In vier Gemeinden beginnen am Montag die Arbeiten am größten Abwasserprojekt Ostdeutschlands

8 000 Grundstücke erhalten Kanalisationsanschluß

Jürgen Schwenkenbecher
3 Min

Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe hat am Dienstag abend in Eichwalde den Auftakt zum Bau des größten Abwasserprojektes in Ostdeutschland gegeben. In den nächsten fünf Jahren sollen in Zeuthen, Eichwalde, Wildau und Schulzendorf knapp 8 000 Hausanschlüsse an die Kanalisation angeschlossen werden. Fast 20 000 Menschen sind betroffen. Das ZEWS-Projekt benannt nach den vier Gemeinden im nördlichen Bereich des Landkreises Dahme-Spreewald kostet über 130 Millionen Mark. Stolpe, der den symbolischen ersten Spatenstich vornahm, lobte das Vorhaben als beispielhaft. "Was hier in Gang gesetzt wird, verbessert die Lebensbedingungen erheblich", sagte er. Er freute sich darüber, daß "vor allem die heimische Bauindustrie zum Zuge kommt".Tatsächlich sind durch die Planung und Ausführung der Arbeiten bis zu 400 Arbeitskräfte aus Brandenburg für fünf Jahre gebunden. "Ein nicht unbedeutender Nebeneffekt", wie der Vorsteher des Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverbandes (MAWV), Siegfried Zimmermann-Stellmach, sagte. Nach seinen Worten entsprachen die Angebote der einheimischen Firmen nicht nur den Vorgaben, sondern waren "viel billiger" als die der Mitkonkurrenten. Seit anderthalb Jahren laufen die Planungen, für das die Landesbank Berlin und die Bayerische Vereinsbank die Kreditierung übernommen haben. 20 Prozent der Investitionssumme sollen durch Fördermittel des Landes und der EU aufgebracht werden. "Ohne die jetzige Niedrigzinsphase wäre das Vorhaben nicht zu realisieren gewesen", sagte Landrat Martin Wille. Sein Landkreis ist zwar nicht direkt beteiligt, mußte aber dem Projekt die Zustimmung geben. Wille: "Wir haben sehr pingelig geprüft." Er möchte vermeiden, daß die Gebühren nach oben schnellen. Bei 3,18 Mark (Wasser) und 6,67 Mark (Abwasser) liegen derzeit die Preise im Bereich des MAWV. Zehn Mark Gesamtkosten sollen auch später nicht überschritten werden, versichert Vorsteher Zimmermann-Stellmach. Er glaubt, daß das Vorhaben schon ein Jahr früher als geplant beendet werden kann. Dann sollen über 95 Prozent der Grundstücke an die Kanalisation angeschlossen sein. Zur Zeit beträgt der Anschlußgrad zwischen drei (Schulzendorf) und 65 Prozent (Wildau). "Wir gehen zuerst in die dichtbesiedelten Gebiete", erläuterte der Vorsteher. Grundstücksbesitzer müssen mit Kosten von zehn- bis zwölftausend Mark rechnen. Zimmermann-Stellmach sicherte den Betroffenen eine rechtzeitige und ausführliche Information zu. An fünf Stellen gleichzeitig beginnen am Montag die Arbeiten.Nach Auskunft des Planungsbüros "Voigt-Ingenieure" wird der Abwasserkanal in einer Tiefe von 1,80 bis vier Metern verlegt. "Durch die Gesamtplanung sind wir nicht mehr an die Gemeindegrenzen gebunden, sondern können uns an den Wasserscheiden orientieren", sagte Berthold Pohl, der das Büro in Zeuthen leitet. Wenn der Grundwasserspiegel es zuläßt, soll vor allem der kostengünstige unterirdische Vortrieb genutzt werden. Allein in Zeuthen sind in den nächsten fünf Jahren 52 000 Meter Leitungen zu verlegen. In den acht Jahren zuvor waren es 10 000 Meter.

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