Die indische „Kakerlaken“-Bewegung hat am Samstag erklärt, ihre wochenlangen Proteste zu beenden. Zuvor hatte Bildungsminister Dharmendra Pradhan seinen Rücktritt angekündigt. Der 57-Jährige verkündete seinen Schritt in einer Mitteilung auf der Plattform X.
Angesichts der Lage am zentralen Protestort Jantar Mantar in Neu-Delhi und im ganzen Land habe er sein Rücktrittsschreiben an den Premierminister geschickt, schrieb Pradhan laut Reuters. Er wolle verhindern, dass „staatsfeindliche Kräfte“ die Situation ausnutzten, und respektiere die Anliegen der jungen Menschen im Land.
Die Cockroach Janta Party (CJP), die die Proteste angeführt hatte, kündigte daraufhin das Ende der Demonstrationen an. Die Regierung habe alle Forderungen akzeptiert, sagte CJP-Sprecher Ashutosh Ranka laut Nachrichtenagentur AFP. Am Protestort in der Hauptstadt brachen laut Berichten von AP und Reuters Tausende Anhänger in Jubel aus. „Wir haben es geschafft“, sagte CJP-Gründer Abhijeet Dipke.
Auslöser waren Prüfungsskandale
Die Bewegung war nach Angaben von Reuters im Mai zunächst als satirische Reaktion auf Äußerungen des Obersten Richters Surya Kant entstanden, der junge Arbeitslose mit „Kakerlaken“ verglichen hatte. Konkreter Auslöser der jüngsten Proteste waren mutmaßliche Leaks bei zentralen Aufnahmeprüfungen, darunter der landesweite Medizintest NEET. Der Vorfall führte zur Annullierung von Ergebnissen und einem erneuten Test für rund zwei Millionen junge Menschen, wie Reuters berichtet.
Die Proteste weiteten sich zu einer breiteren Bewegung gegen Arbeitslosigkeit und Vorwürfe mangelnder staatlicher Rechenschaft aus. Am Montag hatte die Polizei laut Reuters Tränengas und Schlagstöcke gegen Demonstrierende eingesetzt, die zum Parlament ziehen wollten. Dabei seien Dutzende Studierende verletzt worden.
Oppositionsführer fordert Entschuldigung von Modi
Nach Angaben von AP zählen zu den Forderungen der Bewegung umfassende Bildungsreformen, Entschädigungen für Familien von Studierenden, die sich nach den Prüfungsleaks das Leben genommen haben sollen, sowie eine Zusicherung, dass keine rechtlichen Schritte gegen Protestteilnehmer eingeleitet werden.
Oppositionsführer Rahul Gandhi bezeichnete den Rücktritt AP zufolge als „großen Schritt“ hin zu einer Erneuerung des Bildungssystems. Er forderte Premierminister Modi auf, sich zu entschuldigen. Die Proteste gelten laut AFP als eine der größten innenpolitischen Herausforderungen für Modi seit Beginn seiner dritten Amtszeit 2024. (mit AFP)
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