Infektionsquelle für neue Fälle in China ist ein Labor

Sars-Erreger reist mit dem Staub durch die Luft

Kathrin Gerewitz
2 Min

Neun Monate nach der Sars-Welle flackert die Krankheit wieder auf. Die chinesische Regierung bestätigte am Wochenende einen weiteren Fall. Ein Labormitarbeiter habe sich mit dem Sars-Virus infiziert, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Seit 22. April sind in China insgesamt sechs Menschen an dem Schweren akuten respiratorischen Syndrom - abgekürzt Sars - erkrankt, drei weitere Patienten gelten als Verdachtsfälle. Eine Frau ist bereits an der Erkrankung gestorben. Sie war die Mutter einer Medizinstudentin, die sich in einem Pekinger Forschungslabor mit dem Sars-Erreger infiziert hatte und als erstes Glied in der jüngsten Infektionskette gilt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in dem Labor des National Institute of Virology in Peking möglicherweise nicht alle Sicherheitsvorschriften eingehalten. Weil das Virus mittels Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann, stehen rund tausend Kontaktpersonen der Infizierten unter medizinischer Beobachtung - darunter auch das gesamte Laborpersonal. In dem Labor wird seit einiger Zeit an einem Impfstoff gegen das Sars-Coronavirus geforscht.Vergleichsweise ungefährlich war das Projekt Hongkonger Forscher zur Übertragung des Virus. Bislang war unklar, ob der Erreger der schweren Lungenkrankheit auch in der Lage ist, längere Strecken in der Luft zurückzulegen. Im New England Journal of Medicine (NEJM) berichteten Wissenschaftler um Ignatius Yu von der Chinese University of Hong Kong nun, dass dies durchaus möglich ist. Das Team analysierte die Sars-Fälle im Hongkonger Hochhauskomplex Amoy Gardens. In der Wohnanlage hatte im März vergangenen Jahres ein Erkrankter innerhalb weniger Tage mehr als dreihundert Bewohner mit dem Sars-Coronavirus infiziert. Im Computer simulierten die Forscher, wie sich die Viren ausgebreitet haben müssen. In ihr Modell bezogen sie die damalige Windrichtung und die Luftdynamik ein. Wie Yu und seine Kollegen schreiben, lebten die meisten Infizierten im gleichen Haus wie der zuerst Erkrankte, und zwar entweder auf der gleichen Etage wie der Mann oder in höheren Stockwerken. Die anderen Infizierten wohnten überwiegend in Nachbargebäuden, die genau in der Windrichtung lagen. Wahrscheinlich, so die Forscher, seien die Viren mit winzigen Staubteilchen durch die Luft gereist. Dass nur wenige Bewohner weiter entfernt liegender Gebäude infiziert wurden, erklären sie damit, dass sich die Aerosolwolke mit der Zeit verflüchtigt habe. (kat.)NEJM, Bd. 350, S. 1731

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