Virologin Ciesek: Indische Variante kann Corona-Impfschutz schwächen
Indische Corona-Variante: Drosten fordert schnelles Durchimpfen
Trotzdem sieht der Wissenschaftler die Situation durch den Impffortschritt und die niedrigeren Fallzahlen in Großbritannien positiver als nach dem Auftreten der britischen Variante Ende vergangenen Jahres. Damals führte die sogenannte britische Virus-Mutante B.1.1.7 zu einer heftigen zweiten Infektionswelle in Großbritannien und kurze Zeit später auch in Kontinentaleuropa.
Expertengruppe ruft zu sofortigen Maßnahmen auf
Pessimistischer sehen das die Mitglieder der unabhängigen britischen Expertengruppe „Independent Sage“. Sie riefen am Mittwoch dringend zum Handeln auf. Die Ausbreitung von B.1.617.2 in dem Land erfordere eine sofortige Einleitung von Maßnahmen, um die Fallzahlen zu senken, teilte die Gruppe mit. Sie ist nicht identisch mit dem nur als „Sage“ (Scientific Advisory Group for Emergencies) bezeichneten offiziellen Expertengremium der Regierung.
Biontech und Astrazeneca schützen recht gut gegen indische Virus-Variante
Schätzungen zufolge sei die indische Variante in Teilen des Landes bereits vorherrschend, hieß es in der Mitteilung von „Independent Sage“. Die Experten gehen davon aus, dass sie sich landesweit als dominante Variante durchsetzen wird. Daher empfehlen sie Maßnahmen wie zusätzliche Unterstützung für Menschen mit geringen Einkommen bei der Selbstisolierung, bessere Belüftungsmaßnahmen in Schulen und eine Rückkehr der Maskenpflicht in allen weiterführenden Schulen.
3400 Infektionen mit indischer Variante in Großbritannien
In Großbritannien wurden bislang rund 3400 Infektionen mit der Variante registriert. Insgesamt ist die Zahl der Neuinfektionen aber landesweit auf einem sehr niedrigen Stand. Die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wurde zuletzt mit 23,7 angegeben. Mehr als 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind inzwischen mindestens einmal geimpft. Eine zweite Impfung haben bereits 44 Prozent der Erwachsenen in dem Land erhalten.
Daher hatten die Behörden die Corona-Maßnahmen in England und anderen Teilen des Landes erheblich gelockert. Eine erneute Verschärfung hatte Premierminister Boris Johnson eigentlich ausgeschlossen. Die Regierung kam daher in Erklärungsnot, als bekannt wurde, dass sie die nicht verbindlichen Richtlinien für von der indischen Variante besonders betroffene Gebiete vergangene Woche ohne öffentliche Bekanntmachung angepasst hatte. Sie musste diese Änderungen teilweise wieder rückgängig machen.
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