In Kleinmachnow ließ Bosch KZ-Häftlinge schuften

Zwangsarbeit für deutschen Vorzeigekonzern

Marlies Emmerich
2 Min

BERLIN. "Die Maschinen waren so groß, wir waren fast noch Kinder und so klein", sagt Marianne Janowska. Sie erinnert sich genau an ihre Zeit als Zwangsarbeiterin in der NS-Rüstungproduktion bei der Dreilinden-Maschinenbau in Kleinmachnow, einer Tochterfirma des Bosch-Konzerns. "Wir haben im Keller unter der Werkshalle gewohnt und von der Außenwelt monatelang nichts gesehen", ergänzt Wanda Zatryb. Die Polinnen, 79 und 81 Jahre alt, sind gemeinsam mit der 81-jährigen Krystyna Cieliszak nach Berlin gekommen, um eine Ausstellung über die Rüstungsfabrik, in der sie einst schuften mussten, zu eröffnen.Zu sehen ist die Ausstellung unter dem Titel "z.B. Bosch" im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide. Sie zeigt "ein ganz gewöhnliches Beispiel der NS-Kriegswirtschaft", sagt Andreas Nachama, Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors". Die Stiftung ist Träger des Dokumentationszentrums.Im Sommer 1944 waren die Frauen, festgenommen während des Warschauer Aufstandes, nach kurzem Aufenthalt im KZ Ravensbrück mit rund 800 Häftlingen an den Stahnsdorfer Damm verlegt worden. Bis zum Kriegsende mussten die 15- bis 18 Jahre alten Frauen Zubehör für die Luftwaffe produzieren. "Beim Stanzen konnte man die Hand verlieren", sagt Krystyna Cieliszak. Arbeiten rund um die Uhr, wenig zu essen, keine Kontakte zu den Familien, schlafen auf Strohsäcken - so war ihr Leben. Was sie damals nicht wussten: Außer den 800 Frauen in Halle K 24 sollen im Werk mindestens weitere 2 600 Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ausgebeutet worden sein, mehr als die Hälfte der Belegschaft.Die Historikerin Angela Martin hat für die Ausstellung Interviews und Originaldokumente zusammengestellt. Vieles sei noch unerforscht, so Martin. Heute steht eine Gedenkstele am einstigen Bosch-Eingang, Bosch unterstützt das Besuchsprogramm. Auf dem großen Lagergelände soll einmal ein "attraktives Wohngebiet" entstehen.------------------------------Die Ausstellung ist bis zum 18. Mai dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet: 12439 Berlin, Britzer Straße 5. Eintritt frei.------------------------------"Nachts mussten wir zum Appell antreten." M. Janowska, ehem. Zwangsarbeiterin

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner