In vier Straßen sollen Geschäftsleute mehr Freiheiten bekommen

Bald einkaufen wie im Süden

Marcel Gäding
3 Min

FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG. Wenn Erich Kundel an den nächsten Sommer denkt, dann spricht er neuerdings gern von diesen Schirmen. Dezent sollen sie sein, aber mit einem knalligen Schriftzug versehen. Kundel, Betreiber der Karl-Marx-Buchhandlung in der Karl-Marx-Allee, möchte die Schirme vor sein Geschäft stellen. Ebenso wie die kleinen Wagen mit Büchern, die Kundel dann schon auf dem Bürgersteig anbietet. Die Geschäftsleute in der Karl-Marx-Allee, in der Frankfurter Allee, in der Warschauer Straße und in der Bergmannstraße kommen von heute an in den Genuss neuer Regelungen. Wer von ihnen Fahrradständer oder Tische vors Geschäft stellen will, muss ab jetzt nicht mehrere Anträge stellen oder spart sich in Einzelfällen sogar ganz den Weg ins Amt. Zusammen mit dem Bezirk startet die Industrie- und Handelskammer (IHK) in den Straßen ein Pilotprojekt - und will den Händlern das Leben leichter machen. 350 Fragebögen wurden im Vorfeld der Aktion an Händler verschickt, 225 der Befragten äußerten ihr Interesse sich am Projekt zu beteiligen. Der Versuch ist zunächst auf ein Jahr befristet. In erster Linie gehe es um die Entbürokratisierung, sagt IHK-Sprecher Stefan Siebner. Bisher nämlich müssen Geschäftsleute viele Regeln beachten. Wenn Restaurantbesitzer beispielweise Stühle und Tische vor ihre Lokale stellen wollen, müssen sie sich bislang an mindestens drei verschiedene Stellen des Bezirksamtes wenden. In den vier für das Pilotprojekt ausgesuchten Straßen wird dieses Verfahren vereinfacht: "Wer dort eine Sondernutzung von öffentlichem Straßenland beantragt, muss nur noch ein einheitliches Formular ausfüllen", sagt Siebner. Profitieren werden auch die Bäckereien. Ist es nach dem Gesetz Gaststätten vorbehalten, Tische und Stühle auf den Gehweg zu stellen, dürfen das in den vier Straßen nun auch Lebensmittelläden und Bäckereien. Erlaubt sind zehn Tische. Einzige Voraussetzung: eine Toilette muss vorhanden sein. Genehmigungs- und gebührenfrei ist zudem die Präsentation von Waren auf dem Gehweg. Eine Regelung, von der auch Buchhändler Kundel profitiert. "Jetzt können wir Flächen nutzen, die bislang zu teuer waren." Es ist zudem daran gedacht, die vier Straßen zu touristischen Zentren zu machen. Dort können die Geschäfte bis 24 Uhr öffnen. Ümit Bayam vom Stadtteilausschuss Kreuzberg begrüßt dieses Vorhaben. Denn durch das Ladenschlussgesetz würden Straßen künstlich ruhig gestellt. "In südlichen Ländern gibt es so etwas nicht", sagt er. "Da schließen die Leute ihre Geschäfte, wann sie es für richtig halten."Noch gehören die vier Straßen aber nicht zum so genannten Citybereich wie der Kudamm oder der Alex. "Dafür muss ein Antrag gestellt werden", sagt Roswitha Steinbrenner, die Sprecherin der dafür zuständen Senatssozialverwaltung. Erst dann könnten Ausnahmen vom Ladenschluss genehmigt werden. "Aber auch nur, wenn in dem Geschäft Inhaber, deren engste Familienangehörigen oder leitende Angestellte bedienen." Noch, sagt sie, sei aber kein einziger Antrag in ihrer Verwaltung eingegangen."Die Bürokratie bereitet nach wie vor Ärger. " Stefan Siebner, IHK Berlin

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner