Das Eingangstor von Lichtenberg ist grau und zwölf Stockwerke hoch: Die Landsberger Arkaden an der Ecke Landsberger Allee/Storkower Straße sollten ein Markenzeichen für den Bezirk werden - mit einer bunten Fassade, Läden, Büros und einem Hotel. Harald Juhnke legte im September 1996 den Grundstein für den von dem Maiitalienischen Stararchitekten Aldo Rossi entworfenen Bau. Juhnke lebt inzwischen in einem Pflegeheim, Rossi starb vor vier Jahren. Und die Arkaden vergammeln langsam. - Investitionsruinen nennen Bauexperten Gebäude, die irgendwann mal begonnen, aber nie fertig gestellt wurden. Und es gibt in Berlin eine ganze Reihe davon. Wie viele es tatsächlich sind, weiß niemand genau. Eine offizielle Übersicht hat nicht einmal die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. "Zuständig dafür sind die Bezirke", sagt deren Sprecherin Petra Reetz. Zu den größten Ruinen gehören zweifelsohne die Landsberger Arkaden. Sie befinden sich inzwischen im Besitz der Lügro-Unternehmensgruppe. Die versucht seit Jahren, was zwei anderen Eigentümern zuvor nicht gelang. Sie will anstelle des einst geplanten Einkaufszentrums Deutschlands zweitgrößtes Hotel- und Kongresszentrum bauen. Die neuen Planungen seien abgeschlossen. Nun werde nach einem Bauunternehmen gesucht, sagt ein Sprecher. Sobald das gefunden ist, werde der Bauantrag für das neue Projekt eingereicht und unverzüglich mit der Fertigstellung begonnen.Solche Versprechungen hat die Lichtenberger Baustadträtin Katrin Lompscher (PDS) schon oft von dem Investor gehört. Bereits zwei ihrer Vorgänger im Amt waren immer wieder mit den Landsberger Arkaden beschäftigt. Doch Lompscher muss mit solchen Versprechungen leben. Ihr sind praktisch die Hände gebunden, denn Druckmittel hat sie nicht. "Wir können einen Investor nicht zwingen, ein Gebäude fertig zu stellen", sagt die Stadträtin. Zu gern würde sie es tun, denn die Ruine ärgert sie. Die einzige Möglichkeit: Der Bezirk erlässt ein so genanntes Baugebot. So sieht es das Baugesetz vor. "Wir setzen dem Eigentümer eine Frist, ein begonnenes Projekt zu vollenden", sagt Lompscher. Doch die Sache hat einen Haken: Ist ein solcher Bescheid erlassen, kann der Bezirk in Bedrängnis kommen. "Weist der Eigentümer nach, dass er wirtschaftlich nicht in der Lage ist, zu Ende zu bauen, müssen wir als Verwaltung diesen Part samt Kosten übernehmen." Bei der jetzigen wirtschaftlichen Situation finde ein Investor immer Gründe, weshalb er nicht fertig bauen kann. Deshalb heißt es für die Stadträtin: Abwarten. Angst, dass der Rohbau im Laufe der Zeit in sich zusammenfallen könnte, hat Lompscher nicht: "Der ist aus massivem Monolith gebaut, Regen und Wind können ihm nichts anhaben."Auch das Spandauer Bezirksamt muss seit Jahren mit einem Schandfleck leben: In der Straße Am Juliusturm im Ortsteil Haselhorst ragen zwei Fahrstuhlschächte in den Himmel. Die Telekom AG wollte mit ihrer Deutschlandzentrale in das Spandauer Tor ziehen, sprang ab wieder ab, der Bauunternehmer ging Pleite. Eine erste Zwangsversteigerung scheiterte. Stadtplanungsamtsleiter Walter Göllner setzt nun auf den zweiten Anlauf. Es gebe Interessenten, die das Grundstück samt Ruine erwerben wollen. Dort soll dann ein Dienstleistungszentrum entstehen. Allerdings muss der neue Eigentümer auch eine neue Baugenehmigung beantragen - die alte ist bereits abgelaufen. (BLZ)Wenig Möglichkeiten // Gesetzeslage: Bei allen Bauprojekten - geplant, begonnen oder abgeschlossen - gilt in der Bundesrepublik Deutschland das Baugesetz- buch. Allerdings enthält das Gesetz nur wenige Möglichkeiten, gegen den Eigentümer einer Investruine vorzugehen. Nach Paragraf 176 kann eine Kommune ein Baugebot erlassen, wenn dafür städtebauliche Gründe angeführt werden.Frist zur Fertigstellung: Demnach wird dem Eigentümer eines Gebäudes eine Frist gesetzt, das Haus fertig zu stellen. Allerdings: "Der Eigentümer kann von der Gemeinde die Übernahme des Grundstücks verlangen (. . . ). " Ausschlaggebend ist, dass der Eigentümer wirtschaftlich nicht dazu in der Lage ist, ein Haus fertig zu stellen.Enteignung: Ist ein Eigentümer wirtschaftlich in der Lage, kommt aber dem Baugebot nicht nach, kann ihn die Kommune enteignen. Der Eigentümer erhält dann eine Entschädigung. In Berlin gab es in den vergangenen Jahren keinen Fall von Baugeboten. Auch bundesweit werden nur äußerst selten Baugebote verhängt - wegen leerer Kassen der Kommunen.Schandflecken an den Straßen // Hertha-Gelände: Seit fast zehn Jahren ruhen die Arbeiten auf dem ehemaligen Hertha-Gelände an der Behm- Ecke Jülicher Straße in Wedding. Ein Sporthotel sollte dort entstehen. 1992 hatte der Investor das Areal vom Bezirk gekauft, ging zwei Jahre später allerdings Pleite. Der Bezirk blieb Eigentümer der Fläche, auf der eine Grundschuld von rund 50 Millionen Euro lastet. Das Bezirksamt Mitte versucht, einen neuen Investor zu finden.Geschäftshaus Grünstraße: Der Betonrohbau ist der größte Schandfleck in der Köpenicker Altstadt. Der Investor für das Wohn- und Geschäftshaus ging 1996 in Konkurs. Wegen archäologischer Funde stockten vorher monate- lang die Bauarbeiten. Seit anderthalb Jahren gibt es einen neuen Besitzer, der jetzt Fördermittel aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" bekommt. Eine Untersuchung des Rohbaus entscheidet über Abriss oder Weiterbau.Spandauer Tor: Nur zwei Fahrstuhlschächte ragen in die Luft: Das Spandauer Tor sollte in Form zweier Türme an der Straße Am Juliusturm entstehen. Die Telekom galt als heißer Anwärter für große Flächen. Sie plante ihre Deutschland-Niederlassung. Zwei Jahre nach der Grundsteinlegung sprang das Unternehmen ab. Eigentümer Gyuala Fritz stellte 1995 die Arbeiten ein. Fritz meldete Insolvenz an, das Grundstück kam in den Katalog der Zwangsversteigerungen.Zoofenster: Im Dezember 2001 wurde neben dem Bahnhof Zoo die Baugrube für ein 118 Meter hohes Hotel ausgehoben. Dabei blieb es. Ein halbes Jahr nach Baubeginn hatte der Hotelgigant Hilton überraschend seinen Rückzug von dem Projekt verkündet - obwohl bereits ein Pachtvertrag über 30 Jahren geschlossen war. Seitdem sucht der Investor aus Köln einen neuen Hotelbetreiber. Erst wenn der feststeht, gehen die Arbeiten für das 35-geschossige Gebäude weiter.Gaststätte "Mecklenburg": Die frühere Klubgaststätte steht inmitten eines sanierten Hellersdorfer Wohngebietes und ist seit Jahren geschlossen. Die Immobilie am Teterower Ring gehört der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend e. G. Der Komplex - eine Kombination von Gaststätte, Schülerspeisungssaal und Dienstleistungseinrichtungen - ist nicht einfach zu vermarkten, erklärte ein Sprecher. Dennoch liefen derzeit Verhandlungen mit Interessenten.Teufelsberg: Eine Investorengemeinschaft um den Kölner Architekten Hartmut Gruhl will seit Jahren auf dem 115 Meter hohen Hügel im Grunewald einen millionenschweren Komplex mit Eigentumswohnungen, Hotel und Museum bauen. Bislang stehen nur eine Tiefgarage und ein Muster-Loft. Mehrfach wurde bereits umgeplant, die Investitionssumme mittlerweile auf 85 Millionen Euro halbiert. Bis Ende September 2004 muss das Bauvorhaben beendet sein - so will es der Vertrag mit dem Land Berlin.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM (6) Leere Fensterhöhlen: Vor Jahren schon sollten die Landsberger Arkaden ein Markenzeichen von Lichtenberg werden.BLZ/KAY HERSCHELMANN
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