NAIROBI, 28. Juni. Vor zwei Jahren begannen Ölscheichs aus Katar und Bahrein, im Läuferland Kenia die Talente mit ihren langen, dünnen Beinen zu ködern. Sogar ihre afrikanischen Stammesnamen mussten sie dafür preisgeben. Eine hohe zweistellige Zahl an Athleten wird nun in arabischen Trainingslagern getrimmt. So stellte Stephen Cherono alias Saif Saeed Shaheen vor kurzem einen Weltrekord über 3 000 Meter Hindernis auf.Und was geschah am vergangenen Sonnabend im Kasarani-Stadion von Nairobi? Die Zurückgebliebenen feierten die eindrucksvollsten Weltmeisterschafts-Ausscheidungen seit deren Einführung im Jahre 1983. Von Ausverkauf kann also keine Rede sein, so ärgerlich die Abgänge auch sein mögen. Für genug Sauerstoff ist noch immer gesorgt. Am Sonnabend fielen allein drei Höhenrekorde auf kenianischem Boden: Es waren die 13:11 Minuten über 5 000 Meter durch den 21 Jahre alten Isaak Songok, die 27:51,8 Minuten über 10 000 Meter durch den 19 Jahre alten Moses Mosop und die 15:10,3 Minuten durch die 25 Jahre alte Olympiazweite Isabella Ochichi. Dazu gesellte sich die Jahresweltbestzeit von 1:44,11 Minuten durch Wilfred Bungei über 800 Meter. Zwar verbargen Wolken die brennende Sonne. Andererseits wurde diese Wohltat durch die langsame Bahn eingeschränkt.Bewundernde BlickeSongok war also wirklich so gut, keine zehn Sekunden vom Weltrekord entfernt. Der irische Mönch Colm O'Connell, sein Trainer, meinte lapidar: "Heute hat er seine Strecke gefunden." Vor zehn Monaten war er nur Zwölfter im olympischen 1 500-Meter-Finale gewesen. Nach dem Olympiajahr 2004 stellte sich in dem gewohnten Rhythmus eine neue Generation vor. Der älteste der zehn Sieger ist 25 Jahre alt. So richtet sich schon jetzt der Blick auf die Spiele in Peking 2008. Das Läuferland bereitet sich früh vor. Wofür der ehemalige Olympiasieger Kipchoge Keino gewiss Sorge tragen wird. Als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees fühlt er sich in der Verantwortung.Nicht nur wegen der Siegeszeit von 3:36,75 Minuten über 1 500 Meter zog auch der 20 Jahre alte Daniel Komen bewundernde Blicke auf sich. Seine Art des Laufens kündigen ihn als einen kommenden Spitzenathleten an. Sein erfahrener Trainer Jimmy Beauttah sagte: "Er hat den Glauben an sich." Über die 1 500 Meter fand ein völliger Austausch im Vergleich zu den Olympischen Spielen statt. Der Olympiazweite Bernard Lagat, der in die USA ausgewandert ist, wird überhaupt nicht mehr vermisst. Von den Etablierten behauptete sich in Ezekiel Kemboi über 3 000 Meter Hindernis (8:18,7) souverän der einzige aktuelle Olympiasieger. Aus der fünfköpfigen Marathon-Mannschaft herausgenommen wurde hingegen der Weltrekordler Paul Tergat, wegen Muskelproblemen oder auch deshalb, weil er die alte Form nicht mehr bringt.37 Athleten umfasst das kenianische Team für die Leichtathletik-WM in Helsinki (6. bis 14. August). Der jüngste ist der 18 Jahre alte 800-Meter-Läufer Alfred Kirwa. Dagegen ist die WM-Teilnahme für den 36 Jahre alten 1 500-Meter-Läufer Tom Niariki fast ein kleines Wunder. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass die Kenianer in Finnland eine gute Rolle spielen werden.
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