Industrienationen verschwenden Wasser zu Lasten anderer

Die Brunnen versiegen

Jörg Michel
2 Min

BERLIN. Die Zisternen sind oftmals leer, Flussbette ausgetrocknet und Felder verdorrt. Für Entwicklungsländer der Südhalbkugel ist Wassermangel eines der größten Probleme im Kampf gegen die Armut: Rund um den Globus müssen eine Milliarde Menschen ohne sauberes Trinkwasser auskommen. Zweieinhalb Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu angemessenen Sanitäreinrichtungen. Diese Zahlen wirken noch bedrohlicher, wenn man ihnen die Studien des Internationalen Instituts für Wassermanagement und der Umweltorganisation WWF gegenüber stellt, die gestern publik wurden. Danach verschärft sich die Lage weltweit: Ein Drittel der Weltbevölkerung ist von akutem Wassermangel bedroht. Und daran sind vor allem die Industrienationen Schuld. Sie gehen verschwenderisch mit dem knappen Gut um - auf Kosten ärmerer Länder.Den Experten zufolge hat sich der weltweite Verbrauch im vergangenen Jahrhundert versechsfacht. Der Anstieg ist höchst unterschiedlich verteilt. Während ein Nordamerikaner oder Japaner am Tag im Schnitt 350 Liter Wasser benutzt, stehen einem Bewohner des südlichen Afrikas nur 10 bis 20 Liter zur Verfügung. Dieser Trend wird anhalten. Wegen Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung oder Verschwendung wird Wasser auch im Norden knapper - die Verteilungskämpfe könnten härter werden.Die Industrienationen müssten dringend Wasser sparen. Das Gegenteil ist der Fall. Beispiel Landwirtschaft: Zwei Drittel des Wasserverbrauchs in Europa landet auf den Äckern. Beispiel Städte: Nirgendwo steigt der Wasserverbrauch so rapide an, in einigen Städten muss darum in den nächsten 25 Jahren mit einer Verzehnfachung der Kosten gerechnet werden. Beispiel Tourismus: In Ländern wie Italien oder Spanien werden weiter Golfplätze und Hotelanlagen gebaut, was den Wasserverbrauch in den ohnehin trockenen Gegenden nach oben treibt.Äußere Einflüsse werden das Problem vergrößern. Beispiel Erderwärmung: In Europa wird in den nächsten fünfzig Jahren mit einem Rückgang der Niederschläge um bis zu 30 Prozent gerechnet. Es müssen weiter entfernte und tiefer liegende Quellen erschlossen werden. Beispiel Grundwasser: Das Schmelzen der Gletscher und häufigere Fluten bringen den Grundwasserspiegel durcheinander. Eine Erschließung ist weniger vorhersehbar. Beispiel Umweltzerstörung: Durch den Ausbau von Flüsse gehen Feuchtgebiete und damit natürliche Wasserspeicher verloren. Zudem kommt es durch Versiegelung von Landschaften zu Sickerverlusten.Trotzdem meinen die Industrienationen, sich die Vergeudung leisten zu können. Spätestens der Blick gen Süden aber sollte nachdenklich machen. Als abschreckendes Beispiel. Und aus Verantwortungsgefühl.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner