Hormus

Internetkabel im Visier: Iran soll Angriffe planen und Reparaturen verhindern wollen

Teheran droht seit Tagen mit Angriffen auf Datenkabel im Golf. Laut Reuters gibt es dafür konkrete Pläne – was wären die Folgen?

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Schiffe in der Straße von Hormus. Iran soll Angriffe auf Unterseekabel in der Meerenge planen.

Schiffe in der Straße von Hormus. Iran soll Angriffe auf Unterseekabel in der Meerenge planen.

© Kyodo News/imago

Der Iran hat nach Angaben hochrangiger Sicherheitsvertreter konkrete Pläne für Angriffe auf Unterseekabel im Golf ausgearbeitet. Sie sollen zum Einsatz kommen, falls die USA und Israel das Land erneut angreifen, wie Reuters am Freitag unter Berufung auf zwei iranische Sicherheitsvertreter berichtete. Einer von ihnen erklärte, Teheran wolle anschließend auch Reparaturen verhindern, um die Kommunikationsverbindungen länger zu unterbrechen.

Die Angaben gehen über die bisherigen öffentlichen Drohungen iranischer Funktionäre hinaus. Wie und wo genau die Kabel angegriffen werden könnten, erläuterten die beiden anonym bleibenden Gesprächspartner nicht. Eine unabhängige Bestätigung der Pläne liegt nicht vor. Das US-Außenministerium und das iranische Außenministerium reagierten zunächst nicht auf Reuters-Anfragen.

„Wenn Iran angegriffen wird, wird es keine roten Linien mehr geben“, sagte einer der Sicherheitsvertreter. Mögliche Ziele reichten von Unterseekabeln bis zu Militärstützpunkten. Washington solle „nicht mit dem Feuer spielen“.

Revolutionsgarden drohen bereits öffentlich

Der für politische Angelegenheiten zuständige Stellvertreter des Revolutionsgarden-Kommandeurs, Jadollah Dschawani, hatte am Mittwoch bereits öffentlich mit Angriffen auf die Kabel gedroht. In einem Interview mit dem iranischen Staatssender Al-Alam verwies er auf sieben wichtige Internetkabel unter der Straße von Hormus.

Sollten die USA und ihre Verbündeten iranische Infrastruktur beschädigen, werde Teheran seine gesamte Macht einsetzen, erklärte Dschawani. Iran könne deren Vermögenswerte einschließlich der Kabel zerstören und damit den USA und ihren regionalen Verbündeten schweren Schaden zufügen.

Die Zahl von sieben Kabeln ist eine iranische Angabe. Der Branchenverband International Cable Protection Committee nennt fünf aktive Kabelsystem-Segmente, die durch die Meerenge verlaufen. Weitere Systeme seien im Aufbau, berichtete das kurdische Portal Rudaw unter Berufung auf den Verband. 

Die Straße vo nHormus zwischen Iran und Oman verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Sie ist nicht nur ein zentraler Transportweg für Öl und Flüssiggas. Über die dort verlaufenden Glasfaserkabel sind auch die Golfstaaten an internationale Datennetze angeschlossen.

Vor allem die Golfstaaten wären betroffen

Mehrere gleichzeitige Kabelschäden könnten Internetverbindungen verlangsamen und Finanztransaktionen, Onlinehandel sowie Cloud-Dienste beeinträchtigen. Wie stark die Ausfälle wären, hinge davon ab, welche Verbindungen betroffen sind und wie viel Datenverkehr auf andere Strecken umgeleitet werden könnte.

Die weltweiten Folgen wären nach Einschätzung von Alan Mauldin, Forschungsdirektor des Telekommunikationsanalyseunternehmens TeleGeography, voraussichtlich begrenzt. Durch die Straße von Hormus läuft laut seinen Angaben gegenüber Reuters weniger als ein Prozent der internationalen Bandbreite.

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In einer eigenen Analyse erläutert TeleGeography, dass die Golfstaaten zwar auch über Landverbindungen verfügen. Deren Kapazität könnte jedoch nicht ausreichen, um den gesamten Datenverkehr beschädigter Seekabel zu übernehmen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben einen Vorteil durch Kabelanlandungen in Fudschaira am Golf von Oman, außerhalb der Meerenge.

Reparaturschiffe wären besonders gefährdet

Die angekündigte Behinderung von Reparaturen könnte die Folgen eines Angriffs erheblich verlängern. Spezialschiffe benötigen Genehmigungen, um in den betroffenen Gewässern zu arbeiten. Während einer Reparatur müssen sie weitgehend an einer Stelle bleiben und wären dadurch in einem Kampfgebiet besonders gefährdet. Hinzu kommen mögliche Verzögerungen durch Versicherungsauflagen und höhere Kosten.

Für den Datenverkehr zwischen Europa, Ostafrika und Asien wäre das Rote Meer ein bedeutenderer Angriffspunkt, sagte Mauldin Reuters. Iran hat allerdings keine öffentlichen Pläne für Angriffe auf Kabel dort bekanntgegeben.

Druck auf Regierungen und Technologiekonzerne

Die Drohungen treffen die Golfstaaten bei ihren Bemühungen, ihre Wirtschaft über das Ölgeschäft hinaus auszubauen. Sie investieren Milliarden in Rechenzentren und künstliche Intelligenz und arbeiten dabei eng mit US-Technologiekonzernen zusammen. Iranische Angriffe trafen im März bereits zwei Anlagen von Amazon Web Services in den Emiraten und beschädigten Infrastruktur nahe einer weiteren Anlage in Bahrain.

Der Iran-Experte Alex Vatanka vom Middle East Institute sieht in den Drohungen auch einen Versuch, einen erneuten Krieg abzuschrecken. Teheran wolle, dass Golfregierungen und Unternehmenschefs Trump wegen der Risiken für ihre Investitionen unter Druck setzten.

Diese vom Iran gewünschte Folge legte auch der zweite iranische Sicherheitsvertreter nahe. Er erklärte laut Reuters, die Golfstaaten sollten für mögliche Kabelschäden Washington verantwortlich machen.

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