In Kreuzberg fürchtet man Zunahme sozialer Probleme

Vier Bewerber für umstrittene Privatschule

Karin Schmidl
2 Min

KREUZBERG. Im Gebiet um die Bergmannstraße wohnen wieder mehr Familien mit Kindern. Laut der jüngsten Topos-Studie sind dies Familien, die von gutverdienenden Zuzüglern gegründet wurden. Weil aber die Grundschulplätze knapp werden, muss der Bezirk handeln. Bisher war es oft so, dass bildungsbewusste Familien Kreuzberg verließen, sobald ihre Kinder schulpflichtig wurden. An der Bergmannstraße soll es daher eine neue Schule geben: Die wegen Kindermangels geschlossene Rosegger-Schule soll an einen freien Träger übergeben werden. Doch dagegen formiert sich Protest, allen voran vom Mieterrat Chamissoplatz."Wir fürchten eine weitere Entmischung von Arm und Reich, die Ausgrenzung vor allem von Migrantenkindern", sagt Heinz Kleemann vom Mieterrat. Es dürfe nicht sein, dass sich der Staat aus der Verantwortung stehle, dass die Konfession oder der Geldbeutel der Eltern über Bildungschancen entscheiden. Öffentliche Schulen würden zunehmend zu Restschulen degradiert.Für eine freie Schule im Kiez liegen bislang vier Bewerbungen vor: von der Stiftung der Evangelischen Kirche, vom türkischen Träger "Tüdesb", vom Verein Kappe e.V. und vom Internationalen Bund. Die Schulstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg Monika Herrmann (Grüne) sieht Privatschulen zwar ähnlich skeptisch wie viele Anwohner. Aber: "Für eine öffentliche Schule reichen die Kinderzahlen nicht aus", sagt sie. Man werde sich die Bewerber sehr genau ansehen, so die Stadträtin. Dass zum Beispiel eine türkische Grundschule an der Bergmannstraße sinnvoll ist, sei zu bezweifeln. Denn in der Nähe an der Urbanstraße, zu Fuß gut erreichbar, gibt es die deutsch-türkische Europaschule. "Die wollen wir auf gar keinen Fall gefährden", sagt Herrmann. Bei den anderen Bewerbern müsse vor allem die Höhe des Schulgeldes diskutiert werden. Noch in diesem Jahr soll entschieden werden, wer die Rosegger-Schule übernimmt.------------------------------Am 11. November diskutieren Anwohner mit Politikern zum Thema "Kreuzberger Bildung ohne Chancen?". Ort: Passionskirche am Marheinekeplatz, Beginn: 19.30 Uhr.

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