In Hönow gibt es Überlegungen, mit dem benachbarten Neuenhagen zu fusionieren

Vier Millionen Mark winken der Riesengemeinde

Michael Dörschel
4 Min

HÖNOW/NEUENHAGEN. Entsteht bis zum Jahre 2003 unmittelbar am östlichen Berliner Stadtrand die mit Abstand größte Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland? Das scheint nach der Einwohnerversammlung am Dienstagabend in Hönow nicht unmöglich. Der Hönower Gemeindevertreter Ralf Merkel (PDS) sieht in der Idee für ein Zusammengehen mit dem benachbarten Neuenhagen die sinnvollste Variante, die sich für seinen 6 500 Einwohner zählenden Ort aus dem Gemeindegebietsreform-Gesetz der Landesregierung ergibt. In Neuenhagen leben rund 16 000 Menschen. Durch die Fusion würde die künftige Großgemeinde durch die vom Land in Aussicht gestellte Prämie von 200 Mark je Einwohner bei einem freiwilligen Zusammenschluss 4,5 Millionen Mark erhalten.Selbstständigkeit ohne VorteileBeide Kommunen werden in den nächsten Jahren noch beträchtlich wachsen. Hönow rechnet im Jahr mit etwa 12 000 Einwohnern, Neuenhagen mit 20 000. Vor vier Jahren hatte Hönows Gemeindevertretung einstimmig den Beschluss gefasst, die Selbstständigkeit anzustreben - also amtsfrei zu werden. "Die Selbstständigkeit bringt uns keinen Vorteil", sagt aber Merkel. Der Aufbau einer eigenen Verwaltung koste lediglich eine Menge Geld, das die Kommune nicht hat. Hönow sei durch die Landesplanung als "Wohnort mit erhöhter Wohnbedeutung" eingestuft worden. "Damit erhalten wir aber kaum Mittel aus dem Gemeindefinanzierungsgesetz", sagt Merkel.Würde aber Hönow mit Neuenhagen fusionieren, dann wäre der Ort ein so genanntes Mittelzentrum - vergleichbar mit Strausberg - und bekäme wesentlich mehr Fördermittel vom Land und Kreis. Doch es gibt noch andere Gründe für eine Fusion. Beide Orte grenzen aneinander, haben die gleiche Postleitzahl und Telefonvorwahl. Und die für beide Gemeinden zuständige Polizeiwache liegt in Neuenhagen.Durch ein Zusammengehen würden auch Defizite in Hönow beseitigt, sagt Merkel. Das Freizeit- und Kulturangebot würde verbessert. Das geplante Hönower Rathaus könnte eingespart werden. Hönows Bürgermeister Wolfgang Schüler (Bürgerkomitee) hält dagegen, dass eben durch das Rathaus Leben in den Ort gebracht werden soll. "Mit einem Saal und Räumen für Veranstaltungen soll es gleichzeitig das multikulturelle Zentrum werden", sagt er. Schüler fühlt sich immer noch an den Beschluss der Gemeindevertretung aus dem Jahre 1997 gebunden, der die Selbstständigkeit vorsieht. "Es gibt insgesamt vier Varianten für eine Zukunft des Ortes", sagt er. Neben der Selbstständigkeit ist das ein Zusammengehen mit Neuenhagen oder Dahlwitz-Hoppegarten oder aber die Fusion der drei Orte des Amtes Hoppegarten - Dahlwitz-Hoppegarten, Münchehofe und Hönow - mit Neuenhagen. Jetzt soll ein Komitee Vor-und Nachteile der verschiedenen Varianten ausarbeiten. Dann soll in einem Bürgerentscheid abgestimmt werden.Bürgermeister ist überraschtNeuenhagens Bürgermeister Klaus Ahrens (CDU) ist von den Fusionsplänen seines Nachbarn überrascht. "Ich dachte, die Gemeindegebietsreform geht an uns vorbei", sagt er. Gegenwärtig könne er weder ja noch nein zu Hönow sagen. Er sieht allerdings auch Vorteile in einem Zusammenschluss. Kommunale Probleme wie Schulen, Kita oder kulturelle Fragen könnten zusammen besser gelöst werden. Ahrens will aber keinen Alleingang machen: "Solange Hönow nicht offiziell an Neuenhagen herantritt, solange werden wir uns damit nicht befassen."200 Mark Prämie pro Einwohner // Hönow. In Hönow wohnen derzeit 6 500 Einwohner. Bis zum Jahre 2005 sollen hier 12 000 Menschen leben.Neuenhagen. In Neuenhagen leben gegenwärtig 16 000 Menschen. Bis 2005 kann diese Zahl auf 20 000 steigen.Prämie. Gingen die Gemeinden zusammen, würden sie die im Gesetz avisierte Prämie von 200 Mark pro Einwohner erhalten. Das wären bei derzeit 22 500 Einwohnern mehr als vier Millionen Mark.Gebietsreform. Es soll künftig keine amtsangehörigen Kommunen mit weniger als 500 Einwohnern geben. Damit stehen 861 Dörfer zur Disposition. Für den freiwilligen Zusammenschluss ist eine Frist bis 31. März 2002 gesetzt. Die Untergrenze für amtsfreie Gemeinden soll bei 5000 Einwohnern liegen.GERD MARKERT Jeder Stuhl war besetzt bei der Bürgerversammlung zum möglichen Zusammenschluss von Hönow und Neuenhagen.

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