HARARE. Trotz des Rückzugs der Opposition aus der Stichwahl um das Präsidentenamt in Simbabwe hält die Regierung an der für Freitag geplanten Abstimmung fest. "Wir werden mit der Wahl fortfahren", sagte Präsident Robert Mugabe gestern bei einer Kundgebung in Banket nördlich der Hauptstadt Harare. Der Staatschef äußerte sich zum ersten Mal öffentlich zur Absage von Morgan Tsvangirai von der Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC). Zuvor hatte Justizminister Patrick Chinamasa erklärt, das Ausscheiden Tsvangirais komme zu spät und die Wahl finde statt. Tsvangirai hatte sich am Sonntag angesichts massiv zunehmender Gewalt zurückgezogen."Der MDC-Anführer sah diese Welle eines politischen Hurrikans auf sich zukommen. Er hat Angst, Angst vor dem Volk", sagte Mugabe. Laut Justizminister Chinamase hätte Tsvangirai seinen Verzicht spätestens drei Wochen vor dem ersten Urnengang am 29. März erklären müssen. Jetzt sei jeglicher Rückzug null und nichtig". In Übereinstimmung mit den Gesetzen und der Verfassung werde die Wahl am Freitag stattfinden.Die MDC erklärte den Rückzug gestern offiziell in einem Schreiben an die Wahlkommission des Landes. "In diesem Brief machen wir deutlich, dass wir an der Wahl nicht teilnehmen werden", sagte Parteisprecher Nelson Chamisa. "Wir glauben, dass unter den gegebenen Umständen eine freie und faire Wahl unmöglich ist", sagte er weiter. Seit der ersten Runde der Präsidentenwahl wurden laut Tsvangirai 86 MDC-Anhänger getötet, 10 000 Häuser zerstört und 200 000 Menschen mussten fliehen.Tsvangirai selbst brachte sich am Montag in die niederländische Botschaft in Sicherheit. "Vor was sucht der Zuflucht? Niemand will ihm Leid zufügen", sagte Mugabe in seiner Rede. Anschuldigungen gegen die Regierungspartei ZANU-PF und ihr gewaltsames Vorgehen wies er zurück. "Ja, es gab Kämpfe hier und dort, aber praktisch jeder Fall von Brandstiftung wurde von der MDC verursacht", führte Mugabe fort.Kritik der UNDer UN-Sicherheitsrat verurteilte das gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen die Anhänger der Opposition einmütig. Die Gewaltkampagne gegen die Opposition mache einen freien zweiten Wahlgang am Freitag "unmöglich", hieß es in einer am Montagabend verabschiedeten Erklärung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon plädierte für eine Verschiebung der Stichwahl.Die MDC hatte am 29. März die Parlamentswahl gewonnen. Bei der gleichzeitig abgehaltenen Präsidentenwahl gewann Tsvangirai im ersten Wahlgang, kam nach offiziellen Angaben jedoch nicht auf die benötigte absolute Mehrheit. Tsvangirais Rückzug könnte nun darauf hinauslaufen, dass der 84-jährige Mugabe im Amt bleibt, der das Land seit der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien im Jahr 1980 ununterbrochen regiert. (AFP)
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