Am Ende der Schwedter Straße, zwischen Mauerpark und Kopenhagener, steht ein Gehöft aus dunklem Holz. Jugendfarm Moritzhof steht in bunten Lettern auf dem Haupthaus, das von kleinen Ställen und Ponyweiden umgeben ist. An einem großen Tisch in einem wunderlich kühlen Gemeinschaftsraum beugen sich ein paar Jugendliche über Schulhefte. Es ist so kühl, weil der Moritzhof mit Schafwolle isoliert ist, erklärt Pädagogin Birgit Blank, die seit der Grundsteinlegung im Mai 1998 auf der Farm arbeitet. Der Hof ist jedoch mehr als ein Öko-Idyll, in dem Stadtkinder Stallgeruch schnuppern können. Rund 50 Jungen und Mädchen kommen regelmäßig, viel mehr verbringen ab und an ihre Nachmittage im Stall, auf dem Hof oder in einer der Werkstätten. Töpfern und Schmieden, Gartenarbeit und Stalldienste, aber auch Sport und gemeinsame Mittagessen bietet der Hof allen sechs- bis 16-Jährigen. Wer älter ist, muss Aufgaben auf dem Hof übernehmen. Sonst gibt es wenig Müssen auf dem Moritzhof. Das Konzept des Dachvereins Netzwerk Spiel/Kultur, gegründet 1990, ist so einfach wie effektvoll. Die Jugendlichen sollen Gelegenheit haben, ihre Hände zu benutzen, in Kontakt zu kommen mit der Natur und zu anderen und auch Kontakt zu anderem: Auf den Moritzhof kommen Kinder und Jugendliche aus allen Gesellschaftsschichten. Das Angebot ist kostenlos, ohne festes Programm, aber verlässlich. Unterstützung bei den Hausaufgaben bekommt, wer sie braucht, Internet inklusive. Hilfe bei Sorgen und Problemen aller Art ist selbstverständlich.Viele Kinder kommen seit Jahren, einige bleiben dem Verein über die Volljährigkeit hinaus treu. Sie absolvieren den Zivildienst in einem der Netzwerk-Projekte oder machen eine Erzieherausbildung bei dem Verein. Dieser betreibt unter anderem den abenteuerlichen Bauspielplatz Kolle 37, das MachMit-Kindermuseum, sowie drei Kitas und einen Hort in Prenzlauer Berg. Mehr als hundert Mitarbeiter tragen das Netzwerk, dazu etliche Ehrenamtliche. Spenden, vor allem aber das Bezirksamt Pankow finanzieren das Angebot. Weil die Förderung aber nur von Jahr zu Jahr vergeben wird, ist langfristige Planung schwierig. Aber die Mitarbeiter lassen sich nicht entmutigen - sie sind Idealisten und vor allem: Sie sehen täglich, wie wichtig ihre Arbeit ist. Das motiviert. Und lässt die Angst, etwa aus finanziellen Gründen den Moritzhof schließen zu müssen, in den Hintergrund treten, sagt Netzwerkmitbegründer Martyn Sorge. Für die 14-jährige Isabell wäre das "ein Riesenverlust", wie sie sagt: "Ich komme seit ich sechs bin hierher - also eigentlich schon immer." Und sie will bleiben.------------------------------Foto : Ausritt in Prenzlauer Berg: Die 14-jährige Isabel Kunert auf dem Pony Alex und Miriam Rosenthal (l.), 10, auf Benny.
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