BERLIN, 3. Juni. Nein, Franziska van Almsick hat nicht gesagt, dass sie gut drauf ist. Sie hat auch nicht gesagt, dass man als Weltrekordlerin nur ein Ziel haben kann, nämlich die Goldmedaille in Athen über 200 Meter Freistil. Sie hat nicht gesagt, dass die Presse immer sagt, diese Medaille sei ihr Lebensziel, was man so aber wiederum auch nicht sagen könne. Sie hat auch nicht hinzugefügt, dass die Medaille zwar schon wichtig sei für sie, aber keinesfalls das Wichtigste im Leben.Präzise betrachtet, hat Franziska van Almsick überhaupt nichts gesagt am Donnerstag, bei der Eröffnungspressekonferenz der 116. Deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin, und das hatte einen einleuchtenden Grund: Sie war gar nicht da. "Franziska ist gefragt worden, ob sie kommen will, und wir hätten sie auch gerne dabei gehabt", sagte Ralf Beckmann, der Teamchef des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV). "Aber sie wollte ihre Ruhe haben, und sie hat im Grundsatz ja auch nichts Neues zu sagen."Es ist ein recht kurioses Championat, das von diesem Freitag an in Berlin zur Austragung kommen wird. Bis hinunter in die Vorläufe erwartet Beckmann "das wohl höchste Niveau, das wir je bei einer Meisterschaft hatten", aber auch er weiß natürlich, dass das 200-Meter-Freistil-Rennen derart mit Bedeutung aufgeladen ist, dass dagegen nur schwerlich anzuschwimmen ist. Diese deutschen Meisterschaften sind die erste und einzige Möglichkeit, sich eine Bordkarte für Olympia zu beschaffen - in der öffentlichen Wahrnehmung aber sind die Wettkämpfe längst so etwas wie die Franzi Open. Längst ist das Finale über 200 Meter Freistil kein normales Finale mehr - es ist so etwas wie der letzte Vorlauf zu einem großen Traum. Endlich, endlich sollwillmuss Franziska van Almsick in Athen jenes Olympiagold einsammeln, dem sie schon so lange hinterherstellt, und man kann schon verstehen, dass sie sich einstweilen in einen selbst errichteten Tunnel zurückzieht. Sie braucht diesen Tunnel, weil es ja einigermaßen bizarr ist, sich Monate lang auf etwas vorzubereiten, was sich am Ende - im Idealfall - auf einssechsundfünfzignochwas verdichtet.Es ist Franzis Geist, der über diesen Titelkämpfen schwebt, aber in seiner öffentlichen Darstellung ist der DSV inzwischen ziemlich autark. Er hat auch jenseits des Tunnels genug zu bieten, er weiß, dass Pressekonferenzen auch ohne Franziska van Almsick funktionieren. So darf es bereits vor der ersten Wasserung als Nachricht gelten, dass sich eine gern unterschlagene Disziplin längst von ihrem Image emanzipiert hat. "Als Sarah Poewe eingebürgert wurde, habe ich prophezeit, dass das die anderen Brustschwimmerinnen nur stärker machen wird", sagt Beckmann. Praktischerweise saßen die Beweise für seine These neben ihm auf dem Podium: Anne Poleska und Birte Steven, die vor vier Wochen einen deutschen Rekord über 200 Meter Brust (2:25,95) aus Kalifornien in die Heimat melden durfte. Sie steht für einen neuen Minitrend: Wie sie üben auch Anne Poleska, Sarah Poewe und Vipa Bernhardt in den USA. "Den deutschen Rekord", sagt Birte Steven trocken, "den hatte ich eigentlich erst für Berlin eingeplant."Solche schönen Sätze sagt die neue Generation inzwischen, und so gesehen kann Franziska van Almsick noch ein Weilchen beruhigt in ihrem Tunnel bleiben. Aber an diesem Freitag muss sie zum ersten Mal raus: zum Vorlauf über 50 Meter Freistil.------------------------------Das Programm // Die Vorläufe beginnen am Freitag um 9 Uhr im Europapark an der Landsberger Allee. Ab 15.45 Uhr finden dann die Finals statt. Das ZDF berichtet von 15 bis 17 Uhr.Männer: 50 m Rücken, 200 m Schmetterling, 50 m Brust, 1500 m Freistil, 4x100 m FreistilFrauen: 50 m Freistil, 400 m Lagen, 400 m Freistil, 100 m Rücken------------------------------Foto: Die Kehrseite der Medaillenhoffnung: Franziska van Almsick.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]