Rekord-Börsengang

Indiens größter Börsengang: Aktie von Telekom-Gigant schießt um 21 Prozent nach oben

Mehr als 530 Millionen Mobilfunkkunden, Google und Meta als Investoren: Der indische Technologiekonzern Jio feiert ein spektakuläres Börsendebüt. Dahinter steckt eine ehrgeizige Strategie.

4 Min
Akash, Isha und Anant Ambani (von links) feiern am 28. Oktober 2026 den Börsengang von Jio Platforms in Mumbai. Die Aktie legte zum Handelsstart um mehr als 21 Prozent zu.

Akash, Isha und Anant Ambani (von links) feiern am 28. Oktober 2026 den Börsengang von Jio Platforms in Mumbai. Die Aktie legte zum Handelsstart um mehr als 21 Prozent zu.

© Indranil Mukherjee/AFP

Indien hat den größten Börsengang seiner Geschichte erlebt. Die Aktien des Telekommunikations- und Technologiekonzerns Jio Platforms stiegen am Mittwoch bei ihrem Handelsdebüt in Mumbai um rund 21 Prozent. Das Unternehmen hatte zuvor mit dem Verkauf neuer Aktien 3,2 Milliarden US-Dollar eingesammelt, umgerechnet etwa 2,9 Milliarden Euro. Damit übertraf Jio den bisherigen Rekord des südkoreanischen Autobauers Hyundai, dessen indische Tochtergesellschaft 2024 an die Börse gegangen war.

Zum Handelsstart kletterte die Jio-Aktie auf 1358 Rupien. Der Ausgabepreis hatte bei 1119 Rupien gelegen. Dadurch erreichte das Unternehmen eine Börsenbewertung von rund 131,5 Milliarden US-Dollar (etwa 118 Milliarden Euro). Jio ist damit auf Anhieb das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen Indiens, hinter seinem Mutterkonzern Reliance Industries.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, war das Interesse der Anleger bereits vor dem Börsengang außergewöhnlich groß. Die Nachfrage überstieg das angebotene Aktienvolumen um mehr als das 22-Fache. Insgesamt gingen Kaufgebote im Wert von rund 77 Milliarden US-Dollar ein.

530 Millionen Kunden: Wie Jio Indiens Mobilfunkmarkt eroberte

Hinter Jio steht Mukesh Ambani, einer der reichsten Unternehmer Asiens. Sein Konzern Reliance Industries verdiente jahrzehntelang vor allem mit Erdöl, Petrochemie und Raffinerien Geld. Inzwischen baut Ambani daraus einen breit aufgestellten Technologie- und Konsumgüterkonzern.

Der wichtigste Baustein ist Jio. Das Unternehmen startete 2016 mit extrem günstigen, anfangs teilweise kostenlosen Mobilfunk- und Internetangeboten. Damit veränderte es den indischen Telekommunikationsmarkt grundlegend und setzte etablierte Konkurrenten unter erheblichen Preisdruck.

Heute zählt Jio nach eigenen Angaben mehr als 530 Millionen Mobilfunkkunden. Das entspricht mehr als dem Sechsfachen der Bevölkerung Deutschlands. In Indien ist das Unternehmen Marktführer und betreibt eines der größten Mobilfunknetze der Welt.

Jio bietet längst nicht mehr nur Telefonie und Internetzugänge an. Zum Geschäft gehören auch Glasfaseranschlüsse, Streamingdienste, Cloud-Angebote und Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz.

Jio-Chef Akash Ambani bei der Ankündigung des Börsengangs am 15. Oktober 2026 in Mumbai. Der Telekommunikationskonzern zählt mehr als 530 Millionen Mobilfunkkunden.

Jio-Chef Akash Ambani bei der Ankündigung des Börsengangs am 15. Oktober 2026 in Mumbai. Der Telekommunikationskonzern zählt mehr als 530 Millionen Mobilfunkkunden.

© ANI/imago

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Warum Google und Meta Milliarden in Jio investiert haben

Auch die amerikanischen Technologiekonzerne Google und Meta haben früh das Potenzial des indischen Marktes erkannt. Beide sind seit 2020 an Jio beteiligt. Meta, der Mutterkonzern von Facebook und WhatsApp, investierte damals rund 5,7 Milliarden US-Dollar. Google folgte mit einer Beteiligung für etwa 4,5 Milliarden US-Dollar.

Für die Unternehmen geht es um den Zugang zu einem der größten digitalen Wachstumsmärkte der Welt.

Jio arbeitet mit Google unter anderem bei digitalen Diensten und Künstlicher Intelligenz zusammen. Auch mit Meta bestehen Kooperationen bei Anwendungen und KI-Technologien. Die riesige Kundenbasis des Konzerns macht es möglich, solche Angebote schnell auf einem Massenmarkt einzuführen.

Allerdings stammt nach früheren Angaben von Reuters noch immer rund 90 Prozent des Jio-Umsatzes aus dem Telekommunikationsgeschäft. Wie profitabel sich neue KI-Anwendungen und Cloud-Dienste entwickeln werden, muss sich erst zeigen.

Jio will Schulden abbauen – Indien erlebt Börsenboom

Die Einnahmen aus dem Börsengang sollen vor allem die Finanzen des Konzerns stärken. Nach dem Börsenprospekt von Jio sind bis zu 275 Milliarden Rupien für die Rückzahlung bestehender Kredite vorgesehen. Das entspricht dem überwiegenden Teil der eingesammelten Mittel.

Jio-Chef Akash Ambani, Sohn des Firmengründers Mukesh Ambani, erklärte bereits vor dem Börsenstart, der Konzern wolle seine Nettoverschuldung weitgehend abbauen. Das soll finanziellen Spielraum für weiteres Wachstum schaffen.

Risiken bleiben dennoch bestehen. Analysten verweisen laut Reuters auf den starken Wettbewerb im indischen Mobilfunkmarkt, die hohen Kosten für den Ausbau moderner Netze und mögliche Änderungen bei staatlichen Frequenzgebühren und Lizenzbedingungen.

Jio ist nicht das einzige Unternehmen, das in diesem Jahr in Indien an die Börse gegangen ist. Nach Daten des Finanzdienstleisters LSEG waren es bislang 246. Damit liegt Indien bei der Zahl der Börsengänge weltweit an der Spitze.

Beim insgesamt eingesammelten Kapital liegt das Land allerdings noch hinter den USA, dem chinesischen Festland und Hongkong.

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