In wirtschaftlich schwierigen Zeiten vertrauen die US-Bürger eher den Demokraten

US-Finanzkrise spielt Obama in die Hände

Eva Schweitzer
3 Min

NEW YORK. Die Finanzkrise in den USA hat den Ton im Wahlkampf verschärft - und dem Kandidaten der Demokratischen Partei, Barack Obama, einen leichten Vorsprung beschert. "Was wir in den letzten Tagen gesehen haben, ist das endgültige Urteil über eine ökonomische Philosophie, die vollkommen versagt hat", sagte Obama auf Wahlkampftour im Bundesstaat Nevada. Er selbst rede "seit zwei Jahren davon, dass wir Veränderung brauchen". Sein republikanischer Gegenkandidat John McCain aber habe im Senat zu 90 Prozent den Vorlagen der Bush-Regierung zugestimmt und sei deshalb für die jetzige Krise mitverantwortlich. "McCain wäre bloß ein neuer Fahrer, der Befehle vom alten Fahrer erhält", sagte Obama. Und: Geld an die Reichen zu geben und zu hoffen, dass es irgendwie unten ankomme, sei keine Lösung.Schlechtes Zeugnis für McCainMcCain hatte zunächst betont, im Kern sei die US-Wirtschaft gesund. Noch am Dienstag wandte er sich dagegen, dass die Regierung den Versicherungsgiganten AIG mit einem Milliardenkredit rettet. Nun schwenkte er um. Er werde an der Wall Street aufräumen, versprach er, und dort Gier und Verantwortungslosigkeit bekämpfen. "Alles, was Obama bietet, ist Gerede und höhere Steuern", sagte er. Auch seine designierte Vizepräsidentin Sarah Palin, die bislang stets für weniger Staat plädiert hatte, will nun strengere Regeln.Kurz zuvor hatte McCain schon an anderer Stelle Zweifel an seiner Kompetenz in Wirtschaftsfragen geweckt. Seine eigene Beraterin Carly Fiorina, die geschasste Chefin von Hewlett-Packard, erklärte im Fernsehen, weder McCain noch Palin seien in der Lage, einen Konzern zu leiten. Fiorina wurden daraufhin weitere Auftritte verboten. Für sie sprang der Immobilienentwickler Donald Trump in die Bresche. Er unterstütze John McCain, der ein guter Freund sei - allerdings nur deshalb, weil Obama nicht Hillary Clinton als seine Vizepräsidentin nominiert habe.Die letzten Tage an der Wall Street waren so dramatisch, wie es die US-Finanzwelt seit 1929 nicht mehr erlebt hat. Der Börsenindex Dow Jones ist abgestürzt, mit Lehman ist die zweite US-Bank zusammengebrochen, andere Banken verloren dramatisch an Wert. Seit Januar verloren rund eine halbe Million US-Amerikaner ihren Job. Während die Löhne stagnieren, steigen die Preise. Viele Bürger haben ihr Häuschen verloren, weil sie die Zinsen nicht mehr zahlen konnten. 80 Prozent der US-Amerikaner denken, das Land sei auf dem falschen Weg.Bei früheren Wahlen half es zumeist den Demokraten, wenn die Wirtschaft ins Stottern geriet. Bill Clinton gewann 1992 die Wahl gegen George Bush senior mit dem Slogan "It's the Economy, Stupid". Auch Obama, der noch in der vergangenen Woche in den meisten Umfragen gleichauf mit McCain lag, hat sich nun wieder einen knappen Vorsprung von zwei bis drei Prozentpunkten erarbeitet. Das gilt auch für die "Swing States", die besonders umkämpften Bundesstaaten mit knappen Mehrheitsverhältnissen, die letztlich die Wahl entscheiden. In Florida liegen beide Kandidaten nun gleichauf, in Ohio führt Obama, und in Indiana und North Carolina ist der Vorsprung von McCain stark zusammengeschmolzen.Wer muss bezahlen?Deshalb versuchen die Republikaner nun, Obama als Vertreter eines überbordenden Staates darzustellen. "Steuern zu erhören, das hilft in dieser Krise niemanden", sagte Leslie Sanchez, eine Beraterin der Republikaner, auf CNN. Obama-Berater Robert Zimmerman konterte: Obama wolle nur das reichste eine Prozent der Amerikaner zur Kasse bitten - eben jene Leute, die an der Wall Street vor der Krise gut verdient haben.------------------------------Foto: Der Kandidat Obama bei einem Auftritt im Baseball-Stadion von Las Vegas

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner