INTERNATIONALER TERROR - Berlin trauert um Opfer der Anschläge von London. Innensenator bricht seinen Urlaub ab. Behörden beraten über Sicherheitsmaßnahmen.

Stille Anteilnahme

Brenda Strohmaier Claudia Fuchs xall
3 Min

Der Mann, der am Abend eine weiße Lilie vor der Britischen Botschaft ablegte, wischte sich die Augen. "Das hätte auch uns treffen können sagt", sagte er sichtlich bewegt. Er habe im Internet von Anschlägen gelesen und beschlossen, seine Anteilnahme direkt zu zeigen. "Es heißt immer, bei dem Attentat seien Unschuldige gestorben", sagte er. Das klinge, als gebe es überhaupt Schuldige - "aber für diese Tat gibt es keine Rechtfertigung."Der Mann war nicht der einzige, der so dachte. Im Laufe des Abends kamen immer mehr Berliner, um Blumen vor der Botschaft niederzulegen. Andere gingen fast andächtig an dem farbenfrohen Bau in der Wilhelmstraße in Mitte vorbei. Viele blieben stehen, verharrten einige Sekunden und schauten schweigend auf die Blumen oder zu Boden.Es war ein ähnliches Bild wie vor der Amerikanischen Botschaft in Berlin, nachdem die Anschläge auf das World Trade Center verübt worden waren. Und doch war die Situation gestern eine andere: Seit diesen Anschlägen 2001 ist die Gefahr terroristischer Anschläge vor der Britischen Botschaft allgegenwärtig. Seit vier Jahren schon ist die Wilhelmstraße gesperrt, ständig Polizei vor Ort. Nur Passanten und Radfahrer dürfen passieren.Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen werde es zunächst nicht geben, erklärte Botschafter Sir Peter Torry am Nachmittag. "Wir wollen ein offenes Haus sein." Torry dankte "den vielen Menschen, die uns ihre Anteilnahme versichert haben." Der Anschlag sei "barbarisch" und die Botschaftsmitarbeiter geschockt und betroffen.Von Horror sprach auch der Engländer Alan Raphaeline, der in Berlin eine Buchhandlung führt. "Wirklich geschockt bin ich aber nicht." Raphaeline ist sicher, dass sich bei vielen Briten in Berlin - abgesehen von der Sorge um die Verwandten in London - die Aufregung über die Anschläge in Grenzen halte. In seinem Buchladen herrsche ganz gewöhnlicher Betrieb. "Diesen Tag kann man nicht mit dem 11. September vergleichen."Am Abend versammelten sich etwa 180 Menschen im Berliner Dom zu einem Gedenkgottesdienst auf Deutsch und Englisch. "Wenn man die Bilder der U-Bahnhöfe in London sieht, fällt es schwer, Worte zu finden. Sie verdammen zur stillen Anteilnahme", sagte Pastor Ralf Wüstenberg zu den Anwesenden. Unter ihnen befand sich auch eine Frau, deren Sohn bei den Attentaten verletzt wurde. "Er liegt in einem Krankenhaus, mehr weiß ich nicht", sagte sie. Noch am Abend wollte sie nach London fliegen.Zufällig zu Gast im Dom war ein Chor der Oxford University. Kein Wunder, dass der Gesang voller Pathos war. Eines der Chormitglieder sagte danach: "Es ist zwar komisch, an so einem Tag in einem fremden Land zu sein. Aber hier zu singen war gut. Ich hatte das Gefühl, etwas tun zu können." (xall., bms., cls.)------------------------------Foto : Gedenkgottesdienst am Abend im Berliner Dom

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