noch dauern. Der erste Spatenstich ist nach Angaben von Justizstaatssekretär Hasso Lieber für August 2010 geplant. Die Anstalt soll dann ein Jahr später, im August/September 2011, fertig sein. "Wir werden auf die Einhaltung dieses Termins drängen", sagte Lieber der Berliner Zeitung. Die Finanzierung sei kein Problem. Der Gefängnisneubau darf 81,6 Millionen Euro kosten. Mit Großbeeren sollen Berlins Gefängnisse entlastet werden. Insgesamt gibt es in der Stadt 4 966 Haftplätze im offenen und geschlossenen Vollzug. Belegt sind die Anstalten laut Justizverwaltung derzeit aber mit 5 378 Gefangenen - das ist eine Überbelegung von rund neun Prozent.In Großbeeren werde "keine hochtechnisierte Anstalt" gebaut, sagte Lieber. So werden die sonst typischen Wachtürme fehlen. Stattdessen werden an unübersichtlichen Stellen Überwachungskameras installiert. Es gibt Arbeitsplätze für rund 300 Bedienstete.Nach den Vorstellungen der Justizverwaltung sollen auf dem Gelände drei dreigeschossige Hafthäuser gebaut werden, die sternförmig miteinander verbunden sind, damit das Personal keine weiten Wege und "einen größtmöglichen Überblick hat", wie Lieber sagt. Gedacht ist an Wohngruppenvollzug: Das heißt, mehrere Häftlinge sind in einem Bereich untergebracht, in dem sie sich tagsüber frei bewegen können. Sie bekommen Einzelzellen, die knapp zehn Quadratmeter groß sind. Einige Zellen sollen durch Türen miteinander verbunden werden, um etwa suizidgefährdeten Häftlingen Kontakte zu ermöglichen.Auf dem Gelände sollen zudem drei Werkstätten entstehen, in denen die Gefangenen arbeiten können. Laut Lieber wird eine Beschäftigung von 75 Prozent angestrebt. Das ist mehr als in Tegel, wo nur rund 60 Prozent der Gefangenen Arbeit haben. Welche Werkstätten das sind, steht noch nicht fest. Anders als in Tegel sollen die Werkstätten in Großbeeren aber nicht von der Anstalt sondern von privaten Unternehmen betrieben werden, die sich an einer Ausschreibung beteiligen können.Auch an die Bildung der Gefangenen ist gedacht: So wird es ein Gebäude geben, in dem Häftlinge einen Schulabschluss nachholen können. Gedacht ist weiterhin an eine Sporthalle, die auch für Kulturveranstaltungen genutzt werden kann, sowie an einen kleinen Andachtsraum. Anders als zunächst geplant soll die neue Anstalt doch eine eigene Anstaltsküche bekommen, die dann andere Gefängnisse wie etwa Düppel mit Essen versorgt.Der Bedarfsplan der Justizverwaltung für den Neubau in Großbeeren wird jetzt an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiter gereicht. Dort rechnen Baufachleute auf, was die einzelnen Posten kosten. Erst danach wird der Neubau ausgeschrieben.Noch ist offen, ob das Gefängnis von einem Zaun oder einer Mauer umgeben sein wird. Ein Zaun wäre billiger, sagt Lieber, sehe aber nicht gut aus. Deshalb kann er sich vorstellen, dass um die Anstalt ein Erdwall aufgeschüttet wird. Auf diesem könnten dann auch Schafe weiden.------------------------------Zu viele Gefangene, zu wenig PlatzDurch den Gefängnisneubau in Großbeeren sollen Berlins Haftanstalten entlastet werden. Insgesamt gibt es in der Stadt 4 966 Haftplätze im offenen und geschlossenen Vollzug. Belegt sind die Anstalten laut Justizverwaltung derzeit aber mit 5 378 Gefangenen - das ist eine Überbelegung von etwa neun Prozent.In den Jugendstrafanstalten Plötzensee und Kieferngrund ist die Situation besonders prekär: Dort sind mit 596 inhaftierten Jugendlichen 128 mehr untergebracht als es reguläre Plätze gibt - das macht eine Überbelegung von 28 Prozent.In den Frauenhaftanstalten in Lichtenberg und Pankow mit 189 Inhaftierten beträgt die Überbelegung derzeit 15 Prozent. Die Haftanstalt Tegel hat derzeit 1 726 Gefangene und damit elf Prozent Überbelegung.Im offenen Vollzug sind die Anstalten hingegen oftmals nicht ausgelastet. So sind etwa in Heiligensee nur 208 Gefangene untergebracht, obwohl Plätze für 240 Häftlinge vorhanden sind. Offener Vollzug bedeutet, dass Häftlinge, die einen Arbeitsplatz nachweisen können, die Anstalt tagsüber verlassen dürfen. Die Anstalten des offenen Vollzugs sind nicht so stark gesichert wie die des geschlossenen Vollzugs.Das Gefängnis in Großbeeren soll im August/September 2011 fertig sein. Es bietet Platz für 650 Gefangene, die zu Strafen von bis zu vier Jahren verurteilt wurden. Das Gelände wurde im Jahre 1881 als Stadtgut von Berlin erworben. Bis vor wenigen Jahren war es eine Rieselfeldanlage. Es gibt keine unmittelbaren Nachbarn.Die Justizverwaltung prüft gerade, ob Berliner Gefangene auch in anderen Bundesländern wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern untergebracht werden können, um die Situation in den überfüllten Gefängnissen zu entlasten.------------------------------Karte: Haftanstalten in Berlin (Frauen, Männer, Offener und geschlossener Vollzug)Karte: Auf einer Brache zwischen Gleisen entsteht Berlins neues Gefängnis.------------------------------Foto: Abendstimmung über dem Brachland bei Großbeeren: Ab August 2010 soll auf den ehemaligen Rieselfeldern Berlins modernstes Gefängnis entstehen.
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