Fluchtversuch?

In Marokko: Diesen Protz-Palast wollte Epstein von einem Deutschen kaufen

Epstein wollte Immobilie kurz vor seiner Verhaftung kaufen. Die Überweisung wurde einen Tag vor seiner Festnahme getätigt. Deutsche Bank war involviert.

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Der Bin-Ennakhil-Palast in Marokko.

Der Bin-Ennakhil-Palast in Marokko.

© Archiv

Aus kürzlich veröffentlichten Dokumenten des US-Justizministeriums geht hervor, dass der US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein am 5. Juli 2019 eine Überweisung über 14,95 Millionen US-Dollar unterzeichnete, um über eine Offshore-Gesellschaft den Palast Bin Ennakhil im exklusiven Marrakecher Stadtviertel Palmeraie zu erwerben.

Einen Tag später wurde er von US-Behörden wegen Sexhandels festgenommen. Drei Tage nach der Verhaftung stornierte Epsteins Buchhalter Richard Kahn die Überweisung – der Kauf kam nie zustande. Laut BBC handelte es sich um Epsteins letzte bekannte größere Finanztransaktion vor seiner Festnahme.

Das Anwesen, dessen Name auf Arabisch „zwischen den Palmen“ bedeutet, erstreckt sich über 4,6 Hektar und wurde von rund 1.300 Handwerkern in dreijähriger Bauzeit errichtet. Die Anlage umfasst aufwendige Schnitzereien, Mosaike, 60 Marmorbrunnen, ein Hammam-Spa sowie Hunderte Palmen und Olivenbäume. Eigentümer war der deutsche Unternehmer Günter Kiss.

Acht Jahre zäher Verhandlungen

Epsteins Interesse an der Immobilie reicht laut dem Makler Marc Leon von Kensington Luxury Properties bis ins Jahr 2011 zurück. Damals hielt Epstein den Palast bei einem Preis von 55 Millionen Euro für überbewertet. Sein erstes Angebot war so niedrig, dass Kiss sich beleidigt fühlte und weitere Verhandlungen zunächst ablehnte, wie ein ehemaliger Vertrauter Epsteins der BBC sagte.

Schließlich einigten sich die Parteien auf einen Kaufpreis von 18 Millionen Euro für die Anteile der Offshore-Gesellschaft, die das Anwesen hielt. Diese Konstruktion lief laut Al Jazeera über eine Liechtenstein-Gesellschaft, verbunden mit einem Trust auf den Britischen Jungferninseln. In internen E-Mails war davon die Rede, dass diese Struktur „sieben Prozent Steuern sparen“ würde.

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Umstrittene Steuerkonstruktion

Die freigegebenen Akten zeigen, dass Kensington Luxury Properties Epstein zwischenzeitlich eine „Verkaufs- und Steuerstrategie“ vorschlug: Das Anwesen sollte bei den marokkanischen Behörden mit einem Kaufpreis von zehn Millionen Euro registriert werden, während die tatsächliche Transaktion über 20 Millionen Euro für die Gesellschaftsanteile abgewickelt worden wäre.

Makler Leon wies gegenüber der BBC den Vorwurf unethischen Verhaltens zurück: „Diese Transaktion hat keine Steuervorschriften verletzt. Herr Epstein wollte Registrierungsgebühren in Marokko zahlen, obwohl er dazu nicht verpflichtet gewesen wäre – um das Eigentum auf seinen eigenen Namen eintragen zu lassen.“

Banken meldeten verdächtige Aktivitäten

Laut einer Reuters-Auswertung der Justizakten wickelte die US-Bank Charles Schwab insgesamt rund 27,7 Millionen Dollar im Zusammenhang mit dem Palastkauf ab. Die entscheidende Überweisung vom 5. Juli wurde ausgelöst, obwohl das Konto zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichend gedeckt war, da eine vorherige Transaktion noch nicht zurückgebucht worden war. Am 13. Juli 2019 – sieben Tage nach der Verhaftung – meldete Schwab die Vorgänge als sogenannten Suspicious Activity Report an die US-Finanzbehörde FinCEN.

Bereits im März 2019 war eine Überweisung über die Deutsche Bank im Zusammenhang mit Epstein abgelehnt worden, wie Al Jazeera berichtet. Die Deutsche Bank war zu diesem Zeitpunkt dabei, ihre Geschäftsbeziehungen mit Epstein zu beenden, woraufhin dieser offenbar zu Charles Schwab wechselte.

Flucht oder Sammelleidenschaft?

Marokko hat kein Auslieferungsabkommen mit den USA. Marokkanische Medien spekulierten daher, Epstein habe sich möglicherweise in das Land zurückziehen wollen, um einer Festnahme zu entgehen. Der ehemalige Vertraute Epsteins sagte der BBC jedoch, die Transaktion zeige vielmehr, dass Epstein „keine Ahnung“ von seiner bevorstehenden Verhaftung gehabt habe. Gleichzeitig räumte die Person ein, es ergebe durchaus Sinn, dass Epstein „an einen möglichen Zufluchtsort dachte, an dem er weiterhin wie ein König leben konnte“.

Auch ehemalige US-Ermittler, die von der New York Times zitiert werden, bezweifeln eine vorsätzliche Fluchtplanung nach Marrakesch. Die freigegebenen Dokumente des US-Justizministeriumsenthalten keinen Hinweis darauf, dass Epstein das Land ausdrücklich als Zuflucht vor US-Behörden diskutierte.

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