Die Pilzsaison läuft an – doch noch sind die Berichte von Funden recht sparsam. In öffentlichen Facebook-Gruppen wie „Pilze sammeln Berlin/Brandenburg“ berichten Waldgänger von vergeblichen Versuchen, Essbares zu finden.
„Beelitz nix“, „Brandenburg an der Havel noch nix“, heißt es da. Andere Sammler aber können durchaus schon erste Erfolge im Pilzkorb präsentieren. Deren Krause Glucken, Steinpilze oder die ersten Maronen werden bewundert, beneidet – und manchmal auch angezweifelt.
„Wollt ihr mich veräppeln“, heißt es von einer Userin, die das Sammelglück eines anderen Gruppenmitglieds kaum fassen kann. Sie sei gestern zehn Kilometer gelaufen und habe in einem knistertrockenen Wald nichts gefunden – „außer zu Hunderten die scheiß amerikanischen Rotkappen.“
Ein aus Nordamerika eingewanderter Speisepilz
Wohl kaum ein Pilz spaltet die hiesige Sammlercommunity derzeit so sehr wie dieser: die amerikanische Rotkappe, besser bekannt als Falsche Rotkappe oder Großsporiger Kiefernröhrling (Aureoboletus projectellus), ein aus Nordamerika eingewanderter Speisepilz, der sich in Deutschland vor allem in sandigen Kiefernwäldern ausbreitet. Von denen wir in Brandenburg bekanntlich reichlich haben.
Im Social-Media-Forum postet eine Sammlerin aus der Gegend um Zossen das Bild eines gefundenen Pilzes und schreibt in die Gruppe: „Bitte, bitte, sagt nicht, es ist eine dieser falschen Rotkappen. Ich schließe die anderen mir bekannten aus. Das wäre der erste im Wald rund um Zossen/Teltow-Fläming. Geht's hier los?“
Andere Sammler berichten von ähnlichen Funden, sagen, die Falsche Rotkappe verdränge einheimische Arten: Wo früher nur Steinpilze gewesen seien, stünden jetzt diese. „Ich will die hier nicht haben“, heißt es in den Kommentaren.
Pilzcoach und Instagram-Star Moritz Schmid: „Klar verrate ich meine Pilzstellen“
Sachsentod und Falsche Rotkappe: Wozu diese Pilze gut sind
Doch was sagen Experten zur Falschen Rotkappe: Hat sie die Schmähungen verdient? Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie listet Aureoboletus projectellus seit 2023 in ihrer Positivliste der Speisepilze.
Dort sind Arten verzeichnet, von denen die Interessenvertreter aller Mykologen und Pilzfreunde Deutschlands glauben, dass sie nach ausreichendem Erhitzen und in angemessener Menge problemlos essbar sind. „Über die Schmackhaftigkeit lässt sich natürlich streiten“, heißt es in der aktuellen Liste des DGfM-Fachausschusses Pilzverwertung und Toxikologie, Stand 1. Mai dieses Jahres.
Moritz Schmid heißt die Falsche Rotkappe willkommen
Schauen wir doch mal, was bekannte Pilz-Influencer mit entsprechender Expertise sagen. Moritz Schmid zum Beispiel, Pilzsachverständiger und Pilzcoach der DGfM, der im Süden von Berlin täglich unterwegs ist und sammelt.
Auch er postete auf seinem Kanal @intothewoods_mushrooms erst kürzlich den Fund eines Großsporigen Kiefernröhrlings. Zu seinem Video aus dem Kiefernwald schreibt der 46-Jährige: „Die Falsche Rotkappe wurde im Jahr 2014 zum ersten Mal in Brandenburg (und damit gleichzeitig zum ersten Mal in ganz Deutschland) nachgewiesen. Sammler entdeckten die aus Nordamerika stammende invasive Pilzart in der Nähe von Alt-Schadow im Landkreis Dahme-Spreewald.“
Seit dieser ersten Entdeckung breite sich der Pilz, der bevorzugt auf Sandböden in Kiefernwäldern wachse, rasant in Brandenburg und insbesondere in der Lausitz aus, so Schmid. „Ich habe ihn zum ersten Mal vor acht Jahren gefunden und kann das bestätigen – mittlerweile ist er hier wirklich ein Massenpilz.“
Kaum Maden, sehr fest in der Konsistenz
Inwiefern Aureoboletus projectellus andere Arten wie die Marone verdrängen könne, sei unklar, sagt Schmid. Das werde aber derzeit in Polen erforscht. Er jedenfalls heiße die Falsche Rotkappe herzlich willkommen und freue sich über „so eine pittoreske neue Art“.
Geschmacklich sei der Pilz mit dem massigen Fruchtkörper, den gelben Röhren und der längsrippigen Stielstruktur ganz okay, berichtet der Influencer: „Kann man wunderbar essen.“
Ein anderer Content Creator namens Ingo berichtet auf seinem Social-Media-Kanal Sporenreich Ähnliches: „Ich persönlich finde diesen Pilz hervorragend. Kaum Maden, sehr fest in seiner Konsistenz und geschmacklich sehr gut.“
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