BRÜSSEL. Nach monatelangen Debatten bereitet sich die Europäische Union auf die Aufnahme von rund 10 000 Kriegsflüchtlingen aus dem Irak vor. Die EU-Innenminister wollen bei ihrem Treffen am Donnerstag nach Angaben von Diplomaten im Grundsatz beschließen, besonders bedürftigen Irakern Schutz zu gewähren.Deutschland ist den Angaben zufolge bereit, zirka 2 500 Flüchtlinge aufzunehmen, die sich derzeit in Syrien und Jordanien befinden. Wie es hieß, ist aber noch unklar, ob die Innenminister bereits morgen konkrete Kontingente festlegen werden. In der Beschlussvorlage für das Treffen in Brüssel ist bisher nur von einer "signifikanten Zahl" von Aufenthaltsgenehmigungen die Rede. Diese könnte "die Größenordnung von einigen Tausend" erreichen.Die EU-Innenminister wollen sich bei ihrer Beratung auf Erkenntnisse einer europäischen Expertengruppe stützen. Die Fachleute waren Anfang des Monats in Syrien und Jordanien unterwegs und empfehlen nun, besonders hilfebedürftige Kriegsflüchtlinge den Zuzug zu gestatten. Dazu zählen vor allem Kranke, Traumatisierte, Folteropfer, allein erziehende Mütter und Angehörige religiöser Minderheiten. Als gefährdet gelten auch rund 3 000 irakische Palästinenser, die unter katastrophalen Bedingungen in Lagern im syrisch-irakischen Grenzgebiet leben müssen. "Ihre Lage verlangt sofortiges Handeln", heißt es im Bericht der Experten.In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Iraker vor Gewalt und Chaos in ihrer Heimat geflohen. Schätzungen zufolge gibt es 2,7 Millionen Binnenvertriebene. Überdies sollen sich mindestens 1,5 Millionen Flüchtlinge in Syrien aufhalten und rund 500 000 in Jordanien. Wie es im Bericht der Kommission heißt, verschlechtert sich deren Lage rapide. Vielfach seien die Ersparnisse aufgebraucht. Überdies dürften die Iraker in den Gastländern in der Regel nicht arbeiten.Größte AsylbewerbergruppeBundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte im Frühjahr angeregt, irakische Christen nach Deutschland und Europa zu holen. Der irakischen Regierung und den Kirchen gefiel das gar nicht: Sie hoffen, dass ein möglichst großer Teil der Vertriebenen wieder in ihre Heimat zurückkehrt. Inzwischen sprechen Schäuble und die Innenminister der Bundesländer nur noch von der Aufnahme "besonders bedrohter Flüchtlinge". Dies entspricht der Linie des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, das nicht nach Religionen unterscheidet.Das UNHCR geht davon aus, dass für rund 60 000 Iraker keinerlei Aussicht besteht, jemals wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Der Großteil der Betroffenen hofft darauf, nach Nordamerika oder Australien auswandern zu können.Bereits bisher haben die EU-Staaten zahlreiche irakische Flüchtlinge aufgenommen: Allein nach Deutschland kommen pro Monat rund 500 Iraker aus eigener Kraft. Irak-Flüchtlinge bilden derzeit die größte Gruppe der Asylbewerber in Deutschland: Im ersten Halbjahr 2008 kam nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge fast jeder dritte Antragsteller (31,9 Prozent) aus diesem Land. Insgesamt stellten zwischen Januar bis Juni 3 511 irakische Flüchtlinge einen Antrag auf Asyl in der Bundesrepublik.------------------------------Foto: Eine Irakerin und ein Kind auf dem Flur einer Flüchtlingsunterkunft in der syrischen Hauptstadt Damaskus
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