Die Anführer mehrerer vom Iran unterstützter Milizen im Irak stehen kurz davor, einer Aufforderung der US-Regierung nachzukommen, ihre Waffen niederzulegen. Dies hat die Nachrichtenagentur Reuters am Montag unter Berufung auf zehn irakische Beamte und Milizkommandeure berichtet. Die Milizen wollen offenbar vermeiden, ins Visier von US-Luftangriffen zu geraten, die US-Präsident Donald Trump anordnen könnte, wenn sie sich weigern, sich zu entwaffnen.
Zu den Milizen, deren Kommandeure von Reuters interviewt wurden, gehören die schiitische Kataib Hisbollah und die Nudschaba-Bewegung. Beide sind Teil der mächtigen, vom Iran unterstützten Dachorganisation der Volksmobilisierungskräfte (Al-Haschd Asch-Scha’bi oder PMF). „Trump ist bereit, den Krieg mit uns zu verschärfen, das wissen wir, und wir wollen ein solches Szenario vermeiden“, sagte ein Kommandeur der Kataib Hisbollah gegenüber der Nachrichtenagentur.
Die Kommandeure erklärten, ihr wichtigster Verbündeter, die iranischen Revolutionsgarden (IRGC), hätten ihnen grünes Licht gegeben, jede Entscheidung zu treffen, die sie für notwendig hielten, um zu vermeiden, dass sie in einen Konflikt mit den USA und Israel hineingezogen würden. Dem Bericht zufolge wurden die Hauptquartiere einiger Gruppen bereits evakuiert und ihre Präsenz in größeren Städten aus Angst vor Luftangriffen reduziert.
Truppen der iranischen Revolutionsgarde während einer Übung.
© Hossein Zohrevand/dpa
Isat al-Schahbndar, ein der irakischen Regierung nahestehender Politiker, sagte ebenfalls gegenüber Reuters, die Gespräche zwischen Premierminister Mohammed Schia As-Sudani und den Milizen seien „sehr weit fortgeschritten“. Diese seien geneigt, den Aufforderungen der USA zur Entwaffnung nachzukommen. „Die Gruppen verhalten sich nicht stur oder beharren darauf, in ihrer jetzigen Form weiterzumachen“, sagte er und fügte hinzu, die Gruppen seien sich „völlig bewusst“, dass sie von den USA ins Visier genommen werden könnten.
Milizen im Irak legen Waffen nieder: Was Trumps Brief an den Iran damit zu tun hat
Anfang März hatte das US-Außenministerium die auch vom Iran unterstützte Huthi-Miliz als terroristische Organisation eingestuft und wenige Tage später mit der Bombardierung von Zielen im Jemen begonnen. Berichten zufolge befürchten die Gruppen der PMF, dass sie das gleiche Schicksal ereilen könnte. Einige der Milizen in der PMF, darunter die Kataib Hisbollah, waren von den USA nach Angriffen auf US-Streitkräfte und -Interessen im Irak bereits als Terrororganisationen eingestuft worden.
Ebenfalls im März schickte Trump einen Brief an den Obersten Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, in dem er ein Ultimatum für Verhandlungen über das iranische Atomprogramm stellte. Der iranische Botschafter im Irak, Mohammad Kasem al Sadegh, hatte enthüllt, dass Trump in seinem Brief auch die Auflösung der vom Iran unterstützten Milizen im Irak forderte, darunter die PMF.
Am vergangenen Donnerstag hatte Trump direkte Gespräche mit der Islamischen Republik erneut befürwortet. „Ich denke es geht schneller und man versteht die andere Seite viel besser, als wenn man über Vermittler miteinander spricht“, erklärte er. Gleichzeitig drohte Trump zuletzt mit „Bombardierungen“, sollte es keine Einigung geben.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi lehnte den Vorschlag Trumps erneut ab „Direkte Verhandlungen mit jemandem, der ständig mit Gewalt droht“ seien „sinnlos“, erklärte Araghtschi am Sonntag. Der Iran bleibe bereit für indirekte Verhandlungen, werde aber auch „seine nationalen Interessen und seine Souveränität“ verteidigen.
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