In Spandau soll an 40 000 Zwangsarbeiter erinnert werden - doch wo?

Zentrum oder Stadtrand

Marcel Gäding
3 Min

SPANDAU. Im Grunde genommen sind sie sich einig, die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung und die Initiatoren vom Bündnis gegen Rechts: Ein Mahnmal soll an die NS-Zwangsarbeiter im Bezirk erinnern. Mehr als 40 000 Menschen waren damals gegen ihren Willen in mindestens 47 Lagern im Bezirk untergebracht. Schwer arbeiten mussten sie unter anderem in der Rüstungsindustrie und auf dem Bau.Das Bündnis gegen Rechts, in dem sich auch Betriebsräte und Gewerkschafter engagieren und das sich sogar um die Finanzierung des Mahnmals kümmert, will dieses an zentraler Stelle errichten. "Am liebsten wäre uns der Platz vor der Nikolaikirche in der Altstadt", sagt Rüdiger Lötzer vom Bündnis. In der Altstadt würde ein Mahnmal viel Beachtung finden. Doch dies sehen die Bezirksverordneten anders: Nach ihrem Willen soll das Mahnmal nicht in der Altstadt, sondern vor dem Evangelischen Waldkrankenhaus am Stadtrand stehen. Mit der Mehrheit von FDP, CDU und SPD einigten sich die Bezirksverordneten am Mittwochabend darauf. "Die Stelle in der Stadtrandstraße hat einen historischen Bezug", sagt der CDU-Fraktionschef Kersten Schröder. Sein Kollege Karl-Heinz Bannasch von der FDP sagt, dass sich dort eines der größten Zwangsarbeiterlager befand. "Ein Mahnmal an dieser Stelle wäre tatort- und täterbezogen. " Auch Bürgermeister Konrad Birkholz (CDU) kann sich mit dem Vorschlag anfreunden: "Ich halte diesen Standort für gut geeignet. " Doch das Bündnis gegen Rechts fühlt sich vor den Kopf gestoßen. "Mit uns hat zuvor niemand darüber gesprochen", sagt Rüdiger Lötzer. Er finde es zwar hervorragend, dass es eine Mehrheit für ein Zwangsarbeiter-Mahnmal gibt. "Wir sind aber irritiert und pikiert über den Beschluss", sagt er.Bereits seit drei Jahren wird im Bezirk über das Mahnmal geredet. Wie die Entscheidung nun zu Stande kam, das sei kein Stil, sagt Loetzer. Denn das Bündnis hat schon Geld für das Mahnmals bei der Lottostiftung beantragt - spätestens im Juni soll darüber entschieden werden. 20 000 Euro kostet das Mahnmal. 1 500 Euro hat das Bündnis bereits beisammen. Das Geld stammt von Spandauern, die den Bau unterstützen. Und klar ist auch schon, wie das Mahnmal aussehen könnte: Auf einem Sockel sollen Figuren stehen, die schwer an einem Eisenträger zu tragen haben. Die Skulptur soll die schwere Arbeit der Verschleppten symbolisieren, von denen viele an den menschenunwürdigen Bedingungen starben.Rüdiger Lötzer will die Kommunalpolitiker für Mitte März zu einem Gespräch einladen, um Klarheit über den Standort zu schaffen."Mit uns hat zuvor niemand über die Entscheidung gesprochen. Das ist kein Stil. " Rüdiger Lötzer, Spandauer Bündnis gegen Rechts

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