Aber Silly war mir einmal wichtig oder zumindest gegenwärtig, ich merke es daran, dass einige Titel in beeindruckender Vollständigkeit in meinen Hirn- und Herzschichten abgelegt sind, mitsamt Text, Instrumentaleinsätzen und den dazugehörigen Erinnerungsbildern mit verflossenen Freundinnen, Dachpappegeruch und besserem Wetter als heute. Zum Beispiel: Der eben für 25.000 Ostmark erworbene, aus Ersatzteilen zusammengeschraubte rote Wartburg, mit dem meine Familie im Sommer 1989 durch Polen und die baltischen Sowjetrepubliken schaukelte, verfügte sensationellerweise über ein Autoradio mit Kassettendeck, in dem das Album „Bataillon d’amour“ in Dauerschleife lief, mit Betonplattenfugen und Schlaglöchern als zusätzlicher Rhythmusspur. Ein halbes Jahr später musste das Auto für 90 Mark West verschrottet werden, und ich weiß nicht, ob wir die Kassette vorher rausgenommen haben. Es wurde ja sehr viel weggeschmissen, aber vieles ist eben noch da, erhalten auf gereiften Biomasse-Tonträgern, siehe oben.
Album „Instandbesetzt“
Kalte Dusche nach dreißig Jahren: Eine Wiederbegegnung mit Silly
Silly bügeln für ihr Studioalbum „Instandbesetzt“ Songs aus 40 Jahren Bandgeschichte auf und reißen damit gut eingebettete Erinnerungen ans Licht.
4 Min
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Die Musik ist ein bisschen wie das Foto: Silly – Uwe Hassbecker, Jacki Reznicek und Ritchie Barton. Und die Sängerinnen Julia Neigel und Anna R. (jeweils v.l.)
© Friederike Goeckeler
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