Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat einen Teil seiner Beschränkungen gegen russische Sportler aufgehoben. Athletinnen und Athleten aus Russland sollen sich künftig auch in Mannschaftssportarten für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles qualifizieren können, wie das IOC am Dienstag nach einer Sitzung des Exekutivkomitees in Lausanne mitteilte.
„Wir wollen Athleten nicht für die Handlungen ihrer Regierungen zur Rechenschaft ziehen“, sagte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry bei einer Online-Pressekonferenz. Zugleich bekräftigte sie, das IOC verurteile die russische Invasion in der Ukraine unverändert.
Weiter kein Start unter russischer Flagge
Anders als bei belarussischen Sportlern, die im Mai vollständig wieder zugelassen worden waren, dürfen Russinnen und Russen bei Olympia vorerst weiterhin nicht unter nationaler Flagge und mit Hymne antreten. Über die Nutzung russischer Symbole bei den Spielen will das IOC nach eigenen Angaben „zu gegebener Zeit“ entscheiden. Veranstaltungen in Russland will das Komitee nicht organisieren, Vertreter des russischen Staates nicht einladen.
Das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) war im Herbst 2023 suspendiert worden, nachdem es Sportorganisationen aus von Russland besetzten ukrainischen Gebieten aufgenommen hatte. Diese Suspendierung hob das IOC nun vorläufig auf. Das ROC habe bestätigt, in den betroffenen Gebieten keine Aktivitäten mehr durchzuführen.
Zusätzliche Dopingkontrollen vorgeschrieben
Wegen der „mangelnden Zuversicht der weltweiten Sportgemeinschaft“ müssen russische Sportler laut IOC vor ihrer Rückkehr in internationale Wettbewerbe mehrere Dopingtests absolvieren. Die Kontrollen sollen von der International Testing Agency (ITA) überwacht werden. Sollte die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA 2028 weiterhin als nicht regelkonform gelten, würden alle qualifizierten russischen Athleten unabhängigen Tests unterzogen.
Wie weit die Rückkehr tatsächlich reicht, entscheiden die einzelnen Sportverbände. Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics hält laut AP an einem vollständigen Ausschluss russischer und belarussischer Athleten fest. Auch die Fußballverbände FIFA und UEFA schließen russische Mannschaften weiterhin von Wettbewerben wie Weltmeisterschaft und Champions League aus. Der Schwimm-Weltverband World Aquatics hatte seine Beschränkungen dagegen bereits im April aufgehoben.
Der russische Sportminister Michail Degtjarjow begrüßte die Entscheidung. Die Rückkehr Russlands in die olympische Familie sei „grünes Licht für die internationalen Verbände“, die Rechte russischer Athleten wiederherzustellen, erklärte er auf Telegram.
Bei den Sommerspielen 2024 in Paris waren lediglich 32 Sportler aus Russland und Belarus als neutrale Athleten zugelassen. Zum Vergleich: Bei den 2021 ausgetragenen Spielen in Tokio hatte Russland mehr als 300 Sportler entsandt, die 71 Medaillen gewannen.
Nord Stream verliert vor Gericht in London: Interessante Thesen zu den Tätern
Olympia 2036 in Deutschland? Steinmeier macht überraschende Kehrtwende
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]