LICHTENBERG/MARZAHN. Vertreter der vietnamesischen Botschaft sind eingeladen, die Geschäftsleute aus der Nachbarschaft und auch die Bewohner aus der Umgebung: An der Marzahner Straße im Lichtenberger Ortsteil Hohenschönhausen öffnet an diesem Sonnabend das International Trade Center (ITC) - ein asiatisches Einkaufszentrum für Großhändler, eine Art Asia-Metro. Seine Betreiber reden vom größten Center dieser Art in Berlin, wenn nicht sogar in ganz Europa. Die große graue Halle diente bis zur Wende als Lebensmittellager für Ost-Berlin, danach als Depot für eine Supermarktkette. Von den hundert Mieteinheiten sind 60 Prozent vergeben. "Wir schaffen 250 Arbeitsplätze", sagt der vietnamesische Geschäftsmann Vo Van Long, der mit Partnern das Areal von der TLG Immobilien gekauft hat. Im ITC laufen künftig Geschäfte mit Ladeninhabern aus Deutschland und Osteuropa. Zutritt haben nur Einzelhändler mit Gewerbeschein. Hier decken sie sich mit Geschenkartikeln, preiswerten Textilien und Elektrowaren ein. "Der Bedarf für kostengünstige asiatische Produkte ist vorhanden", sagt Vo Van Long. "Hosen und Hemden werden preiswert in Asien produziert und finden in Deutschland dankbare Abnehmer." Die Händler des ITC sind vorwiegend Vietnamesen, die einst als Gastarbeiter in die DDR kamen und geblieben sind. Und weil sie in den Plattenbaubezirken im Nordosten auch eine Wohnung fanden, suchten sie Jahre später dort auch den Weg in die Selbstständigkeit. "Solche Existenzgründer sind in der Regel sehr zäh", sagt Christoph Lang, der Sprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS). "Es sind Familienbetriebe, die so schnell nicht aufgeben."Nirgendwo sonst in Berlin gibt es eine derartige Ballung asiatischer Zentren, inzwischen sind es mindestens sechs. Den Anfang machte 1997 die Münchner Doblinger Gruppe. Sie stellte in der Rhinstraße Vietnamesen Handelsflächen zur Verfügung. "Damals war das ein Experiment", sagt Steffen Dorow, der Centermanager des Asiatischen Handelskontors Berlin. Im Oktober vergangenen Jahres wurde das Geschäft erweitert - inzwischen ist die Zahl der kleinen Läden auf 80 angestiegen.Wolfgang Mauermann, der Chef des Wirtschaftsamtes Lichtenberg, hat für die Konzentration der asiatischen Handelszentren im Berliner Nordosten eine weitere Erklärung: "Die Infrastruktur stimmt, es gibt viele große Industriehallen." Und die sind mitunter sehr preiswert, weil sich die große Industrie aus dem Bezirk verabschiedet hat und viele Gebäude seit Jahren leer stehen. Und der Bedarf an Flächen wächst. "In Sachsen und Sachsen-Anhalt stehen viele Vietnamesen vor dem Bankrott und ziehen nach Berlin, um hier Geschäfte zu machen", sagt Tamara Hentschel, die Chefin des Vereins "Reistrommel".In eine leer stehende Maschinenhalle an der Vulkanstraße ist im März das China Trade Center gezogen. An der Decke hängen noch die alten Kranhaken und es riecht nach Öl. Dort handeln chinesische Geschäftsleute vorwiegend mit Textilien und Schuhen. Teilweise sind die Händler direkt aus China gekommen, aber auch aus ähnlichen Centern in Spanien und Italien. "Wir haben den deutschen Markt entdeckt", sagt Yili Zinnack, einer der Chefs. Vor allem Schuhproduzenten aus China würden auf den Markt drängen. In anderen Ländern wie Ungarn oder Rumänien gebe es schon seit zehn Jahren derartige Handelszentren. "Nur Deutschland hinkt hinterher", sagt Yili Zinnack. "Aber das holen wir jetzt auf."------------------------------Asiatische Handels-Zentren // International Trade Center ITC: Hundert Geschäfte auf 17 000 Quadratmetern. Standort: Marzahner Straße im Lichtenberger Ortsteil Hohenschönhausen.Global Trade Center: Eröffnet am 1. Juli mit 35 Gewerbeeinheiten auf 5 000 Quadratmetern. In den nächsten Monaten soll die Zahl auf 80 Geschäfte steigen. Standort: Marzahner Straße in Hohenschönhausen.China Trade Center: 90 Geschäfte auf 12 000 Quadratmetern. Seit März geöffnet, es wurden mehr als 60 neue Arbeitsplätze geschaffen. Standort: Vulkanstraße in Lichtenberg.Sai Gon Trade Center: 110 Läden auf 10 000 Quadratmetern. Standort: Pyramidenring in Marzahn. Asiatisches Handelskontor Berlin: Zwei Hallen mit 80 Geschäften auf 10 000 Quadratmetern. Standort: Meeraner Straße in Marzahn.Blumen-Handel: 60 Händler. Standort: Bornitzstraße in Lichtenberg.------------------------------Foto: Vorbereitung zur Eröffnung: Doan Van Hai räumt seinen 300 Quadratmeter großen Laden im International Trade Center ein. Er handelt mit Textilien.
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